Kreis Coesfeld
Wer zahlt Landrat-Grab?

Mittwoch, 11.01.2012, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 11.01.2012, 00:00 Uhr

Coesfeld. Ein heller Sarkophag mit Marmorplatte. Familienwappen obendrauf. Kieselsteine drumherum. Und das ganze begrenzt von Stelen, an denen eine Kette hängt. Schon von weitem erkennt der Besucher des Lamberti-Friedhofs an der Billerbecker Straße in Coesfeld, dass hier eine besondere Persönlichkeit ruht. Schon 1981 war das Grab des dritten Landrates des Kreises Coesfeld, August von Bönninghausen (1831 bis 1904), und seiner Frau Franziska ein Politikum, als die Sanierung und Verlängerung des Nutzungsrechtes anstand. Zurzeit ist die Zukunft wieder ungewiss.

Direkte Nachfahren gab es schon 1981 nicht mehr. Andere Verwandte wollten damals die Kosten nicht übernehmen. Und auch der Kreis Coesfeld sah sich nicht in der Pflicht, das durch Vandalismus und Verwitterung ziemlich marode Grabmal sanieren zu lassen. Stark machte sich dafür zwar der damalige Oberkreisdirektor Mathias Goß. Obwohl die Richtlinien des Kreises für Denkmalpflege das nicht hergaben, wollte er die zunächst auf 1200 Mark geschätzte Restaurierung aus Kreis-Mitteln bezahlen. Doch mit knapper Mehrheit lehnte der Kreisausschuss das ab. In die Bresche sprang schließlich der Kreisheimatverein, dessen Vorsitzender Goß auch war. Und die Pfarrgemeinde St. Lamberti verzichtete für 30 Jahre auf eine Gebühr für das Nutzungsrecht.

Heute ist das Thema wieder aktuell, denn die 30-Jahre-Frist ist am 31. Dezember 2011 ausgelaufen. Ob die Grabstätte eingeebnet wird oder erhalten bleibt, ist derzeit noch offen, erfuhr unsere Zeitung auf Nachfrage. Für die Zentralrendantur erklärte die für die Friedhöfe zuständige Mitarbeiterin Regina Hellermann, die auch schon vor 30 Jahren mit dem Fall betraut war, dass über das weitere Vorgehen jetzt der Kirchenvorstand entscheiden müsse. Dessen Vorsitzender ist der neue Pfarr- und Kreisdechant Johannes Arntz, der von dem Auslaufen der Ruhefrist erst durch die Nachfrage unserer Zeitung erfuhr. Er kündigte an, das Thema in der nächsten Sitzung anzusprechen.

Klar ist im Vorfeld der Entscheidung, dass die finanziellen Verhältnisse bei allen Beteiligten knapper sind denn je. In Zeiten, in denen Kirchen geschlossen werden müssen und Friedhöfe kaum mehr kostendeckend betrieben werden können, ist der Spielraum für ein so großzügiges Angebot wie vor 30 Jahren geringer. 4040 Euro müssen normalerweise für die Verlängerung einer so großen Grabstätte auf 30 Jahre hingeblättert werden - kein Pappenstiel.

Wird der Kreisheimatverein wieder in die Bresche springen? "Das war damals ein einmaliger Vorgang", stellte dessen Geschäftsführer Christian Wermert klar. "Wir sehen hier in erster Linie den Kreis Coesfeld in der Pflicht", stellte er klar. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine größere Summe in die Hand nehmen." Der Kreis sieht hingegen keine Verpflichtung. "Dann müssten wir uns um viele Gräber ehemaliger Landräte kümmern", erklärte Alois Bosman, Leiter des Büros des Landrates. Das sei Sache der Friedhofsverwaltung und der Nachfahren.

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