Bauern überreichen Resolution an Deutsches Milchkontor GmbH / Erlöse decken kaum noch Kosten
„Wie soll ich meine Familie ernähren?“

Coesfeld. Noch nicht mit wehenden Fahnen und Transparenten – aber doch mit großer Entschlossenheit und einer Resolution in der Tasche standen gestern Vormittag rund 40 Milchbauern, teilweise mit ihren Kindern, vor den Toren des Werkes der DMK Deutsches Milchkontor GmbH am Dreischkamp in Coesfeld. Sie beteiligten sich an einer bundesweiten Aktion des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), mit der anlässlich der laufenden Preisverhandlungen zwischen den Molkereien und dem Einzelhandel darauf hingewiesen werden soll, dass das Geld, das bei den Bauern für die gelieferte Milch ankommt, kaum noch ausreicht, um ihre erheblich gestiegenen Kosten zu decken. „Wie soll ich denn in den nächsten Jahren meine Familie ernähren?“ fragte ein Landwirt DMK-Regionalleiter Heinz Kleintigges, der die Milchbauern zu einer Gesprächsrunde in das DMK-Verwaltungsgebäude gebeten hatte. Kleintigges äußerte Verständnis für die schwierige Lage der Milchviehhalter: „Uns ist die Situation auf den Höfen bewusst. Wir nehmen sie sehr ernst.“

Mittwoch, 17.10.2012, 18:34 Uhr

BDM-Kreisvorsitzender Franz-Josef Krechtmann hatte ihm zuvor eine Resolution mit der Bitte überreicht, in den Verhandlungen mit dem Einzelhandel „Durchsetzungskraft zu zeigen“ und nur Verträge zu unterschreiben, die einen Erzeugermilchpreis von mindestens 40 Cent pro Liter möglich machen. „Das ist lebensnotwendig“, so Krechtmann. Zurzeit erhalten sie von der DMK nur 27 Cent. Das habe schon dazu geführt, dass viele Betriebe im Kreis Coesfeld in Liquiditätsengpässe gerieten. „Wir leben aus der Substanz“, erklärte auch die stellvertretende Vorsitzende Anne Schild-Budde – „das kann so nicht weitergehen“.

In den Verhandlungen mit den Vertretern der Branchen-Riesen (Aldi, Lidl und Co.) geht es derzeit um die Preise für die so genannte „weiße Linie“, vor allem für Trinkmilch. Krechtmann betonte, dass sich die Bauern diesmal nicht mit zwei Cent mehr abspeisen ließen – „da muss mehr kommen“.

Kleintigges sprach die Hoffnung aus, in den Verhandlungen bessere Preise erzielen zu können. Gleichzeitig versuchte er aber zu hohe Erwartungen zu bremsen: „Es wird eine Erhöhung geben. Aber die 40 Cent werden wir in diesem Jahr nicht mehr erreichen.“ Er kündigte an, dass sich die DMK aus der „weißen Linie“ weiter zurückziehen wolle, falls die Verhandlungen wider Erwarten scheitern sollten. Dann soll verstärkt auf veredelte Milchprodukte wie Käse gesetzt werden, um die Erlössituation der Landwirte zu verbessern. Er geht derzeit davon aus, dass die Verhandlungen aber erfolgreich abgeschlossen werden und am Ende etwa zehn Cent auf die Preise aufgeschlagen werden können. „Wie viel kommt davon dann bei uns an?“ wollte ein Landwirt wissen. „Etwa die Hälfte, sechs bis acht Cent“, antwortete der DMK-Vertreter.

In der anschließenden Diskussion machten viele Bauern ihrem Frust über die derzeitige Erlössituation Luft. „Es wird in der Politik über Mindeslöhne für viele Branchen gesprochen, wir wären froh wenn wir einen Stundenlohn von sieben bis acht Euro hätten“, sagte einer. Beklagt wurde auch die Billig-Mentalität auf dem deutschen Lebensmittelmarkt. Wie Schild-Budde berichtete, gäben die Deutschen nach statistischen Erhebungen nur etwa 9,8 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus – „so wenig wie nirgendwo sonst in Europa“. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 17 Prozent. Schild-Budde wollte von Kleinetigges wissen, warum eigentlich immer nur die Landwirte dafür „haften“ müssten, wenn die Molkereien mit dem Einzelhandel schlecht verhandelten. „Wir können nur das auszahlen, was die Erlöse auch hergeben“, unterstrich der DMK-Regionalleiter.

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