NRW-SPD-Generalsekretär André Stinka diskutiert in Darup mit Milchbauern über Agrarpolitik
Allein unter Landwirten

Darup. Noch vor einigen Jahren wäre es für Sozialdemokraten die Höhle des Löwen gewesen. Als André Stinka (Dülmen), neuer Generalsekretär der NRW-SPD, am Montagabend im Landgasthof Egbering in Darup beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zu Gast war, allein unter rund 80 Landwirten, wurde auch leidenschaftlich über Agrarpolitik gestritten, er musste einiges an Kritik einstecken – aber die Atmosphäre blieb entspannt. Mit Blick darauf, dass „Schwarz-Bunte“ und „Rot-Bunte“ bei der Rinder-Union West schon seit geraumer Zeit unter einem Dach vermarktet werden, meinte BDM-Kreissprecher Franz-Josef Krechtmann, ob das nicht auch ein Modell für die Politik sein könnte. Eine große Koalition, wollte er damit wohl sagen, wäre den Bauern lieber als Rot-Grün. „Wenn Rot führt, immer!“ lachte Stinka.

Dienstag, 23.10.2012, 19:32 Uhr

Der SPD-Politiker hatte zuvor unterstrichen, dass er für eine Stärkung des ländlichen Raumes kämpfe – und dazu gehöre auch die Landwirtschaft. Allerdings sei er für eine bäuerliche Landwirtschaft. „Für uns gilt, dass der Erzeuger gestärkt werden muss.“ Auch Nebenerwerbslandwirte, kleine und mittlere Betriebe müssten eine Zukunft haben. Stinka: „Immer nur: wachse oder weiche. Das kann es nicht sein.“

Krechtmann meinte, dass die SPD mit so einem Modell „auf dem Holzweg“ sei: „Eine gewisse Größe müssen die Betriebe schon haben. Wir können nicht wieder anfangen mit der Hand zu melken.“ Aus der Versammlung wurde Stinka vorgehalten, dass er nur „Unverbindliches“ vortrage und die SPD in Düsseldorf die Agrarpolitik den Grünen überlasse. „Wo ist die Handschrift der SPD? Der Remmel gibt doch den Ton an,“ sagte einer. Stinka unterstrich, dass im Koalitionsvertrag keineswegs nur von der Förderung des Öko-Landbaus die Rede sei. Allerdings dürfe man auch nicht „Potenziale liegen lassen“. Der Bedarf an Öko-Lebensmitteln sei größer als das, was bei uns produziert werde. „Das ist allerdings nicht der alleinige Weg“, so Stinka. Er sprach sich für eine Regionalsierung der Vermarktung aus. Aber die Direktvermarktung, setzten die Landwirte dagegen, sei auch nicht für alle sinnvoll und machbar.

Stinka hielt den Bauern vor, dass die Landwirtschaft bei den Verbrauchern „in einer Akzeptanzkrise“ stecke und sie etwas für mehr Akzeptanz tun müssten: „Ein Tag des offenen Hofes im Jahr reicht dafür nicht aus.“ Er forderte die Milchbauern auf, sich in die Debatte darüber einzuklinken, wie die EU-Mittel in der neuen Förderperiode ab 2014 neu verteilt werden sollen: „Ein weiter so kann es nicht geben.“

Spontan wurden in der Versammlung Unterschriften dafür gesammelt, dass ein umweltgerechter Gülleeinsatz von 230 kg N auf Grünland auch weiter möglich sein soll. Elisabeth Ballheimer, Unternehmensberaterin für Milchviehhalter bei der Landwirtschaftskammer, hob hervor, dass es auch ökologisch keinen Sinn mache, wenn Landwirte teuren Mineraldünger einsetzen und die betriebseigene Gülle teils weit weg transportieren lassen müssten. Über die Abschaffung der Regelung wird gerade in Brüssel diskutiert. Für ihren Erhalt machte sich auch Heinrich Buxtrup (Nottuln), Aufsichtsratsvorsitzender der Rinder Union West eG, stark: „Das ist sinnvoll, den Leuten, die das Grünland erhalten, auch mal etwas Gutes zu tun.“ Stinka nahm die Unterschriften in Empfang und versprach, dieses Thema an den entsprechenden Stellen bei der Landesregierung vorzutragen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1218802?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F967324%2F1805863%2F
Nachrichten-Ticker