Bauernverbands-Vizepräsident empfiehlt Landwirten bei Kreisverbandstag offensiven Umgang mit Kritik
„Wir sind die Tierkönner“

Senden. Trotz reichlich Kaffee und Schnittchen musste der Klönschnack warten: Als Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zu seinem Referat ansetzte, konnte man die Stecknadel fallen hören in der gut gefüllten Steverhalle. Immerhin setzte sich der Hauptredner des Kreisverbandstages, zu dem der Bauernverband auf Kreisebene gestern nach Senden geladen hatte, mit einem Thema auseinander, das wohl jeden der anwesenden Landwirte in irgendeiner Weise berührte.

Dienstag, 08.01.2013, 18:06 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 08.01.2013, 18:03 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 08.01.2013, 18:06 Uhr

„Der Bauer zwischen Ökologie und Ökonomie“ hatte der Schleswig-Holsteiner, der selbst einen Schweinemast- und Sauenbetrieb führt, seinen Vortrag überschrieben. Mit fesselnder Sprache zeichnete er ein plastisches Bild des modernen Landwirts, der zwischen steigendem Kostendruck, drohenden oder bereits umgesetzten Reglementierungen durch die Politik, offenen Generationsfragen in beide Richtungen und regelmäßigen Anprangerungen durch Bürgerinitiativen sein Auskommen sucht. In aller Kürze streifte er baurechtliche Neuerungen – „mit der Streichung des privilegierten gewerblichen Bauens ist das Ministerium zu weit gegangen“, griff die wirtschaftliche Lage der Berufskollegen in den europäischen Nachbarländern auf und riss die EU-Agrarreform und das Stichwort „Greening“ an.

Immer wieder appellierte er an die Landwirte, insbesondere bei der Öffentlichkeitsarbeit vor der eigenen Haustür aktiv zu werden. „Es reicht nicht, dass Fakten bekannt gemacht werden, sie müssen auch anerkannt werden“, riet er den Bauern, eine vertrauensvolle Basis zu ihren Nachbarn ohne landwirtschaftlichen Hintergrund aufzubauen. „Wir müssen deutlich machen, dass wir Verbesserungen zu Tierschutz und Tierwohl selbstständig umsetzen. Wir sind die Tierkönner.“

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke betonte in seinem Grußwort den Stellenwert der Landwirtschaft für das Münsterland. Interessenskonflikte, wie sie zum Beispiel durch Einzelmaßnahmen wie dem Lückenschluss der B 67n, die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie oder die Windkraft- oder Biogasanlagenproblematik entstehen, ließen sich nur in einem Klima des „ausgewogenen Miteinanders“ lösen.

Landrat Konrad Püning vertrat in seinem Grußwort den Kreis Coesfeld, den viele Landwirte in erster Linie als Genehmigungsbehörde kennen. Er nutzte seine Redezeit auch, um den Landwirten die Bedeutung von modernen Abluftreinigungsanlagen bei Großställen nicht nur vor dem Hintergrund der Landespolitik ans Herz zu legen: „Die Akzeptanz der Bevölkerung für den Ausbau von Tierhaltungsanlagen hängt ganz entscheidend davon ab.“

Der Vorsitzende des Kreisverbandes, Anton Holz, sowie Geschäftsführer Raphael van der Poel ließen das Jahr 2012 Revue passieren. Holz, der gleichzeitig Kreislandwirt ist, rief die „schwarzen Schafe“ des Berufsstandes zu mehr Rücksichtnahme auf und riet den Landwirten, ihr eigenes Verhalten selbstkritisch zu hinterfragen.

Als Vertreterin der Landfrauen appellierte Ursula Muhle an jeden einzelnen, sich aktiv um Öffentlichkeitsarbeit zu bemühen, sich nicht „wegzuducken“ und den Menschen zu zeigen, dass Landwirtschaft mit Leidenschaft eine „Herzensangelegenheit“ sei.

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