Bürgerinitiativen im Land schließen sich zu einem Netzwerk zusammen
„Bauernhöfe statt Agrarfabriken“

Billerbeck. Explosive Stimmung am Samstag in der Alten Landwirtschaftsschule in Billerbeck: Die einen wollten tagen, die anderen diskutieren. Billerbecks Bürgerinitiative für die Werterhaltung der Region hatte laut Pressemitteilung eingeladen, um ein „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ für NRW zu gründen. Neun Bürgerinitiativen aus dem Land sowie weitere Organisationen wie Nabu, BUND, Pro Vieh und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hatten Vertreter zu dieser Veranstaltung entsandt. Insgesamt 47 Gäste wollte Organisator Klaus Richter von der Billerbecker Bürgerinitiative begrüßen. Doch auch Billerbecker Landwirte wollten dabei sein. Da sie sich nicht mit den Zielen des bestehenden bundesweiten Netzwerkes „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ identifizieren, waren sie jedoch nicht eingeladen worden. Gekommen waren aber dennoch 30 von ihnen, unter anderem vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband und dem ISN-Schweinehalterverband. Nach einigen Diskussionen entschied die Tagungsleitung, die Billerbecker Landwirte hereinzubitten und ihre Position anzuhören. Moderator Eckard Niemann gelang es trotz der gereizten Stimmung, eine kurze, sachliche Diskussion zu leiten.

Montag, 06.05.2013, 18:58 Uhr

Viele bekundeten ihr Interesse an einer Diskussion über ein gemeinsames Vorgehen gegen große außerlandwirtschaftliche Agrarindustrielle. Man vereinbarte, die dabei offen gebliebenen Fragen über die Abgrenzung der Agrarfabriken, die Möglichkeiten eines Umbaus der Schweinehaltung auf eine Strohhaltung (nach dem Ringelschwanz-Kupierverbot der EU) und die Umsetzung einer EU-weiten Erzeugerpreiserhöhung durch Überschuss-Abbau gemeinsam bei einer Veranstaltung in den nächsten Wochen in Billerbeck zu diskutieren.

Die Tagung wurde dann ohne die Billerbecker Landwirte fortgesetzt. In einem Grußwort wünschten der Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff (MdB) sowie Landtagsabgeordneter Norwich Rüße von den Grünen dem Netzwerk gutes Gelingen: „Überall in Deutschland bilden sich Bürgerinitiativen gegen die Massentierhaltung. Damit seid ihr die größte Bürgerbewegung in Deutschland“, so Ostendorff. Die kürzlich beschlossene Änderung des Baurechts sei auch auf den Druck der Bürger zurückzuführen.

Der Vorsitzende des Landesnetzwerkes Niedersachsen, Michael Hettwer, regte an, sich in der Politik Verbündete bei allen Parteien zu suchen. „Nur so können wir etwas erreichen.“ Ein weiterer Schwerpunkt müssten die Koordination von Aktionen und die Öffentlichkeitsarbeit sein. Eine Internetplattform gibt es bereits.

Einstimmig beschloss man dann, das Landesnetzwerk zu gründen. Ihm steht ein Sprecherrat aus sechs Personen vor, der die nächsten Aktionen koordinieren wird. Ihm gehören auch zwei Mitglieder aus dem Kreis Coesfeld an: Anette Liesert (BI Dülmen) und Bianca Bannach-Goerges (BI Coesfeld/Pro Vieh). | www.agrarwende-nrw.net

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