Christen aus dem Kreis Coesfeld zurück vom Kirchentag in Hamburg / Stotterer-Selbsthilfe aktiv dabei
Gemeinschaftsgefühl war das Beste

Kreis Coesfeld. Was war das schönste Erlebnis beim Ev. Kirchentag? Die junge Gruppenleiterin aus Nottuln muss nicht lange überlegen: „Ich war bei der Veranstaltung ,Samuel und Samuel‘. Das war genial. Tolle Musik. Gute Gespräche.“ Doch dann korrigiert sie sich noch einmal. „Eigentlich war das Highlight für mich, als in der U-Bahn einer ein Lied angestimmt hat und alle mitgesungen haben.“ Das sei ein tolles Gefühl von Zusammengehörigkeit gewesen. Das Gemeinschaftserlebnis nennen auch viele andere, wenn nach ihrer Bilanz der fünf Tage in Hamburg gefragt wird. Gestärkt im Glauben kehrten sie nach dem beeindruckenden Schlussgottesdienst am Sonntag zurück in den Kreis Coesfeld. „Bei uns kommen nur noch Wenige in den Gottesdienst. Da war es gut zu wissen, dass wir doch noch eine so große Gemeinschaft sind“, meinte ein Lüdinghausener. Einer von insgesamt rund 200 Teilnehmern, die mit den Kirchenkreisen Münster beziehungsweise Steinfurt-Coesfeld-Borken nach Hamburg gefahren waren.

Montag, 06.05.2013, 18:58 Uhr

Viele Begegnungen ermöglichte der Kirchentag auf seinen 2500 Veranstaltungen an rund 400 Orten. Geplante. Aber auch unverhoffte. So war Ludger Homölle aus Coesfeld, den einige aus der Kirchenkreis-Gruppe in einer Messehalle trafen, privat organisiert nach Hamburg gereist. Als Rollstuhlfahrer zeigte er sich dankbar dafür, wie gut Inklusion beim Kirchentag funktionierte. Und auch die Stadt selbst, so Homölle, habe ihn aus der Sicht eines Menschen mit Behinderung beeindruckt: „Die Bordsteine sind hier wirklich alle abgesenkt. Bei uns in Coesfeld gibt es da immer noch eine kleine, aber entscheidende Kante.“

Selbst aktiv beim Kirchentag waren Bernhard Wauligmann aus Havixbeck, Sebastian Rump aus Nottuln und Oliver Schupp aus Ascheberg, die am Stand der Stotterer-Selbsthilfe Besucher zu einem Quiz einluden. Wie sollte man sich Stotternden gegenüber verhalten?, war ein Schwerpunkt-Thema. Sollte ich einem Stotterer, der ein Wort gerade nicht herausbringt, dabei helfen, in dem ich das Wort selbst sage? „Nein, lieber nicht“, erklärt Wauligmann. Besser sei es, Geduld aufzubringen. Wenn der Gesprächspartner Ruhe ausstrahle, sei das für den Stotternden eine große Hilfe. Er weiß, wovon er spricht, ist selbst vor Jahren mal 11 km zu Fuß gelaufen, weil er Angst hatte, eine Busfahrkarte zu kaufen. Am Stand hängt ein Plakat von „The Kings Speech“. „Dieser Film hat viele sensibilisiert“, so Wauligmann. Das war auch ein Anliegen beim Kirchentag. Mit vielen Menschen sei man ins Gespräch gekommen – Betroffenen, aber auch Angehörigen, Lehrern und Therapeuten. Sie haben am eigenen Beispiel gezeigt, wie gut es ist, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. „Selbsthilfe und Therapie – das bringt doppelten Erfolg“, sagt Wauligmann. Dass er mal gestottert hat, hört man heute nicht mehr. | www.bvss.de

| Kommentar

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1646210?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F1805855%2F1805856%2F
Nachrichten-Ticker