Naturschutzzentrum holt Naturführer in die Baumberge: Mit Udo Wellerdiek auf Vogelstimmen-Tour
Zwitschern um die schönsten Bräute

Kreis Coesfeld (hlm). Im Kreis scharten sich am ehemaligen Restaurant Leopoldhöhe rund 40 Naturliebhaber um Udo Wellerdiek.

Donnerstag, 28.04.2016, 10:33 Uhr

Naturschutzzentrum holt Naturführer in die Baumberge: Mit Udo Wellerdiek auf Vogelstimmen-Tour : Zwitschern um die schönsten Bräute
Der digitale Stift, den die sechsjährige Paula in die Luft hält, pfeift die Melodie eines Wintergoldhähnchens. Und tatsächlich hören die Spaziergänger einen Anwortruf aus dem Wald. Foto: hlm

Der Natur- und Landschaftsführer entführt die Gruppe auf eine Tour durch die größte zusammenhängende Waldfläche in den Baumbergen.

Während sich der erste Waldmeister aus dem Boden schiebt und das Waldveilchen mit den lila Blüten um Bestäuber bewirbt, ist in der Baumschicht des Mischwaldes ein munteres Waldkonzert zu hören.

Marketingaktionen der Schönsten und Besten um die Vogelbräute. Schließlich wollen sie mit ihrem Gesang der Damenwelt imponieren. Aber nicht nur, so erfahren die Spaziergänger.

Mit unterschiedlichen Melodien und Tonabfolgen unterhalten sich die Vogelarten untereinander. Ja, sie tratschen sogar, wenn zum Beispiel die Nachbarsfamilie junge Küken im Nest hat. Irgendwie ertappt man sich bei dem Versuch, das soziale Verhalten der Vögel mit dem des Menschen zu parallelisieren.

Andrea Rickermann wollte schon letztes Jahr bei dem unterhaltsamen Spaziergang, zu dem das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld jährlich einlädt, dabei sein. Über WhatsApp hat sie von diesem Termin erfahren und sich eingeklinkt. Die Nottulnerin bereut es ganz und gar nicht, dem wechselnden Wetter zu trotzen.

Wellerdieck erläutert soeben den Grund für das imposante Gesangspiel in der Vogelwelt. Diese Tiere investieren die meiste Energie in den Gesang. „Schließlich haben sie, im Vergleich zu anderen Tierarten, nicht viel Zeit zur Reproduktion“, so sieht es der Vogelfreund. Es bleiben nur wenige Wochen, um den Nachwuchs groß zu ziehen. „Ich singe, also bin ich“, kommentiert Rieckermann lächelnd.

Mit viel Witz und Charme erzählt Wellerdieck auf lockere Art und Weise über die Biologie der Federtiere. Wissenswertes über die Lebensweise und von Rekordhaltern im Tierreich, die im Münsterland leben. So wie der Wanderfalke als schnellstes Tier der Welt, wenn er mit über 300 Kilometern pro Stunde im Sturzflug seine Beute jagt.

Für ein paar Minuten wird es im Wald still. Kein Gesang ist mehr zu hören, nur das Rascheln von Graupel, der auf den Laubboden fällt. Ein mächtiger Schauer lässt die Landschaft für kurze Zeit weiß werden. „Das ist meine erste Vogelführung im Schnee“, witzelt der 49- jährige Naturführer.

Kurz darauf wärmen sich die Spaziergänger wieder in den Sonnenstrahlen auf der Leopoldshöhe mit einem malerischen Fernblick in den Süden des Kreis Coesfeld. Der April macht seinen Namen alle Ehre.

Die Liebe zur Natur findet sich bei Wellerdieck im jedem noch so kleinen Moment. Er lenkt den Blick freudig auf das Landschaftsbild mit der rückseitigen dunklen Wolkenfront, die im angestrahlten Sonnenlicht kurzlebige Gebilde formt und noch vor wenige Minuten die Teilnehmer zum Bibbern brachte.

Erst vor Kurzem hat Finn Zimmermann die Vogelwelt als Hobby für sich entdeckt. Der 11-Jährige hat in einem Buchladen ein Bestimmungsbuch gefunden, dass er jetzt bei dem Spaziergang dabei hat. Emsig lauscht er dem Naturführer und saugt das Gesagte sprichwörtlich in sich auf. Alles wird er sich nicht merken können, aber vieles und er wird sicherlich die gut 380 Hektar große Waldfläche nochmals besuchen kommen.

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