Bezirksschülersprecher Felix Hölscher kritisiert Sanierungsstau an vielen Schulen im Kreis Coesfeld
„Baulicher Zustand oft erbärmlich“

Kreis Coesfeld. Den Unterrichtsausfall minimieren, Flüchtlingskinder gut integrieren, Toilettenanlagen modernisieren und häufiger reinigen – das sind nur einige Ziele, für die sich die Bezirksschülervertretung im Kreis Coesfeld im vergangenen Schuljahr eingesetzt hat. Der Vorsitzende Felix Hölscher (16) aus Dülmen, bisher Schüler der Kardinal-von-Galen-Hauptschule und demnächst am Richard-von-Weizsäcker-Kolleg, hat sich auch für das neue Schuljahr schon einiges vorgenommen. Unser Redaktionsmitglied Detlef Scherle traf sich mit ihm zu Anfang der Ferien und stellte dabei fest, dass Hölschers Engagement auch in dieser Zeit kaum ruht.

Samstag, 16.07.2016, 09:05 Uhr

Bezirksschülersprecher Felix Hölscher kritisiert Sanierungsstau an vielen Schulen im Kreis Coesfeld : „Baulicher Zustand oft erbärmlich“
Auch für das neue Schuljahr hat Bezirksschülersprecher Felix Hölscher schon eine Menge Ideen. Foto: Detlef Scherle

Herr Hölscher, was haben Sie in den Ferien vor?

Hölscher: Im August möchte ich auf jeden Fall nach Menden fahren. Da tagt das Europäische Jugendparlament. Ob ich als Delegierter oder Gast dabei bin, steht allerdings noch nicht fest.

Sie haben sich im vergangenen Schuljahr als Vorsitzender der Bezirksschülervertretung im Kreis Coesfeld engagiert. Was macht die eigentlich?

Hölscher: Wir sind die Interessenvertretung für alle Schüler im Kreis Coesfeld, gewählt von den Vertretern der einzelnen Schulen der Sekundarstufe I und II.

Gibt es denn überhaupt gemeinsame Interessen der Schüler im Kreis Coesfeld?

Hölscher: Auf jeden Fall. So betrifft der zunehmende Unterrichtsausfall aufgrund des Lehrermangels alle Schüler. Da habe ich einen Brief an die Schulministerin geschrieben. Und vielerorts sind die Schultoiletten marode. Ganz zu schweigen vom Putzzustand. Da hat uns die Ministerin erstmal aufgeklärt, dass dafür die Kommunen zuständig sind. Da wollen wir im neuen Schuljahr einen neuen Anlauf unternehmen. An die richtige Adresse. Viele Schulen im Kreis Coesfeld sind in einem erbärmlichen baulichen Zustand. Auch die Ausstattung lässt zu wünschen übrig. Dabei ist Bildung unser höchstes Gut. Daran dürfen auch die Städte und Gemeinden nicht sparen. Ein weiteres Thema ist die Integration der Flüchtlinge in den Schulen. Dafür setzen wir uns mit Nachdruck ein. Die Frage ist nicht, ob sie integriert werden können, sondern wie das am besten funktionieren kann.

Was treibt Sie an, sich so für Ihre Mitschüler ins Zeug zu legen?

Hölscher (lacht): Ich wollte schon immer Klassensprecher werden. Das hat leider früher nicht geklappt. Im letzten Schuljahr bin ich dann sogar Schülersprecher an meiner Schule geworden. Da haben wir viele tolle Projekte realisiert, von Gewaltprävention bis hin zum Superball-Turnier. Und um die Qualität des Essens haben wir uns gekümmert. Viele oftmals banal erscheinende, aber wichtige Dinge im Schulleben. Mir macht es viel Spaß, mich für andere einzusetzen. Und wenn man was erreicht, dann motiviert das noch mehr.

Wie arbeitet die Bezirksschülervertretung denn praktisch? Das ist doch sicherlich in so einem Flächenkreis logistisch nicht so einfach...

Hölscher: Wir bekommen vom Schulministerium ein kleines Budget für die Sitzungen und Fahrtkosten. Das klappt dann schon ganz gut. Unterstützt werden wir von der von uns gewählten Verbindungslehrerin. Das war im vergangenen Schuljahr Jana Selle von der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck. Die hört jetzt allerdings auf. Wir suchen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.

Funktioniert die Basis-Demokratie denn?

Hölscher: Wir haben in der Bezirksschülervertretung zwölf gewählte Mitglieder. Es könnten allerdings noch mehr sein. Zuletzt hatten zehn Schulen Vertreter zur Delegiertenversammlung, die die Bezirksschülervertretung wählt, geschickt. 46 wären berechtigt gewesen, pro 250 Schüler einen Vertreter in die Delegiertenkonferenz zu entsenden. Mein Ziel ist es daher für das neue Schuljahr, die Basisarbeit noch weiter zu verstärken. Dafür wollen wir zu möglichst allen Schulen persönliche Kontakte knüpfen, um eine breitere Beteiligung zu erreichen. Denn meist ist es nicht Unwillen, sondern Unwissenheit. Die Schüler wissen gar nicht, dass es uns überhaupt gibt. Auf einer eigenen Facebook-Seite stellen wir unsere Arbeit dar, um über die Möglichkeiten aufzuklären.

Das klingt danach, dass Sie bei der Neuwahl im September wieder antreten wollen...

Hölscher: Ja, ich werde auf jeden Fall weitermachen, wenn ich denn gewählt werde. Da ich erst im Januar gewählt wurde, hatte ich bisher nur ein halbes Jahr Zeit, Ideen umzusetzen. Und da gibt es noch viele.

Nennen Sie uns noch eine!

Hölscher: Im nächsten Jahr finden ja die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und die Bundestagswahl statt. Mein Ziel ist, flächendeckend an den Schulen der Sekundarstufe I und II für die Schüler unter 18 Jahren eine „Probe-Wahl“ durchzuführen, um die Auseinandersetzung mit politischen Themen zu fördern. Außerdem bekommt man dadurch ein Bild, wie die Schüler politisch ticken. Das wollen wir in Zusammenarbeit mit der Sportjugend im Kreis Coesfeld machen.

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