Fahrzeuge teilweise 30 bis 40 Jahre alt / Kosten von 2,27 Millionen Euro sollen auf drei Jahre verteilt werden
Oldtimer im ABC-Zug gehen in Rente

Kreis Coesfeld. Zu Zeiten des „Kalten Krieges“ war die ABC-Abwehr ein großes Thema. Um Gefahren durch die Freisetzung von radioaktiven, biologischen oder chemischen (Kampf-)Stoffen begegnen zu können, wurde auch bei der Feuerwehr im Kreis Coesfeld ein ABC-Zug am Standort Dülmen gegründet. Tatsächlich zum Einsatz kam er dann vor allem bei Havarien von Lkw mit gefährlicher Ladung, aber auch bei Tierseuchenzügen. Kreisbrandmeister Christoph Nolte erinnerte jetzt im Kreistags-Ausschuss für öffentliche Sicherheit daran, dass der Zug mit seinen Dekontaminationseinheiten auch in jüngster Zeit verstärkt gefragt war. Als auf der Beerlage in Billerbeck Schweine durch Ameisensäure verendeten oder in der Olfener Reithalle Asbest im Dach Feuer fing, rückte er mit gut geschultem Personal aus. Lange Zeit ist in Fahrzeuge und Material aber kaum etwas investiert worden. „Wir haben da richtige Oldtimer“, berichtete Nolte von Fahrzeugen, die teilweise zwischen 30 und 40 Jahre alt sind. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gewachsenen terroristischen Bedrohungen und der maroden Kernkraftwerke im benachbarten Belgien sieht er dringenden Bedarf, die ABC-Flotte zu modernisieren. Auch um die Kräfte zu schonen. So berichtete Nolte, dass es bei einigen Lkw noch keine Ladebühnen gebe: „Die müssen von Hand be- und entladen werden.“

Mittwoch, 07.12.2016, 10:34 Uhr

Fahrzeuge teilweise 30 bis 40 Jahre alt / Kosten von 2,27 Millionen Euro sollen auf drei Jahre verteilt werden : Oldtimer im ABC-Zug gehen in Rente
„Alte Schätzchen“ wie dieser in der alten Kaserne in Dülmen stationierte MAN bilden das Rückgrat des ABC-Zuges der Freiwilligen Feuerwehr im Kreis Coesfeld. Sie sollen auch vor dem Hintergrund steigender terroristischer Bedrohungen und von Gefahren, die vonmaroden Kernkraftwerke in Belgien ausgehen, ausgemustert und durch moderne Fahrzeuge ersetzt werden. Foto: Feuerwehr

Die Fachleute haben sich schon zusammengesetzt und den Rechenschieber bewegt: 2,27 Millionen Euro sind nach ersten Schätzungen mindestens erforderlich, um die ältesten Schätzchen in Rente zu schicken und neues Material anzuschaffen. Bei den klammen Haushalten der Kommunen ist das eine Menge Holz. Kein Wunder, dass die Politiker im Ausschuss kritische Fragen stellten. „Das Kostenvolumen überrascht schon. Warum ist denn seit 1980 nichts mehr passiert?“ wollte Werner Schulze Esking (CDU) aus Billerbeck wissen. „Vor zehn Jahren hätte man die Technik auch schon anpassen können“, räumte Nolte ein – aber da habe es andere Prioritäten gegeben. Er war da auch noch nicht im Amt. Schulze Esking fragte auch nach der Zusammenarbeit mit anderen Kreisen. Die gibt es schon. Sie hat aber Grenzen. Aufgrund der Kreis-Strukturen hätten die Nachbarkreise vor allem kleinere, dezentral stationierte Fahrzeuge, während der Kreis Coesfeld auf eine zentrale Lösung setzt. Die meisten Fahrzeuge sind in Dülmen stationiert, einige auch in Lüdinghausen. Und da sitzt bei den Freiwilligen Feuerwehren auch das geschulte Personal: 43 Wehrmänner in Dülmen und 25 in Lüdinghausen. Aus allen anderen Wehren können bei Bedarf jeweils bis zu neun Spezialisten zusätzlich herbeigerufen werden.

Die Politiker mussten noch nicht über die Investitionen abstimmen, signalisierten aber Verständnis. „Das beste Indiz, dass da etwas geschehen muss, ist, dass die Bürgermeister dem vorbehaltlos zustimmen“, meinte Ausschussvorsitzender Dr. Thomas Wenning. Die Investitionen sollen, um die kommunalen Haushalte nicht allzu sehr zu belasten, auf drei Jahre verteilt werden. 2017 sollen schon einmal 670 000 Euro in die Hand genommen werden, 2018 dann noch mal 860 000 Euro und 2019 700 000 Euro. Die Finanzpolitiker der Fraktionen sind jetzt gefragt, das Geld bereitzustellen.

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