Abgeordneter Karl Schiewerling will noch viele Projekte umsetzen
Kaum zu bremsen

Kreis Coesfeld. Mit dem Kloster Gerleve fühlt sich Karl Schiewerling besonders verbunden. „Wenn es stürmt, braucht es gute Wurzeln“, sagt der Nottulner Bundestagsabgeordnete. Genau das symbolisiert Gerleve für ihn: Es steht für Sicherheit. Für Strukturen. Für das Christliche im Mittelpunkt.

Mittwoch, 28.12.2016, 10:02 Uhr

Abgeordneter Karl Schiewerling will noch viele Projekte umsetzen : Kaum zu bremsen
Service für Ehrenamtliche: Eine Adressensammlung mit 2700 Stiftungen, die im Kreis Coesfeld als Förderer in Frage kommen, hat Bundestagsabgeordneter Karl Schiewerling mit zum Jahresgespräch ins Kloster Gerleve gebracht. Von der Umgestaltung des Barackenlagers Lette zu einer Gedenkstätte bis zur Irak-Reise: In der nächsten Zeit will Schiewerling, der bei den Wahlen nicht wieder antritt, noch viele Projekte in Angriff nehmen. Foto: Viola ter Horst

Grund genug, zum Jahrespressegespräch vor dieser Kulisse einzuladen. Es ist sein letztes als Bundestagsabgeordneter und arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Sprecher der CDU, denn der Nottulner tritt bekanntlich bei den nächsten Wahlen nicht wieder an.

Aber darüber will er jetzt noch gar nicht nachdenken. „Für mich ist es zu Ende, wenn der Alterspräsident in der letzten Sitzung mit der Glocke läutet“, sagt er. Bis dahin hat er noch viel zu tun. „Wir müssen ihn manchmal schon zurück halten“, schmunzelt seine Sprecherin Katharina Petermann. „Und ihm sagen, dass wir das eine oder andere Projekt nicht mehr schaffen werden.“

Eines der abgeschlossenen Projekte brachte Schiewerling mit nach Gerleve: Eine Adressensammlung von Stiftungen in fünf Bänden. „Ich bekomme oft Anfragen aus meinem Wahlkreis, ob ich finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten kenne“, erläutert Schiewerling. So sei er auf die Idee gekommen, als Service alle Stiftungen, die Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen im Kreis Coesfeld helfen könnten, zusammenzutragen. Ein dreiviertel Jahr saß eine Mitarbeiterin in seinem Büro in Berlin daran – um aus 22 000 Stiftungen diejenigen herauszufiltern, die für Interessierte im Kreis Coesfeld in Frage kommen könnten. „Ich möchte den vielen Ehrenamtlichen im Kreis Coesfeld ein bisschen Service biete. Sie leisten sehr viel hervorragende Arbeit“, so Schiewerling (s. weiterer Bericht).

Nein, Schiewerling ist noch lange nicht am Ende seiner Aktivitäten. Wie es weiter geht, wenn seine Zeit in Berlin vorbei ist, das überlegt er sich noch. Eins aber weiß er bereits – dass er nochmals in den Nordirak reisen wird. Erneut mit dem Verein „Hoffnungsschimmer“ aus Senden, um die Flüchtlingslager zu besuchen und Hilfe zu vermitteln.

„Keine Ängste schüren, sondern Sicherheit geben“, ist die Botschaft von Schiewerling für das Jahr 2017 – ganz nach dem Gerleve-Sinn. „Wir müssen nach vorne denken und Zukunft gestalten.“

Die Flüchtlingspolitik sei im vorigen Jahr das dominierende Thema in Berlin als auch in hiesiger Region gewesen. „Vieles haben wir angepackt und vieles zeigt schon jetzt Erfolge“, so Schiewerling. Seit in Münster das Bundesamt für Migration sei, liefen die Verfahren schneller, so Schiewerling. „Die Sprachkurse sollten allerdings flexibler organisiert werden“, kritisiert er: Dann könnten Unternehmen einfacher Flüchtlinge als Auszubildende einstellen. Und noch eine Sache: „Die Kommunen rufen die so genannten 100 000 Arbeitsgelegenheiten kaum ab“, beklagt er. Dabei seien diese Angebote extra geschaffen worden, damit sie Flüchtlingen vermittelt werden können, auch wenn sie noch keine Aufenthaltsgenehmigung haben.

In der Arbeitsmarktpolitik liegen Schierwerling insbesondere Langzeitarbeitslose und junge Menschen mit wenig Chancen auf dem dem Arbeitsmarkt am Herzen. Das besondere „Kind“ des Nottulner ist das Pilotprojekt „Respekt“, bei dem Jugendliche, die in einem Umfeld von Erwerblosigkeit aufwachsen, zurück in Bildungsprozesse geholt werden sollen. „Ich freue mich, dass dieses wichtige Projekt auch im Kreis Coesfeld gestartet ist“, sagt er. Nun gehe es darum, die Förderung zu etablieren.

Ein Lokalprojekt, das Schiewerling in diesem Jahr verstärkt angehen will, ist der geplante Erinnerungsort im Barackenlager Coesfeld-Lette. Schiewerling sagt, er wolle eine Konzeptstudie auf den Weg bringen. „Wir haben das Gelände mehrmals besucht“, sagt er. Bei der Finanzierung könnte eine Stiftung unterstützen. Ein Projekt, das nicht ganz so einfach ist. Aber Schiewerling ist ja noch lange nicht fertig.

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