Parteien im Kreis Coesfeld geben fast 60 000 Euro mehr für den Landtags-Wahlkampf aus als vor fünf Jahren
Die Großplakat-Schlacht

Kreis Coesfeld. Die Landtagswahl 2017 ist offenbar keine wie jede andere. Noch nie zuvor haben die Parteien im Kreis Coesfeld so viel in den Wahlkampf investiert. Die Gesamt-Summe liegt nach Recherchen unserer Zeitung bei über 165 000 Euro. Das sind fast 60 000 Euro mehr als vor fünf Jahren. Und da ist die AfD, die uns keine Auskunft geben wollte, noch nicht einmal enthalten. Allein die CDU steckt 100 000 Euro, also mehr als alle anderen Parteien zusammen, in den Landtagswahlkampf. Allerdings muss sie davon 10 000 Euro an den Landesverband abführen. Sie gibt 40 000 Euro mehr aus als 2017. „Wir haben zwei neue Kandidaten, die noch nicht so bekannt sind“, begründet Kreisgeschäftsführer Hans-Peter Egger den Mehraufwand. Die SPD hat ihr 20 000-Euro-Budget beibehalten. Mit ihrem „NRW-General“ André Stinka tritt ja zumindest im Südkreis ein bekanntes Gesicht erneut an. Stinka verantwortet den gesamten SPD-Wahlkampf in NRW. „Er ist aber, so oft es möglich ist, im Wahlkreis unterwegs und wird dabei von den Wählkämpferinnen und Wahlkämpfern vor Ort unterstützt“, erklärt Silvia Sprenger vom Unterbezirks-Büro.

Sonntag, 23.04.2017, 08:16 Uhr

Parteien im Kreis Coesfeld geben fast 60 000 Euro mehr für den Landtags-Wahlkampf aus als vor fünf Jahren : Die Großplakat-Schlacht
Foto: az

An der Großflächen-Schlacht – über 230 Plakate sind schon geklebt, 110 mehr als 2012 – beteiligen sich erstmals auch die Grünen, die kreisweit 22 so genannte „Wesselmänner“ (benannt nach der Firma, die sie aufstellt) „bespielen“. „Bisher war das bei uns verpönt“, räumt Sprecher Richard Dammann ein. In diesem Jahr habe man aber darauf nicht mehr verzichten wollen. „Das ist für uns eine Schicksalswahl“, räumt er ein. Die Stimmung bei den Mitgliedern sei angesichts des Umfragetiefs „am Boden“. Mit 8000 Euro nimmt der Kreisverband 3000 Euro mehr als vor fünf Jahren in die Hand. „Damit machen wir unsere Kasse blank.“ Und den Ortsverbänden, die bei den Grünen von der Struktur her das meiste Geld haben, sei auch empfohlen worden, „das Geld rauszuhauen“.

Wenn nicht jetzt - wann dann? Das scheint auch das Motto bei der FDP zu sein, die ihr Budget von 15 000 auf 35 000 Euro mehr als verdoppelt hat. „Wir bekommen sehr viele Spenden, weil die Leute gemerkt haben, dass wir im Bundestag fehlen“, berichtet Landtagskandidat Henning Höne. Über 40 mal guckt Christian Lindner in Schwarzweiß von Großplakatflächen herunter. Höne: „Und es könnten noch mehr werden.“ Je nach Spendenaufkommen. Ein Plakat in Nottuln ist mit 10 mal 5 Metern sogar das größte in Deutschland. 2012 war die FDP nur mit 22 „Wesselmännern“ dabei.

„Ein paar Großflächen“ sollen auch im Kreis Coesfeld für die Linke werben. „Wir wissen aber nicht, wie viel das sein werden, weil das die Landesgeschäftsstelle managt“, äußert sich Kandidat Klaus Stegemann. Und die AfD? Die hat bislang noch nicht einmal kleine Plakate aufgehängt. Hintergrund dürften Querelen sein, die zum Rücktritt des Kreisvorstands führten (wir berichteten). Mittlerweile soll ein neuer Vorstand im Amt sein. Auf unsere Nachfragen hat aber nur Kandidat Marc H. Kublun aus Ahaus reagiert, der ankündigte, in den nächsten Wochen zumindest mit Info-Ständen präsent sein zu wollen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4783294?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F
Nachrichten-Ticker