Maryse Hörnemann hofft auf einen Wahlsieg von Emmanuel Macron: „Für mein Land – und für Europa“
„Le Pen wäre eine Katastrophe“

Coesfeld. (uh). Wer wird Frankreichs nächster Präsident? Emmanuel Macron (39), ein Sozialliberaler, der umfassende Reformpläne für die desolate Wirtschaft hat? Oder Marine Le Pen (48), die Front-National-Chefin und erklärte EU-Gegnerin, die die „Grande Nation“ am liebsten abschotten will? „Ich hoffe, dass Macron die Stichwahl gewinnt“, sagt Maryse Hörnemann (51), die in Paris aufgewachsen ist und seit 27 Jahren in Coesfeld wohnt, „Le Pen wäre eine Katastrophe für mein Land – und für Europa.“

Samstag, 06.05.2017, 16:34 Uhr

Maryse Hörnemann hofft auf einen Wahlsieg von Emmanuel Macron: „Für mein Land – und für Europa“ : „Le Pen wäre eine Katastrophe“
Bleu, blanc, rouge, blau, weiß, rot – die französischen Landesfarben: Am Sonntag fahren Maryse Hörnemann und ihre Tochter Nadine für die Präsidentschaftswahlen wieder nach Düsseldorf. Beide sind pro Emmanuel Macron und gegen Marine Le Pen. Foto: az

Im Kreis Coesfeld leben 65 Menschen mit französischer Staatsangehörigkeit, 60 davon sind am Sonntag wahlberechtigt. „Ich werde auch nach Düsseldorf fahren“, erzählt Maryse Hörnemann, die einst am Gymnasium der Marianhiller Missionare in Maria-Veen Französisch unterrichtete, ehe sie 2009 ihr Nachhilfestudio „Lernen leicht gemacht“ eröffnete. „Vor zwei Wochen, beim ersten Wahldurchgang, war ich schon da.“ Damals bewarben sich noch elf Kandidaten um die Präsidentschaft. Zwei davon sind übrig geblieben: Macron und Le Pen.

Das Wahllokal befindet sich im „Lycée Français de Dusseldorf“, Graf-Recke-Str. 220, eine Privatschule, an der nach französischem Schulprogramm unterrichtet wird. Eindeutig war das Ergebnis im ersten Durchgang am 23. April: 3510 Stimmen wurden in Düsseldorf abgegeben, 2023 bekam Macron und Le Pen lediglich 122. „Wer in Deutschland lebt, wählt doch keine Rechtspopulistin, die eine europafeindliche Position vertritt“, begründet Maryse Hörnemann das klare Votum pro Macron. „Le Pen? Geht gar nicht!“ Sie erteilt auch Sprachunterricht in Firmen, die ihre Produkte nach Frankreich exportieren. „Da werde ich jetzt oft gefragt: ‘Was ist in Frankreich los?’ Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist groß.“

Maryse Hörnemann wird sich morgen ein zweites Mal auf den Weg nach Düsseldorf machen. 103 km hin, 103 km retour. Bereitwillig nimmt sie die Tour de Düsseldorf auf sich. „Marine Le Pen darf nicht Staatspräsidentin werden“, betont sie. „Mon dieu! Meine Güte, das wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte.“

Allein fährt sie nicht. Nadine Hörnemann (20), ihre Tochter, begleitet sie. „Ich werde ab September für ein Semester in Straßburg studieren“, berichtet die angehende Lehrerin, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die Fächer-Kombination Französisch und Englisch belegt. Mademoiselle Hörnemann, die die doppelte Staatsbürgerschaft hat, ist überzeugt von einem Sieg für Emmanuel Macron. Doch ihre Mutter warnt: „Der Ausgang ist völlig offen“, prophezeit sie ein Kopf-an-Kopf-Rennen, „wer hätte gedacht, dass Trump gewählt würde? An den Brexit hat auch kaum einer geglaubt.“ Es bleibt spannend! Weil Madame Hörnemann 2013 die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat, wird sie eine Woche später erneut ihre Stimme abgeben: bei der NRW-Landtagswahl. Das ist noch nicht alles: „Am 11. und 18. Juni folgen dann die französischen Parlamentswahlen – und im September ist Bundestagswahl“, sagt sie und lacht, „das ist der reinste Wahl-Marathon.“

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