Verwaltung soll Umzug der Astrid-Lindgren-Schule nach Nottuln überdenken / Entscheidung fällt heute
Südkreis fühlt sich unverstanden

Kreis Coesfeld. Eines stellen die Bürgermeister aus den fünf Kommunen des Südkreises unmissverständlich klar: Bei der Diskussion um den Umzug der Astrid-Lindgren-Schule von Lüdinghausen nach Nottuln, den der Kreissausschuss gebilligt hat, geht es nicht „um Nordkreis gegen Südkreis“, sondern einzig „um das Wohl der Kinder“, wie Richard Borgmann aus Lüdinghausen betont. Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Ascheberg, Nordkirchen, Olfen und Senden hat er die Kreisverwaltung mehrmals gebeten, den Umzug zu überdenken.

Mittwoch, 28.06.2017, 10:22 Uhr

Verwaltung soll Umzug der Astrid-Lindgren-Schule nach Nottuln überdenken / Entscheidung fällt heute : Südkreis fühlt sich unverstanden
Ihren Standpunkt zum Umzug der Astrid-Lindgren-Schule haben die Kommunen des Südkreises deutlich gemacht (v.l.): Matthias Kortendieck (1. Beigeordneter Lüdinghausen) sowie die Bürgermeister Richard Borgmann (Lüdinghausen), Dietmar Bergmann (Nordkirchen), Sebastian Täger (Senden) und Wilhelm Sendermann (Olfen). Es fehlt: Dr. Bert Risthaus (Ascheberg). Foto: Florian Schütte

„Diese Chance vorübergehen zu lassen, uns zukunftsfähig aufzustellen, bedauern wir sehr“, sagt Dietmar Bergmann aus Nordkirchen. „Ich weiß nicht, ob man uns nicht verstanden hat, oder nicht verstehen wollte“, moniert Wilhelm Sendermann aus Olfen. Dabei sind die Forderungen der Südkreis-Kommunen eindeutig: Einen Schulentwicklungsplan für Förderschulen aufstellen, Kontakt zur neuen Landesregierung aufnehmen, die die Unterstützung der kommunalen Förderschulträger zugesichert hat, und vor allem: bei dieser wichtigen Entscheidung nichts überstürzen. „Was wir einfordern, ist eine vernünftige, kreisweite und strategische Konzeption und nicht die Bedienung lokaler Interessen“, fasst Sendermann beim Pressegespräch am Dienstagnachmittag zusammen. Denn – und auch das gelte es, zu berücksichtigen – Schüler aus dem Südkreis müssten bis nach Nottuln mit dem Bus pro Weg bis zu 78 Minuten in Kauf nehmen. So könne es passieren, dass Eltern ihre Kinder wegen der räumlichen Nähe an der Pestalozzischule in Selm anmelden. Außerdem sehe man die Kooperation mit der Regenbogenschule in Ahlen gefährdet – ebenfalls wegen der weiteren Entfernung. „Da liegt es nahe, dass ein Teil unserer Schülerschaft wegbrechen wird“, äußert Borgmann Bedenken. Dies könne langfristig zur Schließung der Astrid-Lindgren-Schule mit momentan noch 104 Kindern führen.

Eine Alternative zum Umzug in die Geschwister-Scholl-Schule in Nottuln, die für rund drei Millionen Euro saniert werden müsste, wäre ein Neubau für rund 14 Millionen Euro. Hier nennt Borgmann das Beispiel einer Schule im Kreis Lippe, „die vor demselben Problem stand, sich für die Sanierung entschieden hatte und später merkte, dass sie mit einem Neubau doch besser gefahren wäre.“ Denn auch Folgekosten nach der Sanierung eines fast 50 Jahre alten Gebäudes gelte es in einer „Lebenszyklusberechnung“ zu berücksichtigen, wie Sebastian Täger aus Senden erklärt. Zudem seien die Neubaukosten für ein vergleichbares Raumprogramm wie in Nottuln angesetzt, was „jedoch völlig überdimensioniert ist und kleiner geplant werden könnte“, so Borgmann.

Der Kreistag fällt heute in seiner öffentlichen Sitzung um 16.30 Uhr die endgültige Entscheidung.

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