Geschäftsführer Johannes Böcker kündigt Kampagne an – es geht dabei aber „um Themen, nicht um Parteien“
Caritas will im Wahlkampf mitmischen

Kreis Coesfeld. Die Caritas plant eine Kampagne zur Bundestagswahl. Das riecht zunächst nach Wahlempfehlung. Aber Geschäftsführer Johannes Böcker stellt klar: „Es geht uns um Themen, nicht um Parteien.“ Mit der Aktion „Wählt Menschlichkeit“ will die Caritas bundesweit den Fokus auf Menschen in Not richten und für Solidarität mit ihnen werben. „Ihnen wollen wir eine Stimme geben“, so Böcker. Auch im Kreis Coesfeld. Bei uns werde die Aktion, die am 15. August startet, „mit eigenen thematischen Schwerpunkten“ umgesetzt, so der Caritas-Chef. Er will dabei „Problemlagen und Herausforderungen benennen, denen wir in unserer täglichen Arbeit begegnen“.

Freitag, 28.07.2017, 20:27 Uhr

Geschäftsführer Johannes Böcker kündigt Kampagne an – es geht dabei aber „um Themen, nicht um Parteien“ : Caritas will im Wahlkampf mitmischen
Wo auch immer die Menschen bei der Bundestagswahl ihr Kreuz machen – sie sollen dabei die christlichen Werte nicht vergessen. Dafür wirbt die Caritas in ihrer Kampagne. Geschäftsführer Johannes Böcker hat vier im Kreis Coesfeld relevante Themenschwerpunkte dafür ausgewählt. Foto: Detlef Scherle

Die Caritas befürchtet, dass in emotional und nicht sachlich geführten Wahlkampfdebatten gerade die Schwächeren in der Gesellschaft „unter die Räder kommen könnten“. Vor allem im Internet, wo Hass-Kommentare, Cybermobbing und persönliche Verunglimpfung an der Tagesordnung sind. Darum hat sie bundesweit ein Team eingesetzt, dass Auseinandersetzungen in den sozialen Netzwerken aktiv mit eigenen, sachlich fundierten Standpunkten begleiten soll.

„Wir setzen uns für eine offene, freie und tolerante Gesellschaft ein“, spricht Böcker die Zielrichtung an. Vorurteile, wie sie von Populisten gern gepflegt werden, sollen auf sachlicher Basis entkräftet werden. Auch auf eigenen Kampagnen-Seiten im Internet soll das geschehen. Notfalls wollten sie zudem dafür sorgen, dass schlimme Entgleisungen gelöscht werden.

Auch mit Plakaten soll den „Stimmungsmachern“ etwas entgegengesetzt werden. Beispiel Flüchtlinge: „Mitgefühl kennt keine Obergrenze“, heißt es da zur Forderung von Horst Seehofer (CSU), ohne ihn beim Namen zu nennen. Auch die drei Buchstaben AfD nimmt Böcker nicht in den Mund. Aber die Plakatslogans lassen dennoch keinen Zweifel zu, welche Geisteshaltung gemeint ist: „Es heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und nicht: Frag vorher nach seinem Pass.“ „Wir wollen Fremde willkommen heißen“, hebt Böcker hervor.

Für den Kreis Coesfeld hat die Caritas vier spezielle Themen ausgeguckt, die jeweils für eine Woche im Blickpunkt stehen sollen:

0 1. Soziale Gerechtigkeit: Es mangelt an Wohnraum für Menschen mit Behinderung. Der soziale Wohnungsbau muss aus Caritas-Sicht wieder angekurbelt werden. (23. bis 29. August)

0 2. Arbeit: Menschen mit Behinderung soll ihre Qualifizierungszeit in Werkstätten angerechnet werden, wenn sie eine Ausbildung oder Stelle außerhalb einer Einrichtung antreten. (30. August bis 5. September)

0 3. Migration und Integration: Für die offenen Ganztagsschulen, die die Caritas betreut, gibt es keine zusätzlichen Hilfen, um Flüchtlingskinder beim Spracherwerb zu unterstützen. (6. bis 12. September)

0 4. Pflege: Lücken in der Betreuung von psychisch Erkrankten sollen geschlossen, Finanzierungsschwierigkeiten überwunden werden. (13. bis 22. September) | #waehltMenschlichkeit | www.waehltMenschlichkeit.de

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