In Billerbeck gegründeter Verein gehört zu Pionieren der Demenz-Betreuung im Kreis
„Herbstlicht“ leuchtet seit zehn Jahren

Kreis Coesfeld (ds). Der Name Herbstlicht ist Programm. Im Herbst des Lebens dieses noch möglichst selbstbestimmt genießen zu können – auch wenn Handicaps es erschweren, das ist das Ziel von Herbstlicht e. V. Der Verein gehört zu den Pionieren der Demenz-Begleitung im Kreis Coesfeld. Er war der erste auf Privatinitiative gegründete Verein, der als „niedrigschwelliger Betreuungsdienst“ anerkannt wurde. „Wir wollten das Thema rausholen aus der Tabuzone“, erinnert sich Gründerin Wilma Losemann an die Anfänge. Zehn Jahre wird der Verein alt. Und tatsächlich hat sich viel getan in dieser Zeit. „Auch der Gesetzgeber hat Verbesserungen für Betroffene und Angehörige beschlossen“, weiß sie. Ein gutes Stück fußt dieser Erfolg auch auf Initiativen wie der von „Herbstlicht“. Und darauf sind die Verantwortlichen nicht ohne Grund stolz.

Samstag, 05.08.2017, 11:46 Uhr

In Billerbeck gegründeter Verein gehört zu Pionieren der Demenz-Betreuung im Kreis : „Herbstlicht“ leuchtet seit zehn Jahren
Die engagierten Leitungs-Frauen von Herbstlicht e. V.: v. l. Ulrike Runge, Mechthild Schlautmann, Mariele Hagelschuer und Wilma Losemann. Foto: Detlef Scherle

„Früher mochte kaum jemand darüber sprechen, dass Opa dement ist“, erzählt Losemann. Mittlerweile würden die Menschen „nicht mehr versteckt“. Herbstlicht hat ein Netz von Freiwilligen aufgebaut, die gegen eine Aufwandsentschädigung direkt in die Haushalte gehen – und dort helfen, wo es nötig ist. „Das sind Frauen mit Herz“, bringt es Losemann auf den Punkt.

Sieben waren es im ersten Jahr. Durch den steigenden Bedarf wuchs auch die Mitarbeiterzahl – auf heute rund 230. Alle sind qualifiziert durch Schulungen zum Senioren- oder Demenzbegleiter. Langjährig kooperierte der Verein dafür mit der Kolping-Bildungsstätte in Coesfeld. Mittlerweile darf er auch selbst ausbilden.

„Die allermeisten Begleiter sind Frauen. Drei Prozent Männer haben wir. Das können gern mehr werden“, lacht Mariele Hagelschuer, Teamleiterin für Dülmen. Mit Mechthild Schlautmann (Lüdinghausen) für den Südkreis und Ulrike Runge (Billerbeck) für den Nordkreis hat sie noch zwei leitende Kolleginnen für den Kreis Coesfeld. Aber auch dessen Grenzen hat „Herbstlicht e. V.“ längst überschritten. Birgit Koch kümmert sich um die Einsätze im Hochsauerlandkreis und Gaby Michels um die im Kreis Höxter. Auch dort leuchtet seit einigen Jahren das „Herbstlicht“.

Die Helfer pflegen nicht und führen auch nicht den Haushalt – aber sie sorgen sich drumherum um das Wohl und Wehe der Betroffenen. „Oft ist unser Dienst auch eine Entlastung für die Angehörigen“, weiß Schlautmann. Die müssten manchmal noch lernen, diese Hilfe auch anzunehmen. Aber rund um die Uhr für einen zu Pflegenden da zu sein – da gehe man selbst vor die Hunde, wenn man sich nicht ab und an Auszeiten schafft.

Und diese werden sogar von den Pflegekassen bezuschusst. Jeder, der einen Pflegegrad hat, bekommt dafür mindestens 125 Euro im Monat – damit könnten schon anderthalb Stunden pro Woche finanziert werden. Meist ist es aber sogar noch mehr. Je nach Pflegegrad könnten bis zu 2418 Euro pro Monat abgerechnet werden. Von Arztbegleitungen über Spaziergänge bis hin zum gemeinsamen Kuchenbacken reicht die bunte Palette, die sich immer an den Interessen und der Biografie des Senioren orientiert. Auch Veranstaltungen organisiert „Herbstlicht e. V.“ regelmäßig – vom Mailiedersingen bis zum Ausflug zum Sportschloss Velen in der Adventszeit. Waren die Gründerinnen vor zehn Jahren schon Pionierinnen, blieben sie auch später Impulsgeber. So stand der Verein mit Pate, als in Billerbeck das Demenznetzwerk aus der Taufe gehoben wurde.

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