Olfen hat mit 9,7 Prozent den höchsten Anteil – Rosendahl mit 4,8 Prozent den niedrigsten
Nord-Süd-Gefälle bei AfD-Stimmen

Kreis Coesfeld. Die Alternative für Deutschland hat am Sonntag bei der Bundestagswahl im Kreis Coesfeld sehr unterschiedlich abgeschnitten. Während sie im Norden nur rund fünf Prozent holte, waren es im äußersten Süden fast doppelt so viel. Das aus AfD-Sicht beste Ergebnis erzielte die Partei in Olfen mit 9,7 Prozent, das schlechteste in Rosendahl mit 4,8 Prozent. Aber auch in Billerbeck blieben die „Blauen“ mit 4,9 Prozent unter der Fünf-Prozent-Marke. Wie erklärt sich dieses Nord-Süd-Gefälle? wollen wir von den Bürgermeistern wissen.

Mittwoch, 27.09.2017, 13:03 Uhr

Olfen hat mit 9,7 Prozent den höchsten Anteil – Rosendahl mit 4,8 Prozent den niedrigsten: Nord-Süd-Gefälle bei AfD-Stimmen
Foto: az

„Erklärungen dafür fallen mir schwer“, äußert sich Billerbecks Rathaus-Chefin Marion Dirks. „Wir haben hier schon einen ziemlich guten Zusammenhalt – aber den gibt’s anderswo vielleicht auch.“ Die Flüchtlinge, die ja ein zentrales Thema der AfD darstellen, seien in Billerbeck dezentral untergebracht. Dadurch falle die Integration leichter – es gebe weniger Konflikte. Vielleicht sei das ein Grund. Die Stadt achte aber auch darauf, die Bürger bei ihren Entscheidungen mitzunehmen. Und: „Uns ist wichtig, dass niemand den Eindruck gewinnt, dass hier eine Gruppe bevorzugt wird.“

Ähnlich äußert sich Rosendahls Bürgermeister Christoph Gottheil: „Wir haben die Flüchtlingssituation gut in den Griff bekommen.“ Viele ehrenamtliche Helfer seien in der Gemeinde aktiv. Auch in Rosendahl sind die Migranten dezentral untergebracht. „Sicherlich“, so Gottheil, „gibt es auch bei uns mal Stress. Aber die Zahl dieser Vorfälle hält sich in Grenzen.“ Als weiteren Punkt, der eine Rolle spielen könnte, führt er die niedrige Arbeitslosigkeit in der Gemeinde an, eine der niedrigsten im Kreisgebiet. Es gebe nur wenig Abgehängte in Rosendahl – und daher auch nur ein sehr geringes Potenzial für Protest. Allerdings seien „auch fünf Prozent AfD-Wähler fünf Prozent zu viel“, macht er keinen Hehl daraus, dass auch er schockiert gewesen sei von dem Ergebnis.

„Es macht mich schon betroffen, wenn fast 10 Prozent unserer Bürger eine Partei wählen, die in teilweise menschenverachtender Art und Weise gegen Ausländer und Flüchtlinge hetzt“, kommentiert Bürgermeister Wilhelm Sendermann aus Olfen die Zahlen vom Sonntag. Im Ortsteil Vinnum, der längere Zeit eine Zeltstadt für Flüchtlinge beherbergte, waren es sogar 11,5 Prozent. Und es gab weitere Stimmbezirke mit 12,3 und 12,7 Prozent. Sendermann weiß nicht, warum die AfD in Olfen so stark ist. Vor Ort sieht er keine Fehler. Auch mit der Unterkunft in Vinnum sei alles „völlig problemlos“ gelaufen. Mit lokalen Ereignissen ließen sich die hohen Zustimmungswerte zur AfD nicht erklären. Gleichwohl steht für ihn fest: „Wir müssen daran arbeiten, eine Antwort auf die Frage zu finden.“

Er erwartet dafür auch Unterstützung aus Berlin. Die Politik, hebt er hervor, habe es in den vergangenen zwei Jahren nicht verstanden, den Bürgern deutlich zu machen, dass man sich einerseits um Menschen kümmern müsse, die Schlimmes erlebt haben und sich integrieren wollen. „Andererseits müssen wir anderen aber auch aufzeigen, dass sie keine Bleibeperspektive haben und Deutschland wieder verlassen müssen. Da hat man Angst vor dieser Konsequenz. In Olfen wollen und werden wir das besser machen“, so der Bürgermeister.

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