Heribert Prantl stellt in Lüdinghausen sein neues Buch „Die Kraft der Hoffnung“ vor
Denkanstöße in schwierigen Zeiten

Lüdinghausen. Wenn jemand als Meister des gut reflektierten Wortes bezeichnet werden kann, dann ist es Heribert Prantl. Der Jurist, Journalist und Autor kennt sich aus in der Geschichte, der Theologie und der Philosophie und vielen anderen Disziplinen. In gepflegter Bescheidenheit überzeugt der Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung mit dem, was er ist und weiß. Inszenierungen liegen dem Münchner fern. Liest er aus seinen Büchern, berührt er mit seiner Erzählweise und seinen in wunderbare Worte gefasste Betrachtungen, dass die Tränenschleusen in ihrer Widerstandsfähigkeit gefordert sind. Es war erneut ein Hochgenuss, in der Burg Vischering seinen Erzählungen zu lauschen und von seinem fundierten Wissen zu partizipieren. Eingeladen hatte ihn die Kulturabteilung des Kreises Coesfeld im Rahmen des Projektes „Demokraten für den Frieden“. Zu verdanken ist der Besuch aber vor allem Silke Niemeyer, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Lüdinghausen, die eine langjährige Freundschaft mit Prantl verbindet.

Freitag, 08.12.2017, 13:38 Uhr

Heribert Prantl stellt in Lüdinghausen sein neues Buch „Die Kraft der Hoffnung“ vor: Denkanstöße in schwierigen Zeiten
Vor großer Zuhörer-Kulisse hießen Markus Kleymann von der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld und Pfarrerin Silke Niemeyer von der Evangelischen Kirchengemeinde den Juristen, Journalisten und Buchautoren Heribert Prantl willkommen. Foto: az

So facettenreich wie spannend sind seine Perspektiven, mit denen er wohlwollend und dennoch nicht optimistisch blind die Welt betrachtet. Seine Denkanstöße in schwierigen Zeiten stellte er mit seinem neuen Buch „Die Kraft der Hoffnung“ vor. Zudem brachte er Anekdoten aus seinem journalistischen Alltag mit ein. „Zwischen Journalisten und Politikern gibt es keine Freundschaft. Wenn es so etwas gäbe, wäre es zwischen uns so etwas Ähnliches“, hatte der verstorbene CDU-Politiker Heiner Geissler einmal zu ihm angemerkt.

Wie ist es möglich in Zeiten wie diesen, die Hoffnung nicht zu verlieren? „Es gibt nur zwei Themen über die es sich zu reden und zu schreiben lohnt: die Liebe und den Tod!“, so der Autor, der gestand, dass auch ihm manchmal der Optimismus zerbrösele. „Aber ohne ihn kann ich nicht schreiben und ich werde dem Pessimismus nicht den totalen Zugriff erlauben.“

Mit „Am Anfang war das Wort“ zitierte er die Schöpfungsgeschichte, die verdeutliche wie groß die Kraft des Wortes sei. Die Kraft der Worte, die Hoffnung schöpfen ließen. Ohne die Kraft der Hoffnung wären weder die Menschenrechte noch das Grundgesetz nach dem Entsetzen der Nazi-Barberei zustande gekommen. „Hoffnung hilft, die Dinge nicht zu ertragen, sondern sie zu tragen“, so Prantl. „Eine verrückte Hoffnung hilft manchmal, nicht verrückt zu werden.“

Die Weihnachtsgeschichte sei eine Hoffnungsgeschichte, die heute nicht mehr funktioniere, weil „die Menschen das Erzählen und Zuhören verlernt haben.“ Dabei sei das so wichtig: „Erzählen heilt. Zuhören auch. Man nimmt den anderen wahr. Als Mensch, nicht als Gefahr“, sagte er. Wie wahr.

Die Jungfrauengeburt, erklärte er, sei die Chiffre für den Abschied des Patriarchats. Das Zeichen für die Entstehung von etwas ganz Neuem, was keinem männlichen Zutun bedürfe.

„Das war mir ganz schön nah“, gestand eine Zuhörerin, die sich das Buch von Prantl signieren ließ. „Zu nah?“, so die interessierte Gegenfrage des Autoren. „Nein, schön nah“, übernahm eine andere Besucherin die Antwort. Da schmunzelte der Autor zufrieden.

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