Aktionstage „Sucht“ eröffnet / Bewegendes Theaterstück zum Auftakt / 55 Veranstaltungen in einer Woche
Geschichten über Abhängigkeiten

Kreis Coesfeld. Sucht zerstört ganze Familien. Zerfrisst die Kinder innerlich. Davon wusste die Theatergruppe „Große Freiheit“ aus Gescher mit ihrem Stück „Machtlos“ viel zu erzählen. Bei der Eröffnung der Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“ im Hof Schoppmann in Nottuln-Darup bewegte die Gruppe die zahlreichen Gäste tief mit ihrem Stück, in dem Kinder aus suchtbelasteten Familien ihre Erfahrungen verarbeiten. Es endete mit einem Appell an die Politik: „Wir möchten nicht, dass andere Kinder die Geschichten, die wir spielen, erleben müssen. Bitte beschäftigt euch damit“, sagte einer der jungen Darsteller. Denn bundesweit gebe es nicht viele Stellen, die sich speziell und professionell mit Angeboten an Kinder von süchtigen Eltern oder Elternteilen wenden.

Samstag, 20.01.2018, 09:50 Uhr

Aktionstage „Sucht“ eröffnet / Bewegendes Theaterstück zum Auftakt / 55 Veranstaltungen in einer Woche: Geschichten über Abhängigkeiten
Die Kinder und Jugendlichen der Theatergruppe „Große Freiheit“ bewegten mit ihren Suchtgeschichten. Foto: az

Kinder und Jugendliche sind auch eine Zielgruppe der Aktionstage, die bis zum 26. Januar im ganzen Kreis Coesfeld laufen. Aber längst nicht nur. Vom Kind bis zum Senior sollen die insgesamt 55 Veranstaltungen ansprechen, die der Arbeitskreis Prävention im Kreis Coesfeld vorbereitet hat.

„Suchtprävention ist viel mehr als Jugendliche über Substanzen aufzuklären – das wissen die meisten nämlich schon“, sagte Dr. Gerhard Pohl, Leiter der Fachstelle Suchtprävention des Caritasverbandes. Lob richtete er an die Aktiven, die die Mammutveranstaltung auf die Beine gestellt haben, allen voran Koordinatorin Petra Nachbar. Proppevoll war der Saal mit Gästen zur Eröffnung, einige fanden keinen Stuhl mehr.

Ein „gutes Gelingen, interessante Begegnungen und Kontakte“ wünschte Armin Koeppe von der Landeskoordination Suchtvorbeugung NRW für die Aktionstage.

Das Programm in der nächsten Woche ist vielversprechend: Von einer Quizshow für Schüler über Informationsveranstaltungen und Beratungen bis zu Lesungen, Theater und Workshops – für Interessierte, Schüler, Fachleute und Betroffene.

„Mit 46 Kooperationspartnern präsentiert sich ein tolles Netzwerk“, lobte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengar. Er stellte heraus, dass „wohl jeder in seinem privaten Umfeld Berührungspunkte mit Sucht hat“. Die Grenzen sind fließend und die Substanzen neben den klassischen wie Alkohol und Medikamenten zahlreich. Auch das Internet kann süchtig machen. „Wenn ich mir vorstelle, dass ich eine Woche auf Internet oder Smartphone verzichten müsste und somit nicht mehr erreichbar wäre – das wäre schon abenteuerlich“, verdeutlichte der Landrat, wie stark auch ihn digitale Medien inzwischen vereinnahmen. Nottulns Bürgermeisterin Manuela Mahnke bestätigte: „Man muss genau hinschauen, oft glaubt man, Sucht zu kennen.“ Suchtvorbeugung gehe alle etwas an und beginne im besten Fall im Kindesalter: „Gefestigte Persönlichkeiten sind deutlich weniger gefährdet, süchtig zu werden“, so Mahnke.

Musikalisch stimmte Martin Adolf mit seiner Gitarre auf die Aktionstage ein. Diesen Samstag (20.1.) laden die Aktiven bereits zu einer interessanten Veranstaltung ein: „Dunkelblau – wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor“ – eine Lesung mit Dominik Schottner in der Stadtbücherei Coesfeld (16 Uhr). 7 Programm: www.drocoe.de

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