Kreis Coesfeld
Impfaktion für Artenvielfalt

Kreis Coesfeld. Fährt da ein Bauer Mist? Diese Frage legt das große Bild oben nahe. Aber: Es ist nicht das, wonach es aussieht. Das Fahrzeug, das in der „Stadtlandschaft“ zwischen den Burgen Vischering und Lüdinghausen unterwegs ist, verteilt Mahdgut von einer artenreichen Wiese auf der Fläche. „Damit impfen wir die Wiese“, erklärt Kerstin Wittjen vom Naturschutzzentrum (NZ) Kreis Coesfeld als Initiator der Aktion. Denn im Mahdgut der anderen Wiese aus Lüdinghausen steckt jede Menge Samen bunter heimischer Wiesenblumen, die die neue Achse zwischen den Burgen ökologisch aufwerten sollen. Wäre es nicht einfacher, Saatgut zu kaufen und es auszubringen? „Der Aufwand, den wir betreiben, lohnt sich“, schüttelt Thomas Zimmermann, Leiter des NZ, den Kopf. Denn die Herkunft der Pflanzen sei für die Ökologie von Bedeutung. „Margerite ist nicht gleich Margerite.“ Bei den handelsüblichen Samenmischungen kommen die Wildpflanzen meist nicht aus der Region, sondern teilweise von weit her. Und da gebe es bei der gleichen Art dann genetische Unterschiede, die man von außen nicht sieht – den darauf spezialisierten Insekten aber zum Verhängnis werden können, zum Beispiel durch einen späteren Blühbeginn. Und gerade den Insekten soll angesichts des dramatischen Rückgangs – eine Krefelder Studie spricht von minus 80 % – geholfen werden. „Das wird unser Schwerpunkt dieses Jahr“, sagt Wittjen. Und das NZ hat dafür kompetente Partner gesucht und gefunden: den Kreis, das Biologische Zentrum in Lüdinghausen, den Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte (IBP) in Coesfeld sowie einige Städte und Gemeinden. Weitere Partner sollen private Gartenbesitzer werden.

Freitag, 06.04.2018, 18:16 Uhr

Kreis Coesfeld: Impfaktion für Artenvielfalt
Die Mahdgutübertragung ist das Mittel der Wahl, um bunte Vielfalt von einer auf die andere Wiese zu bringen. Foto: Anja Eirich

Bei einer Konferenz auf Hof Schoppmann in Darup erläutert Wittjen, dass das Artensterben viele Menschen bewegt: „Das Telefon steht nicht mehr still bei uns.“ Sie wollen was tun. Doch Aktionismus könne auch Schaden anrichten. Da werde in der freien Landschaft Samen ausgebracht, der die Gefahr in sich berge, heimische Arten genetisch zu verändern. Das NZ will zeigen, wie es richtig geht. So soll demnächst ein Flyer unter dem Titel „Vielfalt am Wegesrand – der Kreis Coesfeld blüht auf“ erstellt werden. Der Erhalt und die Anreicherung blühender Säume und Wiesen ist ein wesentliches Element. „In der freien Landschaft setzen wir auf Mahdgutübertragung“, so Zimmermann. „Wir suchen Paten für vorhandene alte und artenreiche Säume, um von diesen aus die gebietstypische Artenvielfalt wieder verbreiten zu können.“ Bei der Pflege helfen soll ab Mai eine „schnelle Einsatzgruppe“, die mit IBP-Mitarbeitern zusammengestellt wird. Sie wird zunächst in den Baumbergen aktiv, deren Städte und Gemeinden im Rahmen des Leader-Projektes von der Europäischen Union gefördert werden. Später sei ein kreisweiter Einsatz denkbar.

Die Beratung von privaten Gartenbesitzern, aber auch von Kommunen, die zum Beispiel Kreisverkehre erblühen lassen wollen, übernimmt das Biologische Zentrum. Deren Leiterin Dr. Irmtraud Papke wünscht sich vor allem „Mut zur Unordnung, zu mehr Wildnis“. Sie ermuntert dazu, in den Gärten wieder vermehrt alte ungefüllte Staudenarten zu pflanzen. In Gärten allein könne die Welt zwar nicht gerettet werden: „Aber wir halten das Interesse wach.“ Hermann Grömping, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde, begrüßt die Aktivitäten: „Da entsteht ein tolles Netzwerk.“

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