Kreis Coesfeld
Ausgetretene und Zweifler willkommen

Kreis Coesfeld (ds/pd). Vielerorten geht der Gottesdienstbesuch zurück oder stagniert. Einem Beispiel der anglikanischen Kirche folgend, wagen 15 evangelische Gemeinden aus dem Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken am kommenden Wochenende ein ungewöhnliches Experiment, um den Negativtrend zu stoppen. Aber nicht nur darum. Aus dem Kreis Coesfeld beteiligen sich die Gemeinden aus Coesfeld und Dülmen.

Dienstag, 19.06.2018, 19:10 Uhr

Kreis Coesfeld: Ausgetretene und Zweifler willkommen
Im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken beteiligen sich 15 Gemeinden an dem Projekt, darunter Coesfeld und Dülmen. Ihre Vertreter laden am kommenden Sonntag zum „Gottesdienst erleben“ ein. Foto: az

„Wir laden Menschen aus unserem Umfeld ein, die normalerweise nicht zu uns kommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern“, erklärt Vikar Moritz Gräper das Konzept hinter dem Projekt „Gottesdienst erleben“, das unter dem Motto „Ich bin da. Du auch?“ am 24. Juni stattfindet.

Angesprochen und eingeladen werden Freunde, Bekannte, Neugierige, Distanzierte, Ausgetretene, Zweifler und religiös Unmusikalische – nicht allgemein, sondern ganz persönlich durch Gemeindeglieder, die regelmäßig die Gottesdienste besuchen. Sie haben speziell dafür vorbereitete Karten überreicht und begleiten ihre Gäste auch beim Kirchgang. „Die persönliche Einladung ist Kern des Projektes“, erläutert Gräper, „wer direkt angesprochen wird, hat weniger Hemmungen, etwas Neues auszuprobieren.“

Vorbereitet wurde der einladende Gottesdienst in den Kirchengemeinden vor Ort, Hilfestellung gab es von einer Projektgruppe um Vikar Moritz Gräper. „Jede Kirchengemeinde hat in der Vorbereitungsphase ihren eigenen Gottesdienst genau unter die Lupe genommen“, so Gräper. „Was lieben wir am meisten an unseren Gottesdiensten? Was brauchen Gäste, um sich bei uns wohlzufühlen? Ist unsere Liturgie selbsterklärend? Was begeistert in der Kirche?“ Dies seien nur einige Fragen, auf die das Vorbereitungsteam Antworten finden musste.

„Das Projekt bietet die Möglichkeit, kirchenfernen Menschen eine Tür zum Glauben zu öffnen“, ist sich Superintendent Joachim Anicker sicher. „Und wenn wir die Perspektive eines Gastes einnehmen, der mit Formen und Inhalten in unseren Gottesdiensten nicht vertraut ist, führt das zwangsläufig zu einer Auseinandersetzung mit unserem eigenen Handeln und Tun.“

Dies sei auch das Ziel des Projektes, erläutert Gräper: „Natürlich freuen wir uns, wenn es Besuchern gefallen hat und sie wiederkommen“, macht der Vikar deutlich. Der Projekterfolg hänge aber nicht davon ab, ob am 24. Juni 20 oder 200 Menschen in die Kirchen kommen. Vielmehr gehe es darum, dass die Gemeindeglieder die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, bewusst einzuladen und Gastgeber zu sein: „Damit schärfen wir unseren Blick für die gelebte Gastlichkeit in unseren Gemeinden.“

Die Grundidee des Projektes stammt aus England – dort wurden mit dem „Back to Church-Sunday“ gute Erfahrungen gemacht. Das EKD-Zentrum „Mission in der Region“ hat diese Idee aufgegriffen und wirbt seit 2016 für das Konzept der einladenden Gottesdienste.

7 Neugierig geworden? Auch wer keine Karte bekommen hat, kann sich eingeladen fühlen, in den Gottesdienst zu kommen – ohne Voraussetzungen. Der Gottesdienst in der Evangelischen Kirche am Markt in Coesfeld beginnt um 10 Uhr, die Evangelische Kirchengemeinde Dülmen bittet um 10.30 Uhr in die Christus-Kirche am Königswall.

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