Kreis Coesfeld
Bizarr anmutende Wanze auf dem Vormarsch

Kreis Coesfeld (vth). Dr. Rolf Brocksieper hatte neulich ungewöhnlichen Besuch. Ein Insekt krabbelte in seine Wohnung, um Unterschlupf zu finden. Bei genauem Hinsehen eine Wanze, bei nochmaligem Hinsehen stellte der Biologe und Vorsitzende des Trägervereins vom Biologischen Zentrum in Lüdinghausen fest, dass das Tier kein heimisches war. „Es sah ein bisschen bizarr aus“, sagt Brocksiepe.

Freitag, 12.10.2018, 11:50 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.10.2018, 20:47 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 11:50 Uhr
Kreis Coesfeld: Bizarr anmutende Wanze auf dem Vormarsch
Mutet bizarr-exotisch an: Die Amerikanische Kiefernwanze mag Bäume und kommt zum Überwintern auch mal in Wohnungen. Foto: Brocksieper

Schnell fand der Experte heraus, wer der krabbelnde Gast war: eine Amerikanische Kiefernwanze. Immer weiter breite sich diese Wanze in Europa aus, deren ursprüngliche Heimat in Nordamerika, südlich bis nach Mexiko, liege. Seit fast 20 Jahren sind einzelne Vorkommen in Europa bekannt, seit 2009 auch in NRW und zunehmend im Kreis Coesfeld. „Gestern kam ein Besucher mit so einem Exemplar ins Biologische Zentrum und wollte wissen, was das für ein Tier sei“, berichtet Brocksieper. Er konnte den Mann beruhigen. „Angst muss man nicht haben. Sie beißen und stechen nicht und sind nach unserer Erkenntnis im Garten nicht schädlich.“

Allenfalls in Baumschulen oder Forstbetrieben, die mit Saatgut arbeiten, könnte der exotisch anmutende Einwanderer Ertragsminderungen verursachen, weil er an den Samen der Nadelhölzer saugt.

Die erwachsenen Wanzen überwintern an geschützten Orten, fliegen und krabbeln auch mal in Wohnhäuser. Wenn sich eine Amerikanische Kiefernwanze in ein Wohnhaus verirrt, genügt ein Gefäß oder Glas, um sie von der Wand abzusammeln und nach draußen zu bringen und freizulassen, rät Brocksieper. Wie die etwa zwei Zentimeter lange, überwiegend braun-rot-schwarz gefärbte und gut fliegende Wanze nach Europa

gekommen ist, ist nicht bekannt. Vielleicht mit Kiefernzapfen, die zu Dekozwecken aus Nordamerika eingeführt werden, vermutet Brocksieper. „Die Globalisierung macht es möglich – das ganze Hin und Her von Transporten.“ So wie die Kannada- oder Nilgänse, die Herkulesstaude, das Indische Springkraut oder der Buchsbaumzünsler in hiesige Regionen gekommen sind. „Und nun die Amerikanische Kiefernwanze.“ Ob das für die heimische Tier- und Pflanzenwelt gut oder schlecht ist, will er nicht bewerten.

An Nahrung fehle es sicher nicht, denn Nadelbaumzapfen gibt es auch in Städten und Siedlungen. Im Frühsommer legen die Weibchen ihre Eier an den Nadeln der Bäume ab.

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