Kreis Coesfeld
Sensationellen Zahn gefunden

Kreis Coesfeld (vth). Elefanten haben Milchzähne – auch die Mammuts, die vor 12 000 bis 15 000 Jahren im Kreis Coesfeld lebten. Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt ab sofort so eine Rarität: einen Milch-Stoßzahn eines jungen Mammuts. Der sechs Zentimeter lange Zahn stammt aus einer Sandgrube in der Nähe von Coesfeld und ist der bislang einzige Fund in Westfalen.

Mittwoch, 17.10.2018, 15:10 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 16.10.2018, 18:07 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 15:10 Uhr
Kreis Coesfeld: Sensationellen Zahn gefunden
Der „Fund seines Lebens“: Dick Schlüter (r.) aus Enschede überreicht den fast vollständig erhaltenen Mammut-Milchstoßzahn an LWL-Paläontologe Dr. Achim Schwermann. Foto: LWL

Gefunden hat den Stoßzahn Dick Schlüter aus Enschede, der das Stück nun dem LWL-Museum schenkte.

„Der Zahn ist eine Sensation für uns“, sagt Dr. Achim Schwermann, Paläontologe beim LWL. Denn es handele sich um den ersten in Westfalen gefundenen Milchstoßzahn eines Mammutbabys.

Eine aktuelle Studie nennt gerade einmal vier Funde aus den Niederlanden und einen aus Gildehaus bei Bad Bentheim. „Für Westfalen ist der Fund von Dick Schlüter daher ein wissenschaftlich sehr bedeutender Erstnachweis“, sagt Schwermann.

Der Zahn stammt aus Ablagerungen der jüngsten Eiszeit, ist also mindestens 12 000 Jahre alt. „In dieser Zeit waren die Wollhaarmammuts in Westfalen „durchaus üblich“, berichtet Schwermann. Zwar nicht als dicht nebeneinander laufende Tiere, aber als permanente Bewohner in gesunder Population, so Schwermann.

Im Gegensatz zu Fragmenten der großen, permanenten Stoßzähne seien Milchstoßzahnfunde besonders selten, da es sich um ein relativ kleines Fossil handelt. „Selbst geübte Augen können ein solches Fossil im Gelände übersehen“, erklärt Schwermann.

Dick Schlüter ist Historiker und arbeitet als Dozent an einer Hochschule in Hengelo. Zuvor war er Direktor des Naturhistorischen Museums Natura Docet in Denekamp. Schon 2003 hat er den nahezu vollständig erhaltenen Zahn gefunden. Als Milchstoßzahn eines Mammuts hat ihn dann der niederländische Mammutexperte Dick Mol erkannt. Schlüter bezeichnet heute das Fossil als „Fund meines Lebens“.

Gar nicht so selten sei es, dass Funde „in irgendwelchen Kisten schlummern, bis ihr eigentlicher Wert entdeckt wird“, sagt Schwermann. Denn oft erkennen selbst Leute vom Fach nicht genau, um was es sich dreht. „Erst ein Spezialist stößt darauf, wie es wohl in diesem Fall auch war.“

Dick Schlüter ist bereits seit seinem 14. Lebensjahr leidenschaftlicher Fossiliensammler und seit 20 Jahren sucht er auch in einer Sandgrube bei Coesfeld nach Fossilien. Dort fand er neben den Versteinerungen auch Feuersteinwerkzeuge der Neandertaler.

Den Mammut-Milchstoßzahn wollte Schlüter sicher in einer öffentlichen Sammlung verwahrt wissen, und er hat daher das Stück dem Museum überlassen.

Ab sofort ist es für Besucher in der Westfalenausstellung „Vom Kommen und Gehen“ des Museums zu sehen.

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