Kreis Coesfeld
Laumann zählt auf Landarztquote

Kreis Coesfeld. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kennt das aus Riesenbeck, seinem Heimatort. „Früher gab es mal drei Ärzte, jetzt gerade noch einen“, berichtet er in der Veranstaltung in den Christophorus-Kliniken in Dülmen. Die Leute, witzelt der gut aufgelegte Laumann, fragten ihn ja schon, was er denn für ein Gesundheitsminister sei, wenn er „nicht mal einen Doktor besorgen kann“.

Donnerstag, 18.10.2018, 10:34 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 20:31 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 10:34 Uhr
Kreis Coesfeld: Laumann zählt auf Landarztquote
Auf dem Podium mit Minister Karl-Josef Laumann (4.v.l.) in der Mitte: v.l. Dr. Friedrich Krings (Ärztlicher Direktor), Geschäftsführer Dr. Mark Lönnies, Fördervereins-Vorsitzender Werner Jostmeier, Jochen Fallenberg (Geschäftsführer Christophorus Altenhilfe), Michael Paschert (Pflegedirektor). Fotos: vth Foto: az

Sowas lässt er sich nicht gerne sagen. Als erstes Land hat NRW jüngst eine Landarztquote verabschiedet. Und dafür machte sich Laumann auch in Dülmen stark, der den NRW-Vormarsch als eine zentrale Säule gegen den Hausärztemangel sieht. „Keiner soll aufs Land gezwungen werden, aber die, die es sich vorstellen können, hier zu praktizieren, sollen unterstützt und in die Pflicht genommen werden“, umschreibt Laumann das Ziel der Landarztquote. 168 Studienplätze oder eine Vorabquote von 7,6 Prozent der Medizinstudienplätze sollen an solche Bewerber vergeben werden.

Noch etwas ist in der Vergangenheit ordentlich schief gelaufen: „Wir haben viel zu wenige Mediziner ausgebildet“, sagt Laumann.

Eine zusätzliche medizinische Fakultät soll nun in Bielefeld mit 300 Plätzen geschaffen werden. Denn Laumann glaubt an einen „Klebeeffekt“ – dass angehende Ärzte in der Region bleiben, wo sie studiert haben.

Rund 130 Besucher waren zu der Diskussionsrunde am Dienstagabend nach Dülmen gekommen, zu der der Förderverein der Christophorus-Kliniken Coesfeld-Dülmen-Nottuln eingeladen hatte. Fehlendes und überlastetes Personal gebe es schon jetzt. Wie sieht die Versorgung in zehn Jahren aus? umreißt Fördervereins-Vorsitzender Werner Jostmeier, der durch den Abend führte, das Thema.

Den Besuchern brannten einige Fragen unter den Nägeln. Wie es mit den Schlaganfall-Zentren, zu denen ja auch der Standort Dülmen gehört, nach dem Gerichtsurteil weitergehe? „Es wird zu Lösungen kommen“, zeigt sich Laumann sicher. Nach dem Urteil müssen Schlaganfall-Patienten innerhalb von 30 Minuten in die nächste Spezialklinik gebracht werden können. „Wenn das tatsächlich zeitlich zu knapp ist, müssen entsprechende Angebote installiert werden, die näher liegen“, meint er.

Dr. Hubert Gerleve, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik der Christophorus-Kliniken (Coesfeld), forderte mehr Unterstützung vom Land. Der große Zulauf sei nicht mehr zu bewältigen. „Wir brauchen mehr Geld, um die Patienten versorgen zu können.“

Platzmangel, Pflegenotstand – „es muss immer mehr erwirtschaftet werden und die Pflege kommt immer kürzer“, heißt es aus dem Publikum. Das liege am System und irgendwann werde das System zusammenbrechen.

Dabei sei das wohl erst der Beginn einer Diskussion, meint Dr. Friedrich Krings auf dem Podium. Denn wegen der Demografie werde es künftig immer mehr Ältere geben. „Die Politik soll nicht nur die Rente sichern“, meint er.

Laumann sagt, dass der Streik der Pflegekräfte zu denken geben müsse. „Es ging nicht um mehr Geld, sondern um mehr Personal.“ Ein wirkliches Rezept gegen den Pflegenotstand hatte er nicht mitgebracht. „Ich weiß es nicht“, gestand er ein. Nur so viel, dass Pflege nie aus professionellen Kräften allein bestehen könne, sondern immer auch Angehörige eine Rolle spielen müssten.

Großen Handlungsbedarf sah Laumann in der Krankenhausplanung, für die das Land NRW zuständig ist. „Sie ist so gut wie nicht vorhanden“, stellt Laumann fest. 260 Millionen Euro soll nun zusätzlich zur Verfügung gestellt werden, um Strukturänderungen zu unterstützen. „Hier ist das schon gut gelöst“, lobt der Minister die Situation vor Ort, wo bereits an den Standorten der Christophorus-Kliniken Schwerpunkte gebildet wurden. Das sei aber längst nicht überall so. So gebe es manchmal zwei Krankenhäuser mit ähnlichem Angebot, „und die reden nicht einmal miteinander“. Idealerweise entwickeln die Krankenhäuser selbst Vorschläge, wie sie künftig besser kooperieren wollen. „Ich will das gar nicht entscheiden, aber die Leute sollen wissen, dass ich es kann. In der Hoffnung, dass sie dann selber Lösungen finden.“ Wenn es um seltenere Krankheitsbilder gehe, sei eine wohnortnahe Versorgung hingegen nicht notwendig und werde von den Betroffenen auch gar nicht erwartet. „Hier brauchen wir mehr gute Spezialkliniken.“

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