Kreis Coesfeld
Herbstliches Schauspiel im Partnerkreis

Kreis Coesfeld. Die Invasion startet kurz vor Sonnenuntergang. Erst sind es einzelne Schwärme, die Kurs auf Linum nehmen. Bis irgendwann eine schwarze Wolke nach der nächsten am Horizont auftaucht und lautstark über das zu Fehrbellin zählende Dorf zieht. Das Ziel: die Teiche am Dorfrand, Rastplatz der Kraniche auf dem Weg nach Süden. Über 70 000 der beeindruckenden Vögel lassen sich im Herbst in Linum beobachten – und ihr abendlicher Anflug ist jedes Mal ein Spektakel.

Sonntag, 28.10.2018, 07:24 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 26.10.2018, 16:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 28.10.2018, 07:24 Uhr
Kreis Coesfeld: Herbstliches Schauspiel im Partnerkreis
Foto: az

So beeindruckend dieses herbstliche Schauspiel ist: Eine Reise in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin, kurz OPR, lohnt sich auch außerhalb der Kranich-Zeit. Rund 2500 Quadratkilometer groß, ist er der neuntgrößte Landkreis Deutschlands – und damit mehr als doppelt so groß wie der Kreis Coesfeld, sein zukünftiger Partnerkreis. Der liegt allerdings bei den Einwohnerzahlen deutlich vorne: knapp 220 000 zu etwas mehr als 99 000.

Größte Stadt und Kreisstadt in OPR ist Neuruppin, die Fontanestadt. An dem berühmten Dichter Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag 2019 groß gefeiert wird, kommt hier keiner vorbei. Fontanes Geburtshaus, heute wie damals eine Apotheke, findet sich gleich neben dem Marktplatz. Etwas weiter, nahe der Kulturkirche, steht ein Standbild eines zweiten berühmten Neuruppiners, nämlich des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel. Ein Rundgang durchs schachbrettförmig angelegte Zentrum lohnt – genauso wie ein Spaziergang am Ufer des Ruppiner Sees. Vom Jahnbad aus führt ein idyllischer Weg durch den leuchtenden Herbstwald immer am Wasser entlang in den Ortsteil Alt-Ruppin.

Hier beginnt nach Norden hin die Ruppiner Schweiz. Die sanften Hügel sind zwar nicht vergleichbar mit den Baumbergen, aber Radfahrer dürfen sich trotzdem auf so manchen Anstieg einstellen. Dafür locken (wie im gesamten Landkreis) meist ruhige Radwege durch Wälder oder entlang schöner, oft auch alter Baumalleen. Ein gut ausgebautes Wegenetz mit nummerierten Knotenpunkten macht die Orientierung leicht.

Nicht verpasst werden sollte Knotenpunkt Nummer 70. Der ist am Marktplatz in Lindow. Gleich drei (!) Seen grenzen an dieses Städtchen. Am Ufer des kleinen Wutzsees wartet zudem eine malerische Klosterruine, der Hafen am großen Gudelacksee ist perfekt für Sonnenuntergang-Beobachtungen.

Über die Deutsche Alleenstraße geht es weiter nach Norden Richtung Rheinsberg, Partnerkommune von Ascheberg. Diese Stadt wartet mit schöner Lage am Grienericksee auf, an dessen Ufer das Rheinsberger Schloss (einst Vorbild für Schloss Sanssouci) liegt. Im Innern wartet heute das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum. Ganz ohne Eintritt kann (und sollte) der Lustgarten besucht werden. Ebenfalls einen Abstecher wert: das mondäne Hafendorf mit seinen Ferienhäusern direkt am Wasser.

Weiter Richtung Westen liegt die Wittstock-Ruppiner Heide samt dem Wittstocker Truppenübungsplatz. Den wollte die Luftwaffe zum Übungsplatz für Tiefflüge und Bombenabwürfe ausbauen – nach großem Bürgerprotest und diversen Gerichtsentscheiden wurden die Pläne 2009 verworfen.

Im westlichsten Zipfel des Kreises liegt schließlich Kyritz, die Stadt der Fachwerkhäuser. So lohnt sich ein Bummel in der historischen Altstadt. Wer dann über die Bundesstraße 5, zu DDR-Zeiten eine der Transitstrecken, etwas gen Süden Richtung Neustadt/Dosse fährt, der sollte einen Abstecher ins Dörfchen Kampehl einbauen. Hier wartet der Kahlbutz, mit vollem Namen Christian Friedrich von Kahlbutz. Der Ritter war einst wegen Mordes angeklagt und beschwor unter Eid seine Unschuld. „Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen“, soll er hinzu gefügt haben – was er nach seinem Tod 1702 auch tatsächlich nicht tat. Seine Mumie kann heute in der Dorfkirche bestaunt werden.

Der Kahlbutz war auch bei einem historischen Ereignis dabei, das sich 1675 im Süden des OPR-Kreises abspielte: die Schlacht bei Fehrbellin. Hier schlugen die Truppen des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm die Schweden. Alle fünf Jahre, das nächste Mal 2020, wird in Dülmens Partnerstadt die Schlacht nachgestellt. Wo sich damals die Geschützstellung der Brandenburger befand (nahe des Ortsteils Hakenberg), steht heute eine Siegessäule samt vergoldeter Victoria auf der Spitze. Über eine enge Wendeltreppe und 114 Stufen lässt sich eine Aussichtsplattform erklimmen – und von dort bietet sich bei gutem Wetter ein toller Weitblick über OPR, den Landpreis Ostprignitz-Ruppin.

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