Kreis Coesfeld
Schnelle Pflegetruppe im Biotop

Coesfeld. Es knistert und raschelt im Gebüsch, eine Motorsäge röchelt. „Guckt mal“, ruft Gartenbaumeister und Einsatzleiter Alexander Breitkopf den drei Kollegen zu. Dann krachen Äste und Gestrüpp runter in die Tonabgrabung im Naturschutzgebiet Brink bei Coesfeld. Unten stehen Rinder, die sich über das Gehölz freuen und daran knabbern. Bodenpfleger.

Mittwoch, 31.10.2018, 12:30 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 20:29 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 31.10.2018, 12:30 Uhr
Kreis Coesfeld: Schnelle Pflegetruppe im Biotop
Ständig in Biotopen unterwegs: Alexander Breitkopf (l.), Leiter der Einsatzgruppe Naturschutz, mit Karsten Gorille, Dirk Broek und Mike Wissing, hinten v.r. Rudolf Averkamp (Nabu), Ulrike Feldkötter-Muschner (IBP), Thomas Zimmermann (Naturschutzzentrum), Carolin Burkert (IPB). Foto: Viola ter Horst

„Hier läuft eine super Arbeit“, freut sich Kerstin Wittjen vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld.

Die Gehölzentrümpelung, mit der die Männer beschäftigt sind, ist Teil eines „Leader“-Landschaftspflege-Projekts in der Baumberge-Region. „Unsere schnelle Einsatztruppe“, schmunzelt Thomas Zimmermann, Geschäftsführer des Kreis-Naturschutzzentrums. Seit März ist die Gruppe, die ihren Sitz auf dem Alten Hof Schoppmann (Darup) hat, unter fachlicher Anleitung von Breitkopf vom Naturschutzzentrum unterwegs, um Biotope und Landschaften zu pflegen. Es sind Arbeiten, für die sonst keiner Zeit hat. Nicht die Landwirte, nicht die Bauhöfe. „Auch Ehrenamtliche schaffen das nicht“, sagt Wittjen. Die Männer der Truppe mähen Wegeränder in Handarbeit, übertragen Mahdgut auf geeignete Flächen, damit sich heimische Arten verbreiten, sie entfernen Problempflanzen wie den ungeliebten Riesenbärenklau. Pflegen Hecken und pflanzen Obstbäume. Alles Dinge, die wichtig sind, um seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Manchmal kommen bei Aufräumarbeiten sogar seltene Arten zum Vorschein. „In der Coesfelder Heide legte die Einsatzgruppe Moorbärlapp frei“, berichtet Wittjen mit einem Strahlen im Gesicht. „So eine Pflanze findet man hier in der Gegend kaum.“

Nun ist die Gruppe gerade im Gebiet der Tonabgrabung aktiv, das sich seit 2003 im Eigentum der NRW-Stiftung befindet und vom Naturschutzbund (Nabu) in Kooperation mit dem Naturschutzzentrum und der Unteren Naturschutzbehörde betreut wird. Das zehn Hektar große Naturschutzgebiet zeichnet sich durch zahlreiche Kleingewässer aus und beherbergt die größte Laubfroschpopulation in NRW.

„In dem Projekt Einsatzgruppe kooperieren Natur- und Umweltschutz und Sozialarbeit“, betont Zimmermann. Denn die vom Naturschutzzentrum des Kreises betreuten Pflegemaßnahmen führen Mitarbeiter aus, die von dem sozialen Träger „Interkulturelle Begegnungsprojekte“ (IBP) Coesfeld stammen – Menschen, die darüber eine Chance haben, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zwei feste Stellen sind für die Einsatzgruppe Naturschutz eingerichtet worden. Eine finanzielle Unterstützung für das Projekt gibt es von der EU und dem Land NRW.

Zurzeit ist das Leader-Projekt noch begrenzt auf drei Jahre und auf die fünf Baumberge-Kommunen Nottuln, Havixbeck, Billerbeck, Coesfeld und Rosendahl. „Aber wir hoffen, eine dauerhafte Pflegegruppe kreisweit hinzubekommen“, sagt Zimmermann. Denn der Bedarf sei enorm. „Schließlich haben wir viele Naturlandschaften und insbesondere kleine schutzwürdige Biotope.“

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