Kreis Coesfeld
Den Hilferuf gehört

Nottuln. Eine sechsköpfige Familie mit zwei schwer behinderten Kindern zusammenzuhalten, zu pflegen und den Alltag zu meistern, ist schon unter „normalen“ Umständen eine unglaublich schwere Aufgabe. Das aber in einem fremden Land, in einer fremden Kultur und in einer fremden Sprache zu leisten, scheint fast unmöglich. Vater Hikmat Muradov (34) und Mutter Sevinj Muradova (28) mit ihren Kindern Fatima (9), Miriam (6 Wochen), Murad (12) und Rugayya (5) sind dabei, ihr Schicksal zu meistern – ein Schicksal, das von einer seltenen Krankheit geprägt ist.

Mittwoch, 05.12.2018, 19:14 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 06:02 Uhr
Kreis Coesfeld: Den Hilferuf gehört
Foto: Thomas Lanfer

Phenylketonurie, abgekürzt PKU, ist eine angeborene, erbliche Erkrankung des Eiweißstoffwechsels. Während die Krankheit in Aserbaidschan nahezu unbekannt ist, gibt es in Deutschland routinemäßig bei Neugeborenen ein Screening auf Phenylketonurie, wodurch betroffene Kinder frühzeitig mit einer Diät beginnen und so Folgeschäden verhindert werden. Durch die Erkrankung ist der Abbau der Aminosäure Phenylalanin gestört. Diese sammelt sich im Körper an und beeinträchtigt die Entwicklung des Gehirns. Unbehandelt wie bei Murad und Rugayya führt die Phenylketonurie zu schweren geistigen Behinderungen. Eingetretene Schäden lassen sich nicht rückgängig machen, eine Diät durch die Beschaffung spezieller Nahrungsmittel verhindert weitere Beeinträchtigungen, ist aber sehr aufwändig und mit erhöhten Kosten verbunden.

Im Jahr 2017 kam die Familie auf der Suche nach Hilfe nach Deutschland, doch die sich hier auftuenden Probleme allein zu lösen, war kaum möglich.

Dank der Hilfe des Bunten Kreises Münsterland und des Einsatzes von Dolmetscher Bahram Vahabov ist so etwas wie Routine in den Alltag der Familie eingekehrt – wenn man in einer Wohnsituation in zwei Zimmern auf 50 Quadratmetern in Nottuln mit sechs Menschen überhaupt von Routine oder Normalität reden kann. „Es waren eine Vielzahl von Problemen zu lösen, von der Beschaffung der speziellen Nahrungsmittel, der medizinischen Behandlung in der Neurologie der Uni-Klinik in Münster über den Umgang mit Behörden bis zu der Beschaffung von Betreuungsplätzen, und das alles mit der Sprachbarriere“, erinnert sich Mechtild Berheide, die sich als Case Managerin des Bunten Kreises um die Familie gekümmert hat. Dass das alles funktioniert hat, daran hat der Aserbaidschaner Bahram Vahabov einen großen Anteil, der über die Rolle des Dolmetschers hinaus wertvolle Hilfe geleistet hat. Betreut werden die Kinder im integrativen Kindergarten Haus Hall in Gescher und der Regenbogenschule Münster, doch es bleibt viel zu tun. „Ich würde gerne arbeiten und Deutsch lernen“, so Hikmat Muradov, der auf Hilfe vor allem bei der Lösung des Wohnproblems und eventuell private Betreuung hofft. Eine größere Wohnung (rund 100 Quadratmeter mit mindestens vier Zimmern) im Raum Gescher, Velen, Reken, Altenberge oder Ascheberg, das würde ein vordringliches Problem lösen – nur ein Problem auf dem beschwerlichen Weg in eine lebenswerte Zukunft. Mit ihrem Asyl-Status hat die Familie zunächst ein Aufenthaltsrecht für die kommenden drei Jahre. 7 Wer eine Wohnung zu vermieten hat, kann sich an Dolmetscher Bahram Vahabov unter Tel. 0171/8786540 wenden. Er wird dann den Kontakt zur Familie herstellen.

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