Kreis Coesfeld
„Lebenswerte Landschaften“

Kreis Coesfeld. Dürre, Starkregen, Überschwemmungen. Trinkwasserverordnung, Gewässerschutz und jede Menge Bürokratie, der digitale Wandel: Turbulente Zeiten in der Landwirtschaft. Nicht alle Bauern ziehen mehr mit. Michael Uckelmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Coesfeld (WLV) brachte zum Kreisverbandstag in der Bürgerhalle in Coesfeld Zahlen mit: „Sechs Prozent der Sauenhalter haben in einem Jahr die Produktion eingestellt, bei den Milchviehhaltern waren es 2,8 Prozent.“ Bei der Demonstration voriges Jahr in Sassenberg, an der auch über 100 Bauern aus dem Kreis Coesfeld teilnahmen, sei es um mehr gegangen als um die Frage der Ferkelkastration. „Nämlich um die Frage, ob in Zukunft überhaupt noch weiter Sauen hier gehalten werden oder ob sie demnächst aus anderen Ländern kommen“, sagte Uckelmann vor den rund 400 Landwirten in Coesfeld.

Dienstag, 08.01.2019, 20:22 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 09:24 Uhr
Kreis Coesfeld: „Lebenswerte Landschaften“
Gastrednerin Regierungspräsidentin Dorothee Feller (4.v.l.) mit v.l. Gerrit Tranel (stellvertretender Bürgermeister Coesfeld), Landfrau Annegret Langehaneberg, Martin Bontrup (stellvertretender Vorsitzender), Vorsitzender Michael Uckelmann, Geschäftsführer Raphael van der Poel, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Fotos: vth Foto: az

Es ist nicht nur das, was den Bauern Sorgen bereitet. Negativ-Schlagzeilen und Image-Probleme machen Probleme. In einer Marketinggesellschaft sollen nun Ideen geschmiedet werden, um den Verbraucher zu überzeugen und zurück zu gewinnen.

Regierungspräsidentin Dorothee Feller betonte als Gastrednerin, dass die Landwirtschaft vor enormen Herausforderungen stehe. Neben dem Klimawandel nannte sie den Flächenanspruch als eine zentrale Aufgabe. „Der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche wird knapper, weil der Bedarf für andere Nutzungsarten steigt“, erläuterte sie. Wohnknappheit führe zu verstärkten Bautätigkeiten, zudem benötigten die Kommunen neue Gewerberflächen für Betriebe, für Freizeit und für Umweltschutz. „Es dürfen nicht die Interessen der Landwirtschaft hinten anstehen“, sagte Feller. Sie forderte die Akteure auf, sich zu beteiligen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Als ein gelungenes Beispiel führte die Regierungspräsidentin die Planung des letzten Bauabschnitts der B67n zwischen Dülmen und Reken an. „Ihre Landwirtschaft macht aus unseren Regionen lebenswerte Landschaften“, betonte sie.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr hob in seinem Grußwort neben Gewässerschutz und Landschaftsplanung besonders die Bedrohung der Hausschweine durch die Afrikanische Schweinepest hervor. Bei der hohen Anzahl an Schweinen im Kreis Coesfeld sei ein Seuchenfall von „elementarer Bedeutung“, betonte der Landrat. Der Kreis Coesfeld und ein Arbeitskreis, dem auch Landwirte angehören, unternehme von daher alles, um gewappnet zu sein. Dafür gab es von den Landwirten ausdrücklichen Dank. Die Zusammenarbeit, so Vorsitzender Uckelmann, sei ausgesprochen positiv.

Geschäftsführer Raphael van der Poel ging in seinem Geschäftsbericht auf die Hofnachfolge ein. „Ist die Übertragung den Kindern überhaupt zumutbar?“ fragte er. Ob die Gesellschaft Raum und Luft für eine Entwicklung lasse, wollte er wissen. 2018 sei ein unruhiges und denkwürdiges Jahr gewesen, bilanzierte er: „Volksparteien erleben eine Götterdämmerung, Splitterparteien einen Zulauf und das Wetter beschert uns Trockenheit, wie wir sie sonst nur im Fernsehen kennen.“

Grußworte gab es von der Bezirksvorsitzenden und Landfrau Annegret Langehaneberg und von Coesfelds stellvertretendem Bürgermeister Gerrit Tranel.

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