Kreis Coesfeld
Ansturm auf die Geburtshilfe

Kreis Coesfeld. Die Zeichen stehen auf Wachstum bei den Christophorus-Kliniken. Der Ärztliche Direktor Dr. Friedrich Krings brachte zum Neujahrsempfang am Mittwochabend in Billerbeck Zahlen mit, die es in sich haben: 2782 Mitarbeiter, 620 Betten, 150 Millionen Euro Jahresumsatz: „Wir sind die zweitgrößte Klinik im Münsterland nach der Uniklinik“, sagte Krings vor den rund 130 Gästen.

Donnerstag, 10.01.2019, 20:44 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 11:50 Uhr
Kreis Coesfeld: Ansturm auf die Geburtshilfe
Zeichen auf Wachstum: v.r. Geschäftsführer Dr. Jan Deitmer, Ärztlicher Direktor Dr. Friedrich Krings, Geschäftsführer Dr. Mark Lönnies, Grünen-Abgeordnete und Rednerin Maria Klein-Schmeink, Thomas Backes (Aufsichtsrat), Dechant Johannes Arntz. Foto: Viola ter Horst

2018 gab es so viele Patienten wie noch nie und erstmals über 2000 Geburten. Die Medaille hat aber auch eine Kehrseite: „Wir erleben zurzeit einen Run auf die Geburtshilfe“, erläuterte Krings. „Das freut uns zwar, es bedeutet aber auch, dass andere, kleinere Abteilungen in der Region vom Netz gegangen sind.“ Ein Grund, warum die Kliniken in Coesfeld zurzeit ein neues Geburts- und Hebammenzentrum bauen – eines der großen Projekte.

Vor dem Hintergrund der Demografie, der Veränderungen, den Ansprüchen und Vorgaben im Gesundheitswesen „haben wir eine wahnsinnige Dynamik“, umschrieb Krings die turbulenten Zeiten.

Schon frühzeitig habe sich der Verbund mit seinen drei Kliniken in Coesfeld, Dülmen und Nottuln und den Senioreneinrichtungen auf den Weg gemacht, um gemeinsam neue Strukturen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu schaffen. „Heute können wir stolz darauf sein“, sagte Krings.

Diese Strukturen lobte auch Gesundheitsexpertin und Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink von den Grünen, die in diesem Jahr den Festvortrag hielt.

Die Kliniken hätten sich den Herausforderungen gestellt, um eine wohnortnahe Versorgung auf hohem Niveau bieten zu können. Es müssten aber „erhebliche Anstrengungen“ unternommen werden, um bei dem aktuellen gesellschaftlichen Wandel eine weiterhin gute Versorgung aufrechtzuerhalten. „Wir sind erst am Anfang der Entwicklung“, so Klein-Schmeink. „Heute gibt es bereits 2,8 Millionen pflegebedürftige Menschen, 2030 werden es 3,6 Millionen sein.“ Es sei Zeit, neu zu denken.

Ihr Rezept: Gemeinsam regionale Verantwortung übernehmen, Akteure vor Ort einbeziehen. „Lassen Sie uns zusammen überlegen“, appellierte sie. Ziel müsse es sein, dass Patienten sich gut versorgt fühlten und das in allen Regionen. „Es kann nicht sein, dass sie von Arzt zu Arzt rennen müssen, um erst dann vielleicht eine Überweisung zu bekommen.“ Die Strukturen müssten vernetzter sein, um frühzeitig Hilfen zu bieten und den folgenden Pflegebedarf sicher zu stellen.

Die Kostenträgerschaft müsse dabei neu organisiert werden. „Ich werbe für ein Modell, bei dem Krankenkassen verpflichtet sind, Grundentscheidungen mitzufinanzieren und nicht nur wie jetzt projektbezogen Gelder geben.“ Sie könne sich vorstellen, dass der Kreis Coesfeld als Modellregion mit Innovationsmitteln Ergebnisse entwickelt. „Wo dann, wenn nicht hier?“

Oft werde der Gesundheitsbereich nur als großer Kostenfaktor dargestellt, so Klein-Schmeink. „Ich sehe ihn aber auch als einen starken Wirtschaftsfaktor.“ Dieser werde oft verkannt - „wir sollten ihn nutzen“.

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