Kreis Coesfeld
Knackpunkt Kita-Öffnungszeiten

Kreis Coesfeld. Mehr Flexibilität, Öffnungszeiten, die sich stärker an der beruflichen Realität orientieren. Jens Brilla aus Nottuln war bislang mit seiner Kindertagesstätte immer zufrieden, doch zum nächsten Kitajahr ab August sollen sich die Öffnungszeiten ändern. „Wir konnten die gebuchten Stunden sonst unterschiedlich verteilen“, schildert er. Jetzt soll sich die Nottulner DRK-Kita „Weltentdecker“ – wie auch andere DRK-Kitas im Kreis Coesfeld – stärker an ein Blocksystem orientieren.

Mittwoch, 30.01.2019, 20:48 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 08:46 Uhr

Danach muss das Kind bis zu einer bestimmten Uhrzeit gebracht und abgeholt werden, je nachdem, ob die Eltern 25, 35 oder 45 Stunden gebucht haben. „Das bringt viele Eltern in ein echtes Betreuungsproblem“, sagt der Nottulner. Bei ihm habe das dazu geführt, dass er statt 35 Stunden nun 45 gebucht habe, um auch am Nachmittag eine Betreuung zu bekommen. „Obwohl wir die 45 Stunden gar nicht benötige.“ Das Kind sei gerade ein Jahr alt, „wir wollen es nicht so lange in der Kita lassen.“

Das bisherige System sei auch bei Arbeitszeiten mit Schichtdienst, wie sie bei seiner Frau üblich seien, entgegengekommen.

Der Träger führt Kosten, Personal und pädagogische Gründe an. „Natürlich bieten wir so viel Flexibilität wie möglich“, betont DRK-Vorstand Christoph Schlütermann gegenüber unserer Zeitung. „Das muss aber alles personell und finanziell im Rahmen bleiben.“ Und genau das sei das Problem. In der Vergangenheit hätten zum Teil Kitas mehr Entgegenkommen gezeigt als übers Land NRW refinanziert werde. Es könne nicht sein, dass weit mehr geleistet werde als bezahlbar sei und dass das – ohnehin flexible – Personal nicht mehr vorgehalten werden könne. Auch entstünden unfaire Situationen gegenüber den 45-Stunden-Buchern. Die konkreten Öffnungszeiten richteten sich aber wie bisher in jeder Einrichtung nach den jeweiligen mehrheitlichen Elternbedarfen, so Schlütermann. Deswegen würden ja auch jedes Jahr im Vorfeld Elternabende eingerichtet, um die Schnittmenge herauszufinden, so wie am Dienstag in Nottuln. Die „Blockzeiten“ hätten aber auch einen pädagogischen Hintergrund. „Wir betreuen nicht nur, wir haben auch einen Erziehungsauftrag“, sagt Schlütermann. Wenn jedes Kind kommen und gehen würde, wie es den Eltern passe, entstehe Unruhe in der Kita und bei den Kindern. Eine Arbeit in den Gruppen sei kaum möglich. „Deswegen legen wir auf Kernöffnungszeiten Wert.“

Aus Sicht eines Teils der Eltern entstehen trotzdem ungünstige Bedingungen. Vater Jens Brilla findet das „System an sich“ fehlerhaft. „Ich kritisiere in keiner Weise den Träger, der sich viel Mühe gibt“, betont er. „Wir hatten ihn ja extra wegen der Flexibilität gewählt.“ Er frage aber, warum in benachbarten Bundesländern Systeme, die Eltern mehr entgegenkämen, möglich seien. Warum in NRW einerseits gerade ein „Gutes-Kita-Gesetz“ verabschiedet worden sei und ein zweites Kitajahr kostenfrei sein soll, andrerseits aber Öffnungszeitenmodelle nicht finanzierbar seien, die sich an Arbeitsmarktrealitäten richten. „Das ist ein Rückschritt“, findet Brilla. Die 45-Stunden-Betreuung sei zudem ja auch sehr teuer. Letztlich werde auf diese Weise das Kind zu einem Kostenfaktor, weil Familien anfangen zu rechnen. Ob sich der Job noch lohnt, ob es die Betreuung wert ist. „Das ist es doch nicht, was gewollt ist“, kritisiert er. „Auf jeden Fall passt das absolut nicht zum immer angepriesenen Grundsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

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