Kreis Coesfeld
„Überprüfen Sie Ihre Neidmotive“

Senden. „Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, so formulierte es einst der dänische Philosoph Sören Kierkegaard.

Mittwoch, 06.02.2019, 20:07 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 10:10 Uhr
Kreis Coesfeld: „Überprüfen Sie Ihre Neidmotive“
Freuen sich über 90 gut gelaunte Teilnehmerinnen: Die Kreis-Landfrauen v.l. Renate Mülder, Annegret Langehaneberg, Maria Rennefeld, Sabine Nolte, Birgit Sych (Referentin), Regina Selhorst (Präsidentin Westfälisch-Lippischer LandFrauenverband e.V.), Reinhild Pröbsting, Gudula Bontrup, Birgit Schulte-Spechtel. Foto: Ulla Wolanewitz

Aber wie ist der Neid, der fast alltäglich eine Auseinandersetzung einfordert, zu bändigen? Birgit Sych, Mathe- und Französischlehrerin und Mutter von sieben Kindern, näherte sich diesem unliebsamen Gefühl in ihrem Buch „Neid – bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Herz und Ihre Seele“. Das Ergebnis ihrer Recherche stellte die Berlinerin gestern im Bäuerinnenforum vor, dem Treffpunkt für landwirtschaftliche Unternehmerinnen, zu dem die Kreislandfrauen (KLF) Coesfeld in den Landhotel Sendes geladen hatten.

KLF-Vorstandsfrau Reinhild Pröbsting zeigte sich in ihrer Begrüßung mit Blick auf 90 gut gelaunte Landfrauen im Saal erfreut. Mit 90 Teilnehmerinnen war hier ein Plus von etwa 28 Prozent zu verzeichnen. Nicht allein das Frühstücksbüfett ist der Grund für die steigende Beliebtheit dieser Veranstaltung. Vielmehr ist es der Austausch unter Gleichgesinnten und vor allem die jeweils gut ausgewählten Referentinnen.

Apropos Nebenwirkungen: „Laut einer Studie gibt es mehr Todesfälle, verursacht durch Nebenwirkungen als Verkehrstote. Etwa 12 000 bis 16 000 Krankheitsfälle mit tödlichem Ende stehen 7000 Verkehrstoten gegenüber“, ließ die Birgit Sych wissen, bevor sie in ihr humoriges, unterhaltsamen Referat einstieg, selbstverständlich garniert mit eigenen Fallbeispielen aus dem wahren Leben.

Neid verursachen bei ihr beispielsweise die lieben Mitmenschen, die im September bereits alle Weihnachtsgeschenke besitzen, zum ersten Advent die Weihnachtsbeleuchtung gefunden, repariert und aufgehängt haben und zum zweiten Advent besinnliche Weihnachtspost verschicken. „Ich kaufe die Geschenke am 23. Dezember. Dafür hängt die Weihnachtsbeleuchtung bei uns bis März“, amüsierte sich die Referentin, wobei sie nicht verhehlte, dass sie es in dieser Zeit auch gerne anders hätte.

„Neid taucht auch, wenn ich hier sehe, wie viele Frauen hier mit perfekt geknoteten Halstüchern sitzen. Ich bekomme das nie hin“, so ihr Eingeständnis. Neid, so hieß es, entsteht in sozialer Nähe, im Vergleich mit Familienmitgliedern, mit Nachbarn und Kollegen oder „sind Sie etwa neidisch auf Angela Merkel und die Queen? Neid nagt am Glück und an der eigenen Zufriedenheit. Zu bedenken gab sie, dass der Neid im engen Zusammenhang mit der eigenen Unzufriedenheit steht, mit dem Gefühl nicht beachtet, nicht beliebt zu sein. „Überprüfen Sie Ihre Neidmotive. Betrauern sie das, was sie hergeben mussten, nicht verwirklichen konnten.“ Und: Bewusst machen des Verzichts. „Wenn Sie die hohen Spritpreise umgehen und sowieso mehr Rad fahren wollen, müssen Sie nicht neidisch sein auf das dicke Auto des Nachbarn!“ Ihre weitere Empfehlung: Offen zum Neid stehen, ihn möglichst verwandeln in ehrliche Bewunderung. „Gestehen Sie der Nachbarin, dass sie Ihren selbstgenähten Rock toll finden, ist die Rückmeldung vielleicht: Das war gar nicht so schwer. Ich kann dir zeigen, wie’s geht. So kann statt Abschottung eine neue Gemeinsamkeit entstehen.“

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