Kreis Coesfeld
Spuren ohne Anzeige sichern lassen

Kreis Coesfeld. Opfer von Vergewaltigungen haben im Kreis Coesfeld die Möglichkeit, Spuren in den Christophorus-Kliniken anonym sichern zu lassen. So können die Frauen auch noch später eine Anzeige erstatten.

Dienstag, 19.02.2019, 20:56 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 09:58 Uhr
Kreis Coesfeld: Spuren ohne Anzeige sichern lassen
Wer nach einer sexuellen Gewalttat nicht sofort zur Polizei und eine Anzeige erstatten will, kann aber trotzdem Spuren sichern lassen. Seit 2017 ist diese anonyme Spurensicherung im Kreis Coesfeld möglich, darauf machen aufmerksam: Corinna Brandenburger (l.) und Miriam Harosh-Pätsch (2.v.r.) von Frauen e.V., die leitende Ärztin Dr. Claudia Fischäß-Pfeiffer (2.v.l.) und Martina Meuter von der Frauenklinik. Foto: Viola ter Horst

Denn oft ist es für Opfer von Sexualstraftaten nicht möglich, den Täter sofort anzuzeigen. „Die Frauen sind schwer traumatisiert und stehen unter Schock“, erklärt Fachberaterin Miriam Harosh-Pätsch von der Beratungsstelle Frauen e.V. gestern im Pressegespräch. Zumal die Täter häufig aus dem eigenen familiären Umfeld oder dem Bekanntenkreis stammen. Wer nicht sofort nach der Tat die Polizei alarmieren und eine Anzeige erstatten kann, sollte aber trotzdem so schnell wie möglich die Frauenklinik in Coesfeld aufsuchen. Spuren sind oft Beweise und die können auch ohne Polizei und Anzeige schon mal gesichert werden. „Die Spuren werden dann mit einem Code versehen“, erläutert die Leitende Ärztin Dr. Claudia Fischäß-Pfeiffer. Wenn das Opfer keine Anzeige erstattet, werden sie nach zehn Jahren vernichtet.

Seit 2017 gibt es diese anonyme Spurensicherung im Kreis Coesfeld, die in Kooperation mit dem Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis und mit Unterstützung des Landes NRW möglich gemacht wurde.

2017 haben nach Angaben der Beratungsstelle frauen e.V. sechs Opfer die anonyme Spurensicherung genutzt (und zehn die Tat bei der Polizei direkt angezeigt), 2018 waren es vier Frauen (und sieben direkt angezeigte Taten).

Für jedes einzelne Opfer sei die anonyme Spurensicherung wichtig gewesen, da sind sich Corinna Brandenburger und Miriam Harosh-Pätsch von frauen e.V. sicher. „Es kostet eine unglaubliche Überwindung, überhaupt über die Tat zu sprechen. Zu realisieren, dass sie tatsächlich passiert ist“, erläutert Harosh-Pätsch.

Die Spurensicherung sei wichtig, um bei einer Anzeige Beweise zu haben, sagt Martina Meuter von den Christophorus-Kliniken. „Selbst leichte Spuren sind von Bedeutung und können wir sicherstellen“, betont Fischäß-Pfeiffer. Viele seien sogar nach einigen Tagen noch vorhanden. Selbst wenn die Wäsche schon gewaschen wurde, bestehe noch die Chance, Sperma-Spuren zu finden. „Manchmal denken Opfer, dass nichts mehr zu finden ist.“ Zum Beispiel auch, wenn K.o.-Tropfen im Spiel waren. Das sei aber zumeist nicht richtig.

Die Frauenklinik ist an dem Projekt „iGobsis“ beteiligt, das vom Land zunächst noch bis August gefördert wird. Ärzte haben darüber die Möglichkeit, sich sogar in einer 24-Stunden-Beratung fallbezogen rechtsmedizinisch zu informieren. Meuter: „Wir hoffen sehr, dass das Projekt verlängert wird.“

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