Kreis Coesfeld
Pinkwart bleibt auf dem Boden

Kreis Coesfeld. Wo vor über 180 Jahren Postkutschen trötend am Landgasthaus Egbering in Nottuln-Darup durch die geöffneten Straßenschranken auf der „Königstraße“ vorbeisausten, gesellten sich am Mittwochabend aus den Kreisen Borken, Coesfeld und Warendorf Gäste an langen Tischreihen, um auch über die Digitalisierung im ländlichen Raum aus dem Munde von Profipolitikern zu hören.

Donnerstag, 07.03.2019, 20:26 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 07:28 Uhr
Kreis Coesfeld: Pinkwart bleibt auf dem Boden
Handfeste Reformen in der Bildung braucht es nach Meinung des Landeswirtschaftsministers Prof. Andreas Pinkwart, um NRW für die Zukunft fit zumachen. Foto: hlm

„Wir wollen Pinkwart mal live erleben“, meint ein jüngerer Liberaler aus Borken. Die rund 100 Gäste, darunter auch Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und des Handwerks, brauchten nur das akademische Viertstündchen zusätzlich abwarten, bevor Landtagsabgeordneter Henning Höne (Coesfeld) gleich zu Beginn die „Selbstbeschäftigung von Politik und Medien“ ankreidet. Um die Mitte der Gesellschaft wieder zu erreichen, müssten die Nebenschauplätze verlassen werden und sich den ernsthaften politischen Fragen zugewandt werden. Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf Deutschland, sondern in die gesamte EU. Den Spielball nimmt der FDP-Spitzenkandidat Gregor Schäfer gerne an und wettert sogleich gegen eine Ungleichbehandlung: „Chancengleichheit für alle durch Bildung – die eine Grundfreiheit ist.“ Sie ist in seinen Augen auf die universitäre Elite begrenzt. Er fordert eine Anerkennung von Auslandsaufenthalten während der Lehrzeit von Auszubildenden. Bildung ist auf dem 21. Politischen Aschermittwoch der FDP das beherrschende Thema. Da fühlt sich Prof. Andreas Pinkwart heimisch.

Während seine Vorredner aufs Podest stiegen, nimmt der NRW-Wirtschaftsminister das Mikrofon in die Hand und „bleibt auf dem Boden“ – fast auf Augenhöhe zu den Gästen. Er sieht in der jungen Generation das größte Kapital für die Zukunft, dass durch moderne Bildungsmethoden ausgebildet werden muss. Dafür braucht es nicht nur die technischen Voraussetzungen in Form der Digitalisierung. Das entsprechende personelle Umfeld muss diesen Schritt mitgehen. „Wir können es uns nicht leisten, im Zeitalter von Fachkräftemangel auf Talente zu verzichten“, so der gelernte Ökonom. „Die Bildungsangebote müssen an Ort und Stelle qualitativ verfügbar sein, um auch „Talente, die keine Zukunftsperspektiven hatten, herauszuholen.“ Die Bildung 2.0 reiche für die Industrie 4.0 nicht aus. Da brauche es die Bildung 5.0, die mit der modernen Technik eine neue Art des Vermittelns von Wissen biete. Lernmethoden, die die „Generation X emotional abholt“. Letztlich sei eine solide Bildung ein Schutzmechanismus gegen den Rechtspopulismus. Und natürlich der Gang zur Wahlurne, denn eine geringe Wahlbeteiligung ist eine Stärkung der Rechten. Mit der Bitte: „Gehen sie zur Wahl und nehmen Sie viele mit“, appellierte Höne an die Gäste.

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