Kreis Coesfeld
Prima Unterricht mit Mustafa

Kreis Coesfeld. „Springen. Schwimmen. Schublade. Wörter mit S, c, h“, sagt Mustafa Al-Bayati. „Ich schwimme, du schwimmst.“ Die Köpfe rauchen gerade in der Internationalen Förderklasse am Pictorius Berufskolleg. Flüchtlinge und Zuwanderer aus verschiedenen Ländern sitzen zusammen, einige können ganz gut deutsch, andere gar nicht. Sie sind zwischen 16 und 18 Jahren alt, stammen aus dem Irak, aus Afghanistan, Marokko, Serbien. Can you help? – Kannst du helfen? – No problem.

Freitag, 08.03.2019, 20:11 Uhr aktualisiert: 09.03.2019, 14:14 Uhr
Kreis Coesfeld: Prima Unterricht mit Mustafa
Mustafa Al-Bayati engagiert sich als „Bufdi“ in der Internationalen Förderklasse des Pictorius Berufskollegs. Foto: Viola ter Horst

Mustafa Al-Bayati ist 22 Jahre alt. Er absolviert am Pictorius Berufskolleg in Coesfeld einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) und engagiert sich in der Internationalen Förderklasse. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Mutter und Schwester in Dülmen und ist selber Flüchtling, kommt aus dem Irak. Und spricht fließend Deutsch. Wenn man ihn fragt, wie er das so schnell und so gut gelernt hat, schmunzelt der 22-jährige Fitnessfan und zuckt mit den Schultern: „Ich weiß auch nicht.“ Er habe wohl ein Händchen dafür und dann viel gelernt.

Für Studienrätin Jennifer Jurchivici, die die Förderklasse unterrichtet, ist Mustafa Al-Bayati ein echter Glücksfall. „Er ist eine riesige Unterstützung“, sagt sie. Denn die Schüler kommen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Mustafa kann sich auch auf Englisch und Arabisch verständigen. Und: „Er hat eine ruhig, nette Art und ist hilfsbereit, das überträgt sich“, ist Jurchivici überzeugt. Ein Mädchen ist neu in der Klasse und eine ganze Reihe an Schülern versteht nur wenig Deutsch. Ein Jugendlicher stammt aus dem Irak und hat dort nie eine Schule besucht. Jennifer Jurchivici trennt die Klasse. Al-Bayati geht mit den Sprachanfängern in einen anderen Raum, Jurchivici bleibt mit dem Rest. „Wir unterhalten uns heute über das Wahlrecht“, kündigt sie an. Mit so einem Thema wären Sprachanfänger überfordert. Für sie ist es wichtiger, erst einmal Aussprache und Grammatik sowie die Schrift zu pauken. Für die Fortgeschrittenen wäre das andrerseits zu langweilig. „Die Klasse teilen zu können, ist effizient“, sagt Jurchivici. Und teilen funktioniert nur, wenn man nicht alleine ist.

Das Pictorius Berufskolleg bietet die Förderklasse bereits im dritten Jahr an. „Wir haben auch schon zwei Klassen bilden können, aber die Zahl an Flüchtlingen und Zuwanderern ist jetzt rückläufig“, so Schulleiter Klaus Schneider. Die Schüler haben die Möglichkeit, die Klasse zu wiederholen. Oder, wer mit der Sprache gut vorankommt, einen Hauptschulabschluss oder gleichwertigen Schulabschluss zu bekommen. Oder eine Ausbildung zu starten.

Die Idee, Mustafa anzusprechen, ob er nicht ein Bundesfreiwilligenjahr absolvieren wolle, hatte seine Schwester. „Die war damals im Kurs“, berichtet Jurchivici. Ihr Bruder könne beim Übersetzen helfen, habe sie gesagt, als es mit der Verständigung nicht klappte.

Bis April ist er jetzt noch Bufdi im Berufskolleg. „Ich möchte gerne eine Ausbildung als Fitnesskaufmann beginnen“, sagt der 22-Jährige. Gerne würde er auch Erzieher werden. „Das Problem ist, dass mein Abschluss in Deutschland bislang noch nicht anerkannt wurde.“ Dabei ist er genau jemand, der das Engagement mitbringt, nach dem viele Betriebe suchen. „Ohne Sprachkenntnisse funktioniert nichts“, sagt Mustafa Al-Bayati, der sich gut integriert fühlt. Auch deswegen ist er interessiert daran, andere junge Leute am Berufskolleg zu unterstützen. Für viele ist er Motivation und Vorbild.

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