Kreis Coesfeld
Die große Sehnsucht nach Frieden

Kreis Coesfeld. Die 80er Jahre – die Zeit des Kalten Kriegs, des Wettrüstens, der großen Ängste vorm Atomkrieg. Die Zeit der neuen Friedensbewegung und der großen Ostermärsche, die mit dem Nato-Doppelbeschluss nach einer Ruhepause – die ersten fanden 1958 statt – wieder aufflammten. Auch aus dem Kreis Coesfeld schlossen sich Friedensbewegte zusammen, um gegen Krieg und für Frieden zu demonstrieren. „Wir gingen zu Fuß nach Dortmund, eine Übernachtungsmöglichkeit gab es in Lüdinghausen“, erinnert sich Robert Hülsbusch. Der Nottulner gehört zu den „alten Hasen“ der Friedensgruppen; schon seit 1981 ist er in der Friedensinitiative Nottuln aktiv.

Dienstag, 12.03.2019, 21:12 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 09:14 Uhr
Kreis Coesfeld: Die große Sehnsucht nach Frieden
Friedensmarsch in den Baumbergen 2007 zur Kapelle Bruder Klaus, die Ziel der späteren Friedensmärsche ab 2003 war. Foto: Archiv

Jetzt, fast 40 Jahre später, ist die Angst vor erneutem Wettrüsten wieder größer geworden. „Ich hätte das nie für möglich gehalten, dass es wieder so weit kommt“, sagt Hülsbusch. „Ein Rückschlag.“ Die Friedensgruppen gibt es immer noch und rufen – auf ein Neues – zum Ostermarsch auf. Er findet in diesem Jahr in Dülmen statt, vom Marktplatz aus führt er nach Dülmen-Visbeck, wo es früher ein von amerikanischen Soldaten bewachtes Nuklearwaffenlager gab.

„Wir schließen uns fester zusammen und bündeln Aktivitäten, um eine größere Wirkung zu erzielen“, sagt Hülsbusch. Mit dabei sind der Friedenskreis Havixbeck, die Friedensinitiative Nottuln, der Friedenskreis Senden, die Friedensfreunde Dülmen und die Pax Christi-Gruppen aus Coesfeld, Lüdinghausen und Billerbeck.

Gleich drei gemeinsame Veranstaltungen sind im Kreis geplant, die sich mit der neuen Lage nach dem Ende des INF-Vertrages beschäftigten (s. Kasten).

Dülmen war neben Coesfeld auch Ziel der ersten eigenen Ostermärsche im Kreis Coesfeld, die die hiesigen Friedensgruppen in den 80ern aus der Taufe hoben. „Wir wollten da demonstrieren, wo wir wohnten“, erinnert sich Robert Hülsbusch. Der erste Sternmarsch im Kreis Coesfeld führte 1986 nach Coesfeld. Das Motto: „Macht aus dem Rüstungsnetz – auch im Kreis Coesfeld – ein Friedensnetz!“

Schüler, Jugendliche, Menschen aus den Kirchengemeinden, Bürger aus verschiedenen Vereinen nahmen an den Friedensveranstaltungen der neuen Friedensbewegung in den 80ern teil. „Ja, das stimmt, es war schon immer unser Ziel, Bürger aus der Mitte anzusprechen“, sagt Hülsbusch.

Auf den alten Fotos aus dem Kreis Coesfeld sieht man die Gruppen, wie sie mit Rad oder zu Fuß durch die Bauerschaften zur Abschlusskundgebung nach Dülmen oder Coesfeld unterwegs sind. Und es interessierte nicht nur die große Politik, sondern, was vor Ort los war. Das Atomwaffenlager in Dülmen-Visbeck, die Soldaten, die in Coesfeld und Dülmen stationiert waren, in Nottuln der Atombunker unter der Hauptschule. Militärische Übungen. Tieffllüge.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nahm das Interesse an Ostermärschen ab. Im Kreis Coesfeld erlebten sie erst 2003 eine Renaissance: Unter dem Motto „Wege des Friedens gehen!“ riefen 14 Organisationen aus Nottuln, Havixbeck und Billerbeck für den Ostermontag zu einem Osterfriedensgang auf. Aus den drei Baumberge-Gemeinden wanderten die Teilnehmer zur Kapelle Bruder Klaus. Seitdem war die Friedenskapelle in den Baumbergen viele Jahre das Ziel der Ostermärsche.

Im vorigen Jahr führte der Ostermarsch erstmals wieder nach Dülmen. Und in diesem Jahr ist Ostermontag erneut der Marktplatz Treffpunkt. Von da geht es nach Dülmen-Visbeck.

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