Kreis Coesfeld
„Europa ist wie ein Fahrrad“

Lüdinghausen. Einen „Sunday for future“, der den von Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg initiierten „Friday for future“ in seinem Erfolg und seiner Öffentlichkeitswirksamkeit noch übertrifft, könnte es am 26. Mai geben. Etwa dann, wenn „die deutschen Grünen bei dieser Wahl das stärkste Ergebnis in Europa erreichen“, betonte Sven Giegold beim „Europakongress Westfalen – Heimat.Land.Grün“, zu dem der Bezirksverband Westfalen von Bündnis90/Die Grünen jetzt in die Burg Vischering eingeladen hatte. Klar, fühlten sich die Gäste aus allen Himmelrichtungen hier sehr wohl. Nicht nur wegen des erstklassigen Ambientes, sondern vor allem auch wegen der Vielseitigkeit des Programms, bei dem fünf unterschiedliche Themenforen gewählt werden konnten.

Montag, 18.03.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 18:58 Uhr
Kreis Coesfeld: „Europa ist wie ein Fahrrad“
Vertreten beim Europakongress Westfalen „Ein Europa für Regionen“: Die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen in der Burg Vischering (v.l.) Lars Reichmann, Annette Mönning, Tilde Haase, Sven Giegold (Abgeordneter im EU-Parlament), Annalena Baerbock (Bundesvorsitzende der Grünen), Melli Vogel, Dr. Anne-Monika Spallek (Bezirksvorstand), Willi Kortmann (KV Coesfeld), Eckart Grundmann und Niklas van den Berg. Foto: Ulla Wolanewitz

Dass das von Giegold anvisierte Ziel keine Utopie ist, begründete der Abgeordnete des EU-Parlaments und Spitzenkandidat für 2019 damit, dass „die Orts- und Kreisverbände derzeit einen sehr guten Zulauf haben. Unter anderem haben wir schon jetzt dreimal so viel Bestellungen für Großplakate von den Kreisverbänden wie beim letzten Mal.“

Auch Annalena Baerbock war zu Gast. „Europa ist wie ein Fahrrad. Wenn man es nicht bewegt, fällt es um“, nutzte die Bundesvorsitzende der Grünen diese Metapher, um deutlich zu machen, dass Europa ein demokratischer Einwicklungsprozess ist, bei dem globales Denken und lokales Handeln gefragt sei. Ebenso wie Kinder für ihr Wachstum gute Wurzeln und Flügel benötigten, um tatkräftig, selbstsicher und lebensfroh durch das Leben zu gehen, verhalte es sich mit Europa und „dessen Wurzeln und das starke Zuhause sind die Kommunen“. Aber große Projekte wie beispielsweise der Euro oder das Schengen-Abkommen fielen eben nicht vom Himmel, sondern seien nur über Bündnisse realisierbar und „auch die Klimakrise bekommen wir alleine nicht in den Griff“, so Annalena Baerbock.

Bezüglich des „Fridays for future“ betonte sie: „Hätte die Bundesregierung in ihrer Arbeitszeit ihren Job gemacht, müssten die Schüler nicht auf die Straße. Auch hat der Stuhlkreis „Klimakabinett“ nicht verstanden, worum es wirklich geht.“

Ebenso wie sie verurteilte auch Giegold die Position der CDU-Bundesvorsitzenden AKK – „ihr Zitat: Die einzigen, die Schengen derzeit perfekt nutzen, sind Kriminelle“ – und ihre Reaktion auf Macrons Vorschläge zu Europa. „Macron hat in vielen Dingen nicht geliefert, was er versprochen hat, aber zusammen mit Frankreich können wir Europa stark machen,“ so Giegold. Er plädierte zudem für eine europäische Unternehmensbesteuerung, damit das Dumping aufhört und ins europäische Einigungswerk investiert wird.

Jüngsten Umfragen zufolge sprechen sich derzeit 48 Prozent der Briten für einen Verbleib in der EU aus. „Sollten die britischen Grünen eine zweite Volksabstimmung durchsetzen, sollten wir ihnen diese auch ermöglichen“, lautet die Empfehlung des EU-Parlamentariers.

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