Kreis Coesfeld
Düngeverordnung stinkt Bauern

Kreis Coesfeld. Große Sorgen bei den Bauern im Kreis Coesfeld. Die erst 2017 verschärfte Düngeverordnung, soll noch einmal novelliert werden mit dem Ziel, die Nitratbelastung im Grundwasser weiter zu senken. Doch was die EU fordert, sei überzogen und habe oft keine fachliche Grundlage, kritisierten die Bauern in der öffentlichen Ausschusssitzung des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Coesfeld (WLV) und der Landwirtschaftskammer. „Wenn die so weiter machen, schaffen die uns ab“, so ein Landwirt. „Wir sind die Sündenböcke.“ Die Bauern befürchten, dass sie die Pflanzen nicht mehr bedarfsgerecht düngen können – und die Düngeverordnung letztlich die Viehhaltung in Deutschland deutlich reduzieren wird.

Mittwoch, 03.04.2019, 12:11 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 12:14 Uhr
Kreis Coesfeld: Düngeverordnung stinkt Bauern
Die Düngeverordnung hat das Ziel, dass weniger Nitrate im Grundwasser landen. Nitrate geraten unter anderem durch Gülle in den Boden, deswegen soll es weitere Einschränkungen bei der Düngung geben. Foto: Archiv.

Unter dem Motto „Bauern brauchen Zukunft – Zukunft braucht Bauern“ findet am Donnerstag, 4. April, eine Kundgebung in Münster auf dem Domplatz statt. 5000 Landwirte werden erwartet, allein aus dem Kreis Coesfeld sollen rund 400 anreisen. Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und NRW-Agrarministerin Ursula Heinen- Esser haben ihr Kommen zugesagt.

Existenzangst einerseits, Dialogbereitschaft andrerseits. Nitrat im Borden – da wird schnell die Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Zu viel Gülle, zu viel Dünger. „Dabei haben wir viel getan und sperren uns auch weiterhin nicht, etwas für sauberes Wasser zu unternehmen“, betonte WLV-Kreisverbandsvorsitzender Michael Uckelmann. Bodenuntersuchungen hätten zu weniger Pflanzenschutzmitteln geführt, Investitionen landeten in umweltschonendere Wirkstoffe, verbesserte Technik und größere Güllelagerräume. Die positiven Auswirkungen von 2017 „müssen doch erst einmal ankommen“. Statt dessen werde das alles nicht beachtet – und die EU-Kommission fordere von Deutschland schon wieder weitere Verschärfungen.

Problematisch sind besonders die „roten Gebiete“, in denen der Grenzwert überschritten wurde: mehr als 50 mg Nitrat pro Liter an den Grundwasser-Messstellen. 18 davon gibt es im Kreis Coesfeld – von 53 Messstellen. 35 liegen somit im grünen Bereich mit weniger als 50 mg Nitrat. Josef Samberg von der Landwirtschaftskammer Kreis Coesfeld äußerte Kritik am Zustandekommen der „roten Gebiete“. Gut möglich nämlich, dass dieselben Flächen noch bis 2007 im grünen Bereich lagen. Der Grund: Es reicht inzwischen ein viel kleinerer Bereich des Raums aus, der höhere Nitratwerte aufzeigt, um das gesamte drumherum liegende Gebiet als chemisch schlecht darzustellen. Eine Frage der Festlegung also. Auch spiele der definierte Zeitraum eine Rolle, bis grünes Licht für ein Gebiet gelte, nannte Samberg ein weiteres Beispiel. So seien an der Messstelle in Coesfeld-Gaupel schon seit Jahren niedrige Werte unter 50 mg Nitrat festgestellt worden – doch fließen einzelne höhere Werte aus den 90er und 2000er Jahren in die Bewertung ein, so dass der „Trend“ nach wie vor nach oben zeige.

Und das Trinkwasser? Gab es da Auffälligkeiten im Kreis Coesfeld? Dr. Heinrich Völker-Feldmanns Aussage war am Dienstag bei den Bauern klar: „Aus unserer Sicht können wir von keiner Belastung sprechen“, sagte der Leiter des Kreis-Gesundheitsamts in seinem Vortrag über die – ebenfalls verschärfte – Trinkwasserverordnung. Schon seit Jahrzehnten beobachtet er die Werte aus den Trinkwasser-Brunnen-Untersuchungen. Hunderttausende Werte sammelte das Gesundheitsamt im Kreis Coesfeld bei den Überprüfungen. Trinkwasserbrunnen sind durchaus noch üblich im Kreis Coesfeld, besonders im Billerbecker Raum. Kreisweit existierten 6625 in 2015. „85 Prozent der Brunnen hatten einen Nitratwert von unter 25 mg“, berichtete Völker-Feldmann. Also noch weit unter dem Grenzwert von 50 mg. Die Ursache bei höheren Werten sei oft die Konstruktion des Brunnens gewesen. „In anderen Fällen wissen wir nicht, warum es dazu gekommen ist.“ Dann der Blick in den Nachbarkreis Borken – mit wesentlich höheren Nitratwerten. „Die Frage muss gestellt werden, ob man höhere Nitratwerte allein mit der Landwirtschaft in Zusammenhang bringen kann“, so Völker-Feldmann. Er meint: Nein. „Das ist zu kurz gegriffen“, so der Experte der Kreisbehörde. Die Düngung sei nur ein Grund, es gebe aber weitere, so auch natürliche Ursachen. Die Folgefrage: Inwieweit bringt es etwas, wenn die Landwirte ihr Düngeverhalten ändern?

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