Kreis Coesfeld
„Engagieren gegen extreme Tendenzen“

Kreis Coesfeld. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat ein großes Ziel: Dass man Antisemitismus-Beauftrage irgendwann nicht mehr braucht. „Fragen Sie mich aber nicht, ob ich das optimistisch sehe“, sagte die ehemalige Justiz-Bundesministerin (FDP) und jetzige Antisemitismus-Beauftrage des Landes NRW gestern im Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg in Coesfeld. Anlass war ein Workshops zum Thema Antisemitismus von Schülern mehrerer Klassen. Neben dem prominenten Besuch war auch Dirk Michalowski, Fanbeauftragter des VfL Bochum, und Pate des Berufskollegs als „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ gekommen. „Das heißt für uns, dass wir jede Form von Ausgrenzung ablehnen“, rief Schulleiter Schulleiter Marc-André Tews die Bedeutung in Erinnerung. Aktueller, sagte er, hätte die Veranstaltung mit Leutheusser-Schnarrenberger nicht sein können. Denn gerade erst hatte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit seiner Aussage für Aufregung gesorgt, dass er Juden nicht mehr empfehlen könne, überall ihre Kippa zu tragen. Klein habe damit auf besorgniserregende Tendenzen hingewiesen, meinte Leutheusser-Schnarrenberger zu den Aussagen ihres Kollegen: „Dass man Symbole nicht mehr tragen kann, ohne Angst vor Übergriffen zu haben“, so die engagierte und vielfach ausgezeichnete Politikerin, die seit November 2018 ehrenamtliche Antisemitismus-Beauftrage des Landes NRW ist. Zu ihren Aufgaben zähle, gesellschaftliche Empfindungen aufzuspüren und auf diese hinzuweisen. „Aber engagieren müssen sich viele, um gegen Vorurteile anzugehen. Das kann man nicht auf ein paar Beauftragte abschieben.“

Mittwoch, 29.05.2019, 11:24 Uhr
Kreis Coesfeld: „Engagieren gegen extreme Tendenzen“
Prominenter Besuch im Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg: Antisemitismus-Beauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger diskutierte mit Schülern, mit dabei Schul-Pate Dirk Michalowski (l.); daneben Schulleiter Marc-André Tews und r. Fachlehrer Christoph Rupprecht. Fotos: vth Foto: az

Sie sei keine „bestellte Politikerin“, die sich für Demokratie einsetzt, erklärte sie, „ich mache das gerne, weil ich denke, dass sie 70 Jahre gut funktioniert hat und ich sie nicht ein paar Spaltern und Unaufgeklärten überlassen will“. Die Würde des Menschen ist unantastbar, zitierte Leutheusser-Schnarrenberger das Grundgesetz: „Da stehe nicht, die Würde des Deutschen oder des Christen ist unantastbar.“ Jeder habe das Recht, seinen Glauben und seine politische Meinung zu haben, solange nicht die Grundlagen der Demokratie, die Grundrechte, angegriffen werden.

Schnelle Antworten hatte Leutheusser-Schnarrenberger in ihren beeindruckenden Ausführungen nicht immer parat. So etwa auf die Frage einer Schülerin, wie mit Familien umgegangen werden sollte, die ihre Kinder rechtsradikal erziehen. Was jedenfalls nicht sein könne, so die Antisemitismus-Beauftragte, sei ein staatlicher Eingriff im Sinne von Umerziehungslagern. „Das wäre nicht im Sinne des Demokratie.“ Demokratie muss und kann viel aushalten. Auch die AfD mit ihren „nicht verträglichen Positionen“. Statt sie einfach verbieten zu wollen, setzt Leutheusser-Schnarrenberger auf Argumente und Diskussionen.

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