Kreis Coesfeld
Abzocke bei Handyverträgen nimmt zu

Kreis Coesfeld. Auf die Frage nach dem größten einzelnen Erfolg im vergangenen Jahr, muss Susanne Terwey nicht lange überlegen. Die Leiterin der Beratungsstelle Dülmen der Verbraucherzentrale NRW erzählt von einem Mann, der über vier Jahre ungewollt zwölf Handyverträge abgeschlossen hatte und sich Forderungen von über 4000 Euro gegenübersah. „Wir konnten ihn mit einer Zahlung von 150 Euro letztlich da rausholen. Das war unser Highlight“, strahlt Terwey. Abzocke bei Handyverträgen, aber auch durch Energieversorger und sogar bei angeblichen Telefonsexdienstleistungen haben im vergangenen Jahr zugenommen, wie bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz der Beratungsstelle deutlich wird.

Donnerstag, 30.05.2019, 09:54 Uhr
Kreis Coesfeld: Abzocke bei Handyverträgen nimmt zu
Setzen sich seit fünf Jahren für die Rechte von Verbrauchern ein und tun dies nach der Vertragsverlängerung mit dem Kreis Coesfeld auch mindestens noch die nächsten fünf Jahre in der Beratungsstelle in Dülmen: (v.l.) Marion Schrilz, Uli Mensing, Susanne Terwey und Corinna Prior. Foto: Florian Schütte

„Die Beratung ist insgesamt komplexer geworden“, sagt Terwey. Dennoch verbuche die Verbraucherzentrale, die mit ihrer Beratungsstelle in Dülmen für den Kreis Coesfeld zuständig ist, eine Erfolgsquote von 75 %. 5473 Ratsuchende hätten die Beratungsstelle 2018 kontaktiert. Hinzu kommen 1347 Veranstaltungskontakte bei Vorträgen oder an Ständen auf Stadtfesten.

Bei fast einem von vier Ratsuchenden gab es Probleme mit einem Telekommunikationsanbieter. Eine noch deutlichere Sprache sprechen die Zahlen der Rechtsberatung und Rechtsvertretung. Von 615 Mandanten hatten 49 % Probleme mit Telefon- oder Internetverträgen. „Da kristallisiert sich heraus, dass der Verbraucher in dem Bereich alleine kaum eine Chance hat, sein Recht durchzusetzen“, meint Terwey. So habe der Anbieter Voxenergie eine Kundin nicht nur zum Stromanbieterwechsel bewegt, sondern ihr auch noch einen DSL- und einen Mobilfunkvertrag „untergejubelt“, wie Terwey berichtet.

Zudem sieht sich die Verbraucherzentrale auch immer öfter Fällen gegenüber, in denen die tschechischen Firmen Widax oder Riverso wegen angeblicher Telefonsexdienstleistungen 90 Euro verlangen. „Aushalten, abheften und warten, ob ein deutsches Inkassoinstitut die Forderung geltend macht“, rät Terwey. Das sei jedoch noch nie passiert. Probleme mit Fernabsatzverträgen hätten ebenfalls in 2018 zugenommen.

Beschäftigt habe die Menschen im vorigen Jahr zudem die Datenschutzgrundverordnung und die Musterfeststellungsklage gegen VW. Viele thematische Schwerpunkte hat die Verbraucherzentrale 2018 mit ihren Aktionen gesetzt. Und auch 2019 finden einige Aktionen statt, wie zum Beispiel „Laura zieht aus“ für junge Menschen mit der ersten eigenen Wohnung.

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