Kreis Coesfeld
Unter einem Vorwand abgelehnt

Kreis Coesfeld (vth). „Ich habe viel gelernt und viel geholfen.“ So fasst Nima Hajihashemi die Erfahrungen im Projekt „Jugend ohne Grenzen“ zusammen – ein kreisweites Projekt in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, an dem Flüchtlinge und Migranten aus den elf Städten und Gemeinden teilnehmen.

Sonntag, 16.06.2019, 12:00 Uhr

Nima ist 26 und lebt in Lüdinghausen, er stammt aus dem Iran. Zusammen mit Quasim Murad (25) aus Rosendahl berichtete er im Fachausschuss den Kreispolitikern über das beim Kommunalem Integrationszentrum des Kreises angesiedelte Projekt. Die Teilnehmenden werden zu Themen wie Flucht, Migration und zivilgesellschaftlichem Engagement in der politischen Bildung qualifiziert.

Als Multiplikatoren nahmen Nima Hajihashemi und Quasim Murad an verschiedenen Veranstaltungen teil. Erzählten in Schulen über ihre Flucht. Berichteten über Schwierigkeiten. Halfen anderen Jugendlichen. Nahmen an Seminaren über Sprache, Rhetorik, Diskriminierung und Integration teil. Besuchten den Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann in Berlin.

Ziel des Projekts ist es, dass es in jedem Ort ein bis zwei Jugendliche wie Hajihashemi und Murad als Ansprechpartner gibt.

„Ich bin kein Typ, der zu Hause rumsitzen kann“, sagte Hajihashemi, warum er sich gerne engagiert.

Aber längst nicht immer läuft alles glatt, berichteten die beiden Jugendlichen im Ausschuss. „Ich habe erst nach drei Jahren gewusst, dass es Umschulungen gibt“, nannte Hajihashemi ein Beispiel. So sei es mit vielen Dingen, und selbst ihnen als Multiplikatoren mit guten Sprachkenntnissen fehlten Informationen.

Quasim Murad berichtete, dass es oft schwer sei, eine Ausbildung zu finden. „Ein Junge aus Afrika arbeitete neun Monate für ein Unternehmen und wurde dann abgelehnt.“ Kein Einzelfall, wie die beiden betonten. Auch Quasim Murad erlebte es. Wenn es ans Eingemachte geht, darum, ob ein Ausbildungsplatz möglich ist, komme nicht selten eine Absage. Dann die alltäglichen Diskriminierungen. Die Erfahrung, nicht ins Fitnessstudio zu dürfen – „unter dem Vorwand, dass die Kapazitäten erschöpft seien“.

„Die Jugendlichen müssen ein besseres Coaching bekommen“, lautete der Wunsch von Nima Hajihashemi. Wie er sind Jugendliche, die schon einige Zeit in Deutschland leben, an einem Punkt, an dem es nicht mehr allein um Integration geht, das wurde im Ausschuss deutlich. Sondern um die Frage, was mit den bestehenden Voraussetzungen möglich ist. Wie ein Studium aufgenommen werden kann. Oder eine Ausbildung.

Für die Kritikpunkte wollte der Ausschuss Lösungen, er forderte, dass etwas unternommen werden muss. Dezernent Detlef Schütt versicherte, die Themen in die entsprechenden Gremien weiterzuleiten und auch Gespräche mit dem extra eingestellten Jobcoach für die Flüchtlingshilfe zu führen.

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