Kreis Coesfeld
Entsetzen bei Naturschützern vor Ort: „Wir sind sprachlos“

Kreis Coesfeld (vth). Der Landesverband des BUND für Umwelt und Naturschutz will sich aus der Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V. zurückziehen. Die knappe Pressemitteilung sorgte gestern für Entsetzen bei den Naturschützern vor Ort. Der „Landesverband beendet seine Mitgliedschaft im Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld und beruft seine Delegierten aus Kuratorium und Delegiertenversammlung ab“, heißt es darin. Der Landesvorstand sehe sich „zu dieser Entscheidung genötigt wegen der besonders geringen Vertretungsmöglichkeit des ehrenamtlichen Naturschutzes in den Entscheidungsgremien des Naturschutzzentrums“. Landesvorsitzender Holger Sticht: „Das ist keine Kritik am Naturschutzzentrum, aber wir stellen uns einen stärkeren Einfluss vor.“

Sonntag, 07.07.2019, 18:42 Uhr
Kreis Coesfeld: Entsetzen bei Naturschützern vor Ort: „Wir sind sprachlos“
Das Naturschutzzentrum e.V. hat seinen Sitz in Nottuln-Darup auf dem Alten Hof Schoppmann. Foto: Archiv

Sowohl beim seit 1995 aktiven Naturschutzzentrum, das seinen Sitz auf dem Alten Hof Schoppmann in Nottuln-Darup hat, als auch bei der BUND-Kreisgruppe erntete die Nachricht des Landesverbands Aufregung. Eine tragische Entscheidung sei das, „denn wir arbeiten mit den Ehrenamtlichen des BUND sehr gut zusammen“, so Geschäftsführer Thomas Zimmermann. Der Landesverband sei selber auch gar kein Mitglied des Naturschutzzentrums, aber über die Kreisgruppe vertreten. Und mit der „ist nichts abgestimmt worden“, sagt Bernd Brüning (Lüdinghausen) von der Kreisgruppe des BUND. Im Gegenteil. Die Kreisgruppe habe noch in ihrer Mitgliederversammlung im März einhellig dafür gestimmt habe, weiterhin an der Arbeit des Naturschutzzentrums mitzuwirken.

Sieglinde Beerhorst (Dülmen) ist Vorsitzende des Kuratoriums des Naturschutzzentrums und kann nur mit dem Kopf schütteln. „Das ist kein guter Stil“, findet sie. „Wir sind sprachlos.“ Auch sie erfuhr von der Rückzugsankündigung durch unsere Zeitung. Dass die Naturschützer zu wenig Einfluss haben, kann sie nicht bestätigen. Das Kuratorium sei paritätisch besetzt mit Naturschützern, Land- und Forstwirten, erläutert Beerhorst, die schon seit Gründung des Naturschutzzentrums ehrenamtlich dabei ist und nun bald mit 79 Jahren in den Ruhestand wechselt. Für einen Nachfolger sei aber – noch in der Mitgliederversammlung – gesorgt worden. Allerdings fanden sich bei den Wahlen in der Versammlung der BUND-Kreisgruppe keine Kandidaten für den Vorstand. Formal liegt die Kreisgruppe also zurzeit flach. „Trotzdem laufen die Aktivitäten der Mitglieder in allen Gremien weiter“, betont Beerhorst.

Offenbar gehen die Meinungen schon länger auseinander. „Natürlich positioniert sich das Naturschutzzentrum nicht politisch – anders als der BUND“, erklärt Beerhorst. Das ist auch nie Ziel des Naturschutzzentrums gewesen, in dem verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen vom Heimatverein bis zum Jagdverband sowie der Kreis Coesfeld und die Kommunen vertreten sind. Es ist also kein Gebilde, das maßgeblich von einer Naturschutzorganisation gesteuert wird. Eine Struktur, die gewollt ist.

Landesvorsitzender Sticht sagt auf Nachfrage, dass sich die BUND-Ehrenamtlichen ja weiter dort engagieren könnten, aber „nicht mehr für den BUND“.

Die Naturschützer vor Ort überlegen, wie sie reagieren werden – und prüfen, inwieweit die Anweisung ihres Landesverbands überhaupt Bestand hat.

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