Kreis Coesfeld
Die Vorboten des Klimawandels

Kreis Coesfeld. Zugvögel, die sich in den milden Wintern hier wohlfühlen und nicht mehr die anstrengende Reise nach Afrika auf sich nehmen, mediterrane Vogelarten wie der Bienenfresser, der auch schon mal im Kreis Coesfeld brütet und natürlich viele Insektenarten, die vor wenigen Jahrzehnten im Münsterland noch nicht heimisch waren – die geografischen Verschiebungen in der Fauna sind die ersten Vorboten der zunehmenden Erderwärmung.

Dienstag, 23.07.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Die Vorboten des Klimawandels
Die Klimaprofiteure (im Uhrzeigersinn von o.l.): Wärmeliebende Vögel, wie der bunt gefärbte Bienenfresser schreiten nun vereinzelt auch im Münsterland zur Brut. Noch in den 90er-Jahren kam die mediterrane Feuerlibelle nicht in Nordwestdeutschland vor. Sie breitet sich – bedingt durch den Klimawandel – deutlich nach Norden aus und hat sich auch im Kreis Coesfeld etabliert. Die Langflügelige Schwertschrecke ist hier ebenfalls heimisch geworden, genauso wie die Sichelschrecke (ganz oben). Zwar kein erwiesener Klimaprofiteur, mag es die Feuerwanze trotzdem gern trocken und warm und ist immer häufiger auch im Kreis Coesfeld statt nur südlich der Alpen anzutreffen. Fotos: Heiko Heise-Grunwald/Matthias Olthoff/ Florian Schütte Foto: az

„Besonders Libellen reagieren kurzfristig auf klimatische Veränderungen“, sagt Matthias Olthoff vom Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld. „Da reichen schon fünf wärmere Jahre in Folge, damit eine Art bei uns heimisch wird.“ Als Beispiel nennt er die Feuerlibelle – ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. „Die habe ich selbst vor 15 Jahren das erste Mal in einem Moorgebiet im Westmünsterland gesehen“, erinnert sich der Diplom-Landschaftsökologe. „Mittlerweile kann man in kaum ein Naturschutzgebiet gehen, ohne auf die Feuerlibelle zu stoßen.“ Weitere exotische Insektenarten, die sich auch im Kreis Coesfeld fest etabliert haben, sind die Langflügelige Schwertschrecke und die Gemeine Sichelschrecke.

Auch die Feuerwanze, die viele sonst nur aus dem Urlaub südlich der Alpen kannten, wird immer häufiger im heimischen Garten beobachtet. Sichtungen der tropischen Riesenzecke Hyalomma, die Medienberichten zufolge im Sommer 2018 das erste Mal nach Deutschland kam, seien hingegen dem Kreisgesundheitsamt bislang noch nicht gemeldet worden, wie es auf Nachfrage dort heißt.

Dass Arten wie die Feuerlibelle die heimischen Libellenarten verdrängen, sei nicht erwiesen. Dafür sorgt bereits der Mensch – durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume wie dem Abbau der Moore und natürlich durch den Klimawandel. So sterben die Libellenarten Hochmoor-Mosaikjungfer und Speer-Azurjungfer im Kreis Coesfeld aus. Zwei Arten verloren, zwei gewonnen – eine Rechnung, die laut Matthias Olthoff nicht aufgeht. „Denn die Arten, die wir verlieren, sind ohnehin schon sehr selten und gefährdet“, spricht der Experte von einem großen Verlust. Und was einmal verschwunden sei, komme auf absehbare Zeit auch nicht wieder. Ein Beispiel dafür ist der Lungenenzian-Ameisenbläuling. Den Schmetterling habe es bis vor einigen Jahren noch in der Wildpferdebahn in Dülmen gegeben. Mittlerweile ist er im Kreis Coesfeld ausgestorben.

Anders verhält es sich bei wandernden Arten wie dem Distelfalter oder dem Taubenschwänzchen. Die beiden Falter fliegen in warmen Sommern weiter Richtung Norden, verschwinden dann aber auch später wieder.

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