Kreis Coesfeld
„Ein schnelleres Ergebnis“

Kreis Coesfeld. Häufig überlaufende Notfallaufnahmen. Ins Krankenhaus oder zum Arzt? Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die medizinische Notfallversorgung neu zu organisieren, stößt bei der hiesigen Kreisleitstelle auf ein positives Echo.

Mittwoch, 24.07.2019, 12:00 Uhr
Kreis Coesfeld: „Ein schnelleres Ergebnis“
Kreisleitstellen-Leiter Daniel Pfau begrüßt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Notrufnummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 für den hausärztlichen Notdienst zusammenzuschalten. Foto: Viola ter Horst

„Die Einsätze ließen sich effektiver koordinieren, wenn nur von einer Stelle aus agiert würde“, sagt Kreisleitstellen-Leiter Daniel Pfau. Und nicht noch die hausärztliche Notdienstnummer 116 117 involviert wäre, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen von Duisburg aus organisiert wird. Dem Gesetzentwurf zufolge sollen die Nummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 zusammengeschaltet werden. „Technisch wäre das hier kein Problem“, sagt Pfau.

300 bis 500 Notrufe gehen bei der Kreisleitstelle in Coesfeld jeden Tag ein, die sowohl die Krankentransporte, die Feuerwehreinsätze und technische Hilfsleistungen der Einsatzkräfte koordiniert. Kommt ein Notruf über die 112 rein, sind Pfau und sein Team am Zuge, um in Windeseile abzuchecken, was passiert ist und welche Einsatzwagen und -kräfte rausrücken. Wer ist betroffen, wo ist es passiert, was ist passiert – zählen zu den Fragen an den Anrufer, um dann schnell die richtigen Einsatzkräfte loszuschicken. Die Einsätze haben in den letzten Jahren ständig zugenommen. „Die Bereitschaft, einen Krankenwagen zu rufen, ist viel größer als früher“, sagt Pfau. Sei es, weil sich Betroffene davon versprechen, schneller behandelt zu werden oder sei es, weil es keinen gibt, der den Betroffenen zur Notfallaufnahme bringen kann. „Die Hilflosigkeit steigt“, so Pfau.

Dass sich in den Notfall-Ambulanzen unter den Patienten auch solche befinden, denen an anderer Stelle besser und häufig auch schneller geholfen werden könnte, ist auch eine Erfahrung, die die Ärzte in den Christophorus-Kliniken machen. Genau da will Spahn ansetzen.

Denn auch die hausärztliche Notdienstorganisation über die Telefonnummer 116 117 hat ihre Tücken. Wer dort anruft, etwa, weil er abends Beschwerden hat, bekommt von der Zentrale in Duisburg bei Bedarf einen Hausarzt vorbeigeschickt.

„Das kann natürlich dauern und außerdem ist es möglich, dass der Arzt dann doch ein Krankenhaus empfiehlt“, erklärt Pfau. Von daher würde er es begrüßen, wenn die Koordination künftig von einer Stelle aus laufen würde. „Das würde zu einem schnelleren Ergebnis führen.“ Nach dem Gesetzesentwurf sollen die Mitarbeiter der Notfallleitstelle einschätzen, wer ins Krankenhaus gehen sollte.

60 bis 80 Anrufe am Tag kommen ungefähr über die 116 117 rein, die aus dem Kreis Coesfeld stammen, nennt Pfau eine Zahl. „Wenn unsere Leitstelle diese Anrufe übernehmen soll, hätten wir die zusätzlich zu bearbeiten.“ Aus seiner Sicht – mit entsprechend aufgestocktem Personal – gut machbar. „Allerdings wären diese Anrufe nicht wie die Notrufe zu behandeln, bei denen wir ja den Anspruch haben, die Informationen innerhalb von 90 Sekunden an die entsprechenden Einsatzkräfte weitergegeben zu haben.“ Das wäre allein deswegen nicht machbar, weil umfangreichere Informationen von dem Betroffenen erfragt werden müssen.

44.000 Einsätze.

Die Notrufe aus allen Städten und Gemeinden des Kreises Coesfeld laufen in der zentralen Kreisleitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Coesfeld ein. Träger ist der Kreis Coesfeld. Von der Leitstelle werden alle Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge alamiert und eingesetzt. Rund 44 000 Einsätze sind es im Jahr, die meisten davon sind mit 28 000 Rettungsdiensteinsätze. 17 Disponenten arbeiten in der Leitstelle, die steigenden Einsatzzahlen verlangen nach dem Rettungsbedarfsplan mehr Personal. Auf 23 soll die Leitstelle danach aufgestockt werden, so wurde es auch bereits politisch beschlossen. Würde auch der hausärztliche Notdienst mit der 116 117 in der Leitstelle angesiedelt werden, wäre weiteres Personal notwendig. Unabhängig davon, ist eine Vergrößerung der Leitstelle geplant. Ob dies an der jetzigen Stelle in Coesfeld möglich ist, ist noch nicht klar.

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