Kreis Coesfeld
Tierbesitzer in Sorge über Notdienst

Kreis Coesfeld. Maria Kerkhoff macht sich Sorgen. Die Tierkliniken in der Umgebung bieten keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst mehr für Hunde, Katzen und Co. an. „Ich bin seit Jahren Hundebesitzer und mir macht diese Situation große Angst“, sagt die Coesfelderin. Ihr ältester Hund hat Krebs. „Da kann es am Schluss schnell gehen, dass man eine Entscheidung treffen muss.“ Doch die nächsten Kliniken, die auch spät nachts erreichbar sind, befinden sich erst in Recklinghausen und Ahlen.

Freitag, 02.08.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 12:07 Uhr
Kreis Coesfeld: Tierbesitzer in Sorge über Notdienst
Im Notfall schnell Hilfe: Seitdem viele Tierkliniken nicht mehr einen 24-Stunden-Service anbieten, sind Tierbesitzer zunehmend besorgt. Foto: Inga Kjer/dpa

Die Situation sei zurzeit nicht optimal, bestätigt Tierarzt Dr. Norbert Schulze Thier aus Ascheberg, Kreisstellenleiter der Tierärztekammer Westfalen-Lippe. Viele Tierkliniken hätten ihren Status als Tierklinik abgegeben, weil sie den Rund-um-die-Uhr-Dienst personell nicht mehr leisten können. „Es sind Arbeitszeiten und Ruhezeiten einzuhalten und das wird inzwischen stärker kontrolliert.“

Schwarz malen sollten Kleintierbesitzer die Situation aber nicht. „Viele örtliche Tierärzte bieten selber einen Notdienst an.“ Schulze Thier rät, einen Tierarzt zu wählen, der einen Notdienst geregelt hat und zu klären, wer im Notfall erreichbar ist. Der Kreisstellenleiter arbeitet zudem daran, einen Notdienst-Ring für die Region aufzubauen. „Einige Kollegen im Kreis haben bereits einen überörtlichen, regionalen Notdienst und haben auch einige Notfallsprechstunden am Wochenende“, so Schulze Thier. So ein Bereitschaftsdienst schwebt auch Hundebesitzerin Maria Kerkhoff vor. „Die Tierärzte sollten sich zusammenschließen, um gemeinsam einen Notdienst zu etablieren“, meint sie. „Das muss doch möglich sein.“

Bislang standen in der Region die Tierkliniken in Hochmoor bei Gescher, Karthaus bei Dülmen und Lüdinghausen Gewehr bei Fuß, wenn es dem Tier plötzlich nachts schlecht ging. Alle drei bieten aber nur noch eingeschränkte Notdienstzeiten. Ein Phänomen, das sich immer stärker verbreitet. Tierärztliche Klinik darf sich nur nennen, wer bestimmte Vorgaben erfüllt, dazu gehört eine 24-Stunden-Dienstbereitschaft. Für viele ist das personell nicht mehr leistbar, sie geben den Klinik-Status auf und nennen sich um. Inzwischen sind die am nächsten gelegenen Tierkliniken mit vollem Notdienstprogramm in Recklinghausen und Ahlen.

Arbeitsrechtlich sei ein Rund-um-die-Uhr-Service nur mit einem hohen Aufwand umsetzbar, sagt Dr. Niels Henrik Huskamp, Inhaber der Tierklinik Hochmoor. „Es muss ja ein komplettes OP-Team für alle Schichten vorgehalten werden“, erklärt er. Das sei mit den vorgeschriebenen Ruhezeiten nur mit viel zusätzlichem Personal möglich. Trotzdem werde in Hochmoor bis in die Abendstunden ein Notdienst vorgehalten, betont er. Damit könne den meisten Patienten auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten geholfen werden.

„Das Arbeitszeitgesetz spielt eine immer größere Rolle“, sagt auch Victor Baltus, Geschäftsführer der Klinik in Karthaus. „Dazu kommt, dass die Spezialisierungen zunehmen und Allrounder immer schwieriger zu finden sind“, erläutert er.

Wegen der gesetzlichen Arbeitszeitenregelungen nicht mehr stemmbar – diese Information gibt auch Tierarzt Dr. Peter Hartmann, dessen Tierklinik in Lüdinghausen inzwischen Gesundheitszentrum für Kleintiere heißt, weil der Rund-um-die-Uhr-Service nicht mehr angeboten werden kann. „Ich bedaure das sehr“, sagt Hartmann. Trotzdem ist seine Tierarztpraxis nach wie vor bis spät abends erreichbar. Und Hartmann selber steht für akute, lebensbedrohliche Notfälle laut Website auch außerhalb der Sprechstunden zur Verfügung, rund um die Uhr.

Einig sind sich die Tierärzte in einer Sache: Viele Notfälle sind nach ihren Erfahrungen keine echten Notfälle. Schulze Thier von der Kreisstelle der Tierärztekammer: „Notfälle können oftmals verhindert werden, wenn das Tier rechtzeitig behandelt wird.“ Deshalb rät er Tierbesitzern, sich frühzeitig zum Tierarzt in die Sprechstunde zu begeben, wenn das Tier krank ist. „Das dient dem Tierschutz und außerdem werden keine Notdienstgebühren fällig.“ Wer selber keine Transportmöglichkeit habe, sollte klären, wer das Tier zum Tierarzt oder in die Tierklinik bringen kann. Vielleicht der Nachbar oder jemand aus dem Freundeskreis. Dass ein Tier verstorben sei, weil es weniger Notdienste rund um die Uhr gibt, sei ihm nicht bekannt, sagt Schulze Thier.

Für die Arbeit des Tierschutzvereins Coesfeld, Dülmen und Umgebung wirken sich die eingeschränkten Notdienstzeiten der Kliniken nicht unmittelbar aus, so Geschäftsführerin Sandra Kassenböhmer „Wir arbeiten mit einem Vertragstierarzt zusammen.“ Bislang hätten die Erstversorgungen ausgereicht, wenn Tiere außerhalb der Klinik-Notdienste verletzt waren. „Wir hatten immer Glück.“

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