Kreis Coesfeld
Das Hanf-Feld bei Merfeld

Kreis Coesfeld. Radfahrer bleiben manchmal stehen und gucken. Und ja, die Nachbarn haben auch schon neugierig gefragt, was er denn da angebaut habe, erzählt Landwirt Antonius Winkelmann mit einem Schmunzeln. Auf seinem Feld bei Dülmen-Merfeld wächst auf zwei Hektar Hanf. Natürlich keine illegale Cannabis-Plantage. „Rausch erzeugt diese Hanfsorte nicht“, stellt Winkelmann klar. Nicht zum Kiffen, aber zum Essen dient die THC-freie Sorte, die der Bio-Landwirt angebaut hat.

Samstag, 03.08.2019, 12:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Das Hanf-Feld bei Merfeld
Bio-Landwirt Antonius Winkelmann in seinem Hanf-Feld bei Merfeld. Nicht zum Kiffen, aber zum Essen dient die THC-freie Sorte – aus den Samen wird Speiseöl gepresst. Fotos: Viola ter Horst Foto: az

Denn verarbeitet werden sollen die Samen der Pflanze, die im September erntereif sind, zu Bio-Speiseöl. Nach der Trocknung gehen sie an eine Mühle in Bremen.

Winkelmann ist Pionier damit. Der 26-jährige Landwirtschaftsmeister zählt zu den wenigen Bauern in der Region, die Hanf anbauen, im Kreis Coesfeld ist der Landwirtschaftskammer kein weiterer bekannt. „Hanf ist eine sehr alte und interessante Nutzpflanze“, sagt Winkelmann, der mit seinen Eltern einen Hof in Merfeld führt. „Wir wollten unsere Fruchtfolge erweitern und haben uns dann überlegt, was wir anbauen könnten.“ Der Betrieb ist dem „Naturland“-Verband für ökologischen Landbau angeschlossen und „darüber haben wir erfahren, dass ein Abnehmer noch jemanden für den Anbau von Hanf sucht.“ Eben jene Ölmühle, die die Samen für die Herstellung von Bio-Speiseöl benötigt.

„Wir wollen es in diesem Jahr erst einmal testen“, sagt Winkelmann. Hanf habe einige ackerbauliche Vorteile wie zum Beispiel eine gute Unkrautunterdrückung und ein gutes Wurzelwerk, mit dem er aus tiefen Bodenschichten Wasser erschließen kann. „Und da wir nicht zusätzlich im Sommer bewässern können, war das auch ein Grund für unsere Entscheidung.“

Mit den beiden neuen Auszubildenden Stefan Streckert und Elmar Möllenbeck im Schlepptau schaut er sich die Entwicklung der Pflanze gerade näher an. Die extreme Trockenheit hat ihr nicht gut getan. Winkelmanns Blick ist kritisch. „Mal sehen“, sagt der 26-Jährige.

Warum nicht mehr Bauern im Kreis Coesfeld Hanf anbauen? „In erster Linie fehlen ihnen die Flächen dafür und Hanf ist noch etwas Unbekanntes“, sagt Dr. Michael Dickeduisberg. von der Landwirtschaftskammer. „Das Risiko ist vielen zu groß.“ Zumal die Bauern einen Abnehmer selber suchen müssen – der dann auch für die nächsten Jahren zuverlässig die Ernte kauft.

Als Landwirte darf man Hanf anbauen, aber zugelassen ist nur zertifiziertes Saatgut. „Die Etiketten musste ich sammeln und der zuständigen Landesbehörde vorlegen“, berichtet Winkelmann. Den Beginn der Blüte muss er dann melden und auf eine Kontrolle warten – ob der THC-Gehalt stimmt, der unter 0,2 Prozent liegen muss. „Sollte er zu hoch sein, müsste ich den ganzen Bestand vernichten“, sagt Winkelmann.

Skeptisch streicht er über die heranwachsenden Pflanzen. „Die Trockenheit ist selbst für Hanf schwierig“, sagt Winkelmann, während er schon notgereifte Samen aus einer Pflanze herauspresst. Die Azubis Stefan Streckert und Ellmar Möllenbeck sehen interessiert über seine Schulter.

Der Hanf-Anbau ist in der Landwirtschaft in NRW noch relativ selten, „aber in den letzten Jahren stark gestiegen“, so Dickeduisberg von der Landwirtschaftskammer. 2012 wurde gerade ein Hektar in ganz NRW angebaut, 2018 waren es laut Landwirtschaftskammer 40 Betriebe mit 243 Hektar.

Winkelmann hat 2012 angefangen, seinen Hof auf Bio umzustellen. Neben Sauen hat der Familienbetrieb eine kleine Mutterkuhherde und baut Getreide, Mais, Gemüse-Erbsen, Kürbisse, Linsen, Lupinen und Kleegras an. „Der Hanf passt gut hinein“, erklärt Antonius Winkelmann. „Als Biolandwirte müssen wir darauf achten, dass wir vielfältig und nicht in engen Fruchtfolgen anbauen.“

Der Hanf bei Merfeld ist wenig buschig und wuchtig. Das hat aber mit der Trockenheit nichts zu tun, sondern mit der Sorte: „Unsere Sorte dient ja nur der Samen- und nicht der Fasernutzung und deswegen wächst die Pflanze nicht so hoch und wuchtig.“ Das hat einen weiteren Vorteil: „Sie lässt sich mit einem normalen Mähdrescher ernten.“ Bei den Faser-Sorten müssten spezielle Maschinen zum Einsatz kommen.

- Hanf – eine alte Nutzpflanze:

Hanf ist längst nicht nur eine Rauschmittel-Pflanze: Schon die Luther-Bibel wurde auf Hanf gedruckt und Textilien aus Hanffasern sind inzwischen wieder verstärkt im Handel. In Lebensmittelgeschäften sind legal THC-freie Tees, Öle und Samen für den Salat erhältlich. Aus Hanfsamen gepresstes Hanföl gilt als wertvoll – es enthält neben Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen einen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

0 Wer darf Nutzhanf anbauen? Bauern ist es erlaubt, unter bestimmten Bedingungen Nutzhanf anzubauen, wenn der THC-Gehalt 0,2 Prozent nicht überschreitet. Der Nutzhanfanbau wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kontrolliert. Gärtnereien zum Beispiel dürfen keinen Nutzhanf anbauen; Privatpersonen sowieso nicht, egal wie niedrig der THC-Gehalt ist.

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