Kreis Coesfeld
Scharfe Kritik an Wahlkreis-Plänen

Kreis Coesfeld. Lüdinghausen und Olfen könnten bei den nächsten Landtagswahlen 2022 einem neuen Wahlkreis angehören: Recklinghausen IV. Grund dafür ist, dass die Wahlkreise im Raum Recklinghausen von der Einwohnerzahl her zu klein geworden sind. Deswegen schlägt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nun vor, Lüdinghausen und Olfen von dem jetzigen Wahlkreis 80 (Coesfeld II) in den Wahlkreis 72 zu verschieben.

Sonntag, 08.09.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Scharfe Kritik an Wahlkreis-Plänen
Foto: az

Durch mehrere weitere Zuordnungen soll insbesondere der Wahlkreis 69 Recklinghausen aufgrund fallender Bevölkerungszahlen „zwingend gestärkt werden“, der jetzt im wesentlichen aus der Stadt Recklinghausen gebildet wird. Der Wahlkreis 80 verzeichnet hingegen bei der Bevölkerungszahl ein rechnerisches Plus und soll deswegen ohne Lüdinghausen und Olfen bestehen bleiben – müsste aber mit der Verschiebung nach Recklinghausen IV ordentlich Federn lassen. Bislang gehören dem Wahlkreis 80 Dülmen, Nottuln, Senden, Ascheberg und Nordkirchen neben Lüdinghausen und Olfen an. Wenn die Pläne wie vorgeschlagen umgesetzt werden, würden Lüdinghausen und Olfen einem neu zugeschnittenen Wahlkreis 72 angehören, zu dem Haltern am See und Teile der Gemeinden Datteln und Dorsten zählen würden.

Bei der SPD im Kreis Coesfeld stößt die geplante Neueinteilung auf harsche Kritik. „Innenminister Reul will die Landtagswahlkreise im Kreis Coesfeld auseinanderreißen. Räumliche Zusammenhänge spielen nach den Plänen dann nur noch eine kleine Rolle“, sagt der Dülmener Landtagsabgeordnete André Stinka. „Vielmehr entstehen Wahlkreise, in denen die Städte und Gemeinden nicht mehr viel miteinander zu tun haben.“ Er verweist darauf, dass räumliche Zusammenhänge bei der Wahlkreiseinteilung beachtet werden müssen. Es sei „einfach Quatsch“, den Kreis Coesfeld anteilig auf drei Wahlkreise aufzuteilen. „Lüdinghausen und Olfen gehören nicht zum Kreis Recklinghausen, die Verbindung zu den Nachbargemeinden im Kreis Coesfeld sollte unbedingt erhalten bleiben“, fordert Stinka.

Auch Dietmar Panske aus Ascheberg, aus dem Wahlkreis 80 direkt gewählter CDU-Landtagsabgeordneter, ist mit dem geplanten Neuzuschnitt überhaupt nicht einverstanden. „Es ist äußerst ungeschickt, mit einem Wahlkreisneuzuschnitt die Grenze von Landkreisen zu überschreiten“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Auch er verweist darauf, dass nach dem Landeswahlgesetz auf die Grenzen von Kreisen und kreisfreien Städten Rücksicht genommen werden soll. „Diese Flickschusterei ,angeknabberter Kreise’ macht die Arbeit des Abgeordneten komplizierter und insbesondere für die Menschen ist es verwirrend, den richtigen Ansprechpartner zu finden“, so Panske.

Henning Höne, FDP-Landtagsabgeordneter aus Coesfeld, hält ebenfalls nichts von den Plänen des Innenministers. „Würden Lüdinghausen und Olfen zu einem Wahlkreis in Recklinghausen gehören, wären die Kommunen des Kreises Coesfeld auf drei Wahlkreise aufgeteilt. Das hielte ich für äußerst unglücklich“, sagt er.

Alle drei Abgeordneten betonen, dass sie sich für alternative Lösungen einsetzen wollen.

Wahlkreise:

Der Kreis Coesfeld ist (bislang) in zwei Landtagswahlkreise aufgeteilt: Wahlkreis 79, dem auch Orte aus dem Kreis Borken zugeteilt sind. Darin liegen: Billerbeck, Coesfeld, Havixbeck und Rosendahl sowie aus dem Kreis Borken Gescher, Heiden, Raesfeld, Reken, Südlohn und Velen. Aus dem Kreis Coesfeld ist aktuell Willi Korth (CDU) aus Coesfeld direkt gewählter Landtagsabgeordneter. Von der FDP zog Henning Höne (Coesfeld) über die Liste ein. Wahlkreis 80: Hier sind die restlichen Orte des Kreises Coesfeld zugeordnet: Ascheberg, Dülmen, Lüdinghausen, Nordkirchen, Nottuln, Olfen und Senden. Direkt von den Wählern in den Landtag gewählt wurde Dietmar Panske (CDU) aus Ascheberg. Außerdem (über Liste) ist André Stinka von der SPD aus Dülmen im Landtag vertreten. Sollte der Wahlkreis 80 wie geplant neu geordnet werden, würde der Kreis Coesfeld noch einmal zerschnitten, es käme ein dritter Wahlkreis hinzu und mit den Orten aus dem Kreis Recklinghausen auch ein dritter Landkreis. Bei der letzten Landtagswahl gab es 128 Wahlkreise in NRW. vth

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