Kreis Coesfeld
Ein Fest für die Hilfe zur Selbsthilfe

Von Elvira Meisel-Kemper

Dienstag, 10.09.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Ein Fest für die Hilfe zur Selbsthilfe
Einrad balancieren: Das Programm nach dem offiziellen Festakt sorgt für Spannung. Foto: az

Kreis Coesfeld. Seit 100 Jahren ist die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für alle da, unabhängig vom Alter, von der Gesundheit, vom Geschlecht, von der Religion oder der Herkunft. Seit September 1946 gibt es die Awo auch im Kreis Coesfeld, gegründet von Eleonore Pollmeyer. Das Jubelfest auf der Burg Lüdinghausen in Lüdinghausen war deshalb bewusst als Fest für alle Menschen angelegt.

Ein Film mit zwei Kinderreportern löste nicht nur Heiterkeit aus, sondern stellte plastisch die vielen Aufgabenfelder der Awo dar. Das „A“ stehe für Arbeiter, das „Wo“ für Wohlfahrt. „Das heißt, man hilft sich gegenseitig“, brachten die Reporter das auf den Punkt, was die Awo seit 100 Jahren leistet. „Wir sind ein Verein, der von Menschen für alle Menschen gegründet wurde“, fasste Ralf Cordes, Vorsitzender des Awo-Kreisverbands Coesfeld, das Fazit in seine Worte.

„Wenn es die Awo nicht gäbe, müsste man sie heute aus dem Stand gründen“, so Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. Immer wieder wurden in den Festreden die Herausforderungen des Nachkriegsjahres 1919 benannt, denen die Gründerin Marie Juchacz nicht tatenlos begegnen wollte. Die traumatisierten und verwundeten Soldaten, Wohnungsnot, soziales Elend, Arbeitslosigkeit und Armut waren nur einige der Aufgaben, denen sich die Awo stellte.

Josephine Kleyboldt, stellvertretende Bürgermeisterin, bezeichnete die Awo nach 1945 als „sozialpolitischen Wächter“. Auch sie lobte wie Schulze Pellengahr den Einsatz aller Mitarbeiter, vor allem der ehrenamtlichen Kräfte.

„Die Awo International ist auch in Krisenländern unterwegs und im Mittelmeer auf der SOS Mediterranee, ohne kriminalisiert zu werden“, hob Michael Scheffler, Vorsitzender des Awo Bezirks Westliches Westfalen, hervor und erntete dafür einen Sonderbeifall. Er kritisierte die Kinderarmut in Deutschland und befürwortete die Kindergrundsicherung.

Ebenso an die Adresse der Politik ging der ausgesprochene Gedanke von Cordes, die angestiegenen bürokratischen Hürden der Arbeit der Awo zu reduzieren.

„Die Awo leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in 100 Jahren noch die Hilfe zur Selbsthilfe brauchen“, ergänzte Christian Bugzel, Vorsitzender des Awo-Unterbezirks Münsterland-Recklinghausen.

Ein Film über die Geschichte der Awo, die von 1933 bis 1945 verboten war, und eine Ausstellung ergänzte das Fest in der Burg. Zahlreiche Angebote für alle Altersgruppen gab es im Burginnenhof und auf dem Außengelände. Siglinde Albes aus Havixbeck hatte auch den Festakt mitgemacht: „Das war eine ganz nette Feier. Ich bin vor drei Jahren Mitglied geworden, um Kontakt zu Menschen zu knüpfen, damit man nicht so allein ist.“ Im Innenhof lockten eine Hüpfburg, ein Zauberer und Varietekünstler, Tanzvorführungen, Musik, Speis und Trank und ganz viele Informationen zu den Aufgabengebieten der Awo.

Marion Collet, Leiterin der OGS Lüdinghausen, hatte mit ihren Mitarbeiterinnen auf dem Außengelände „Spiel Grenzen“ als siebenteiligen Stationslauf aufgebaut. Da das Wetter mitspielte, wurde auch dieses Angebot von den Familien ausgiebig genutzt.

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