Kreis Coesfeld
Recht gute Ernte und ein Korb für Plastik

Kreis Coesfeld. Hitzewelle, trockene Böden – und das in zwei Jahren in Folge. Trotzdem sind die Bauern im Kreis Coesfeld mit ihren Ernteerträgen in 2019 noch recht zufrieden, sagte Michael Uckelmann, Vorsitzender des WLV Landwirtschaftlichen Kreisverbands Coesfeld gestern beim Pressegespräch zum Erntedank im Kreishaus. Die Landwirte machen im Foyer des Kreishauses I in Coesfeld mit Früchten, Getreide, Blumen und Lebensmitteln auf die Ernte aufmerksam. „Wir möchten auch zum Nachdenken anregen“, sagte Kreislandwirt Georg Silkenbömer. Die Erntegaben stehen als Symbol der Dankbarkeit für die eingefahrene Ernte und der verbundenen Abhängigkeit von der Natur.

Mittwoch, 02.10.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Recht gute Ernte und ein Korb für Plastik
Gute Gaben an Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (3.v.l.): v.l. Michael Uckelmann, Raphael van der Poel vom Landwirtschaftlichen Kreisverband, Kreislandwirt Georg Silkenbömer, Annegret Langehaneberg vom Landfrauenverband, Martin Bontrup, Benedikt Selhorst, Tobias Großerichter vom Landwirtschaftlichen Kreisverband und Marianne Lammers, Geschäftsführerin Landwirtschaftskammer. Fotos: vth Foto: az

Mit einem Weidenkorb voller unverpackter und einem Kunststoffkorb voller verpackter Lebensmittel wollen die Kreis-Landfrauen „Plastik einen Korb“ geben. „Lebensmittel müssen nicht in dem Maße verpackt werden wie es immer noch passiert“, sagte Annegret Langehaneberg vom Vorstand der Kreislandfrauen. Der Verpackungswahn sei nicht notwendig, nicht nachhaltig und schlecht fürs Klima.

Wintergerste: Trotz der geringen Niederschläge im Sommer zeigte die Wintergerste überraschend gute Erträge, wie Uckelmann erklärte.

Winterweizen: profitierte vom milden Frühjahr, erbrachte etwa fünf Prozent mehr Ertrag als in den letzten Jahren.

Roggen: Guter Durchschnitt auch für den Roggen.

Mais: Unterschiedlich, die Ernte befindet sich gerade in den letzten Zügen. Auf schwereren Böden bessere Erträge. Zwischen 15 und 55 Tonnen je Hektar schwankte der Ertrag beim Silomais.

Gras: Guter erster Schnitt, aber dann wuchs wegen der Hitze für einen zweiten und dritten Schnitt nicht mehr genügend nach.

Kühe: Angespannte Situation bei der Grundfutterversorgung wegen der geringen Ernten bei Gras und Mais. Die Bauern bekommen aktuell pro Liter Milch 32 Cent – das sei nicht kostendeckend bei den hohen Futterkosten, sagen sie.

Schweine: Preise durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China und anderen Teilen Asiens stark gestiegen. Aktuell etwa 1,85 Euro/Kilo. Die Bauern rechnen mit weiter steigenden Preisen für ihre Tiere. Allerdings herrscht große Angst vor einem schnellen Preisverfall, sollte die ASP in Deutschland ausbrechen.

Die Landwirte betonten, dass sie einen gesellschaftlichen Dialog wollen. Eine Art Vertrag. „Viele Bauern sind bereit, etwas zu verändern“, erläuterte Uckelmann. „Aber sie müssen die Sicherheit haben, dass es dann auch gesellschaftlich gewollt ist.“ Das betreffe zum einen die vielen Vorschriften und gesetzlichen Hürden und Unklarheiten, zum anderen den Ertrag. Mehr Tierwohl und Qualität ziehe höhere Preise nach sich, „der Verbraucher muss sich darüber im Klaren sein.“ Es herrsche aber kein gesellschaftlicher Konsens, was überhaupt gewollt sei, was der Verbraucher bereit sei, auszugeben. Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr betonte, dass es letztlich der Verbraucher sei, der entscheide, wie es weitergehe.

Zurzeit werde im Kreis Coesfeld „nichts Nennenswertes“ mehr investiert, weil die Unsicherheit groß sei, beschrieb Raphael van der Poel, Geschäftsflürer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands, die Situation. „Für den Landwirt bewegt sich nichts, so kann er nichts bewegen.“

Landwirtschaftliche Betriebe im Kreis Coesfeld: 1786. Nebenerwerbsbetriebe: 40,2 Prozent

Rinderhalter: 603 mit 57 199 Rindern, davon 174 Milchviehbetriebe mit 12 831 Kühen

Schweinehalter: 999 mit 980 250 Schweinen, davon 242 Zuchtsauenhalter mit 47 620 Sauen

Hühnerhalter: 129 Betriebe mit 1,048 Mio. Hühnern Getreide und Mais: werden im Kreis Coesfeld überwiegend für Futter, Silo oder als Energieträger für Biogasanlagen angebaut.

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