Kreis Coesfeld
Der „elende Optimist“ rät: Öfter Danke sagen

Lüdinghausen. Es schüttet wie aus Kübeln. Das ist aber sicherlich nicht der Grund, warum Herbert Reul mit Verspätung in der Burg Lüdinghausen eintrifft. Bei VIPs ist damit zu rechnen. Im Saal warten 140 Gäste gespannt auf den NRW-Politiker. Gastgeber Landtagsabgeordneter Dietmar Panske (CDU) aus Ascheberg und Moderator Jörg Grabenschröer haben gerade die ersten Begrüßungsworten gesprochen, schon fliegt die Tür auf und der prominente Besuch marschiert unter Beifall zielstrebig durch bis zum Podium.

Mittwoch, 20.11.2019, 11:00 Uhr
Kreis Coesfeld: Der „elende Optimist“ rät: Öfter Danke sagen
Foto: az

Triple B – Burgherr, Bürgermeister Richard Borgmann – versicherte dem Gast, dass es sich bei dem Guss von oben um Freudentränen über seinen Besuch handelt. Die beiden Herren, die sich mit ihm verspätet haben, brauchen keinen Sitzplatz, sie wollen den Überblick behalten und vor allem den Sichtkontakt zum Chef. Die beiden attraktiven, sportlichen Silver-Ager sind seine Bodyguards, die sich hinten im Saal positionieren – mit verschränkten Armen.

Nein, Reul hält an diesem Abend keinen Vortrag über Sicherheit, Kriminalität, Gott und die Welt. Die Organisatoren hatten sich im Vorfeld für ein anderes Format entschieden: Fünf Themenblöcke werden kurz und prägnant angeschnitten. Die Gäste können dazu direkt Fragen stellen.

Drei gute Gründe, um in das Münsterland zu kommen, möchte Grabenschröer von ihm wissen. „Schönes Wetter“, flachst der Rheinländer. „Nette Kollegen und tolle Säle.“ Und weiter: „Sie sind von Beruf Lehrer und Erziehungswissenschaftler. Ist das von Vorteil zur Bändigung einer Behörde?“ Auch da bleibt der NRW-Innenminister ihm nicht lange eine Antwort schuldig: „Es ist kein Nachteil, Nicht-Jurist zu sein. Die andere Perspektive kann ja sehr hilfreich sein. Zunächst geht es doch mal darum, Vertrauen aufzubauen!“. Außerdem habe er drei Töchter und einen Enkel und „meint ihr, ich entlass’ den in so eine komische Welt? Kommt gar nicht in Frage!“

Als langjähriger EU-Abgeordneter sei es nie sein Ziel gewesen, Innenminister zu werden. „Ich bin 67 Jahre alt. Eigentlich war ich schon durch mit meinem Job. Aber es hat mich gereizt, zu beweisen, dass ein Staat Sicherheit organisieren kann.“ Er selber bezeichnet sich - mit entsprechend rheinländischem Humor - als „elenden Optimisten“ und kommt damit an diesem Abend sehr vertrauenswürdig, menschlich und tatkräftig rüber.

Egal, welche Fragen ihm gestellt werden, sprudelt es sofort „erstens, zweitens“ und manchmal direkt „viertens – oh hoppla, da hab´ ich drittens vergessen“ aus ihm heraus.

Thema: Kindesmissbrauch. „Wir brauchen vernünftige Daten-Autobahnen. Unsere Systeme sind aus der Steinzeit. Wenn wir Unmengen von Beweismaterial sichten müssten, kommen wir ohne die künstliche Intelligenz nicht aus. Das heißt ja nicht, dass wie in Amiland alles abgehört werden muss. Aber dazwischen gibt es bestimmt etwas, das gut ist!“, so Reul.

Seine Empfehlung an alle: „Mehr loben und öfter Danke sagen. Das ist ja völlig aus der Mode gekommen. Und: Gehen Sie fair mit Politikern um, auch mit den ehrenamtlichen, die machen einen Super-Job und kümmern sich!“.

Abschließend überreicht Burgherr Borgmann ihm ein Blaudruck-Präsent „für Ihre Frau, die sicher zuhause auf Sie wartet. „Das hoffe ich sehr“, flachst Reul und hat selber viel Spaß dabei. Humor hat er, der Reul, und schlagfertig ist er auch.

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