Kommunen des Kreises setzen auf ein Maßnahmenbündel gegen den Eichenprozessionsspinner
Viele Strategien – keine Patentlösung

Kreis Coesfeld. Eine kreisweite Lösung gegen den Eichenprozessionsspinner gibt es nicht. Das stellte Kreisdirektor Dr. Linus Tepe am Ende des Informationsaustausches im Naturschutzzentrum in Darup klar. Die Maßnahmen, die die einzelnen Kommunen im Kreis ergreifen, um der erwarteten Neuauflage der Plage im kommenden Jahr Herr zu werden, sind jedoch vielfältig. Sie reichen von einer Heißwasserbehandlung bis zum gezielten und wohldosierten Einsatz von Bioziden. Eine Strategie wird jedoch überall verfolgt: die natürlichen Fressfeinde der Raupen und Falter wie Meisen und Fledermäuse zu stärken.

Samstag, 07.12.2019, 10:08 Uhr
Kommunen des Kreises setzen auf ein Maßnahmenbündel gegen den Eichenprozessionsspinner: Viele Strategien – keine Patentlösung
Für das kommende Jahr wird eine ähnliche Plage durch den Eichenprozessionsspinner vermutet wie in diesem Jahr. In Lüdinghausen hat man mit einer Heißwasserbehandlung gute Erfahrungen gemacht (oben r.). Auf Nistkästen für Meisen setzen alle Kommunen verstärkt (unten r.). Jetzt schon die Gelege in den Baumkronen aufzuspüren, erweist sich aufgrund der Größe als nahezu unmöglich. Fotos: Nabu Coesfeld/Stadt Lüdinghausen/fs/SKS Forst GbR Foto: az

„Aus alten preußischen Schriften wissen wir, dass es schon früher einmal eine Massenvermehrung gegeben hat“, spricht Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld von Intervallen, in denen sich die Raupen immer mal wieder stark vermehrt haben. Und bereits damals wusste man: Schont die Drosseln und Meisen als Gegenspieler der lästigen Raupen. Nun sei man wieder auf dem Weg zu einem Höhepunkt dieser Intervalle. Und auch jetzt soll eine Strategie besonders helfen – nachdem bereits die Niederlande damit gute Erfahrungen gemacht haben: das Aufhängen von Nistkästen für Meisen, wie es derzeit in vielen Kommunen praktiziert wird. „Das könnte ein erfolgversprechender Ansatz sein“, meint Steinhoff, der sicher ist, dass die Population irgendwann auch auf natürliche Weise zusammenbrechen wird. Bis dahin müsse man jedoch gegen diese Plage vorgehen und dabei auch die Bürger mit ins Boot holen. So werden in vielen Städten – unter anderen in Billerbeck, Lüdinghausen und Ascheberg gemeinschaftlich Nistkästen gebaut und aufgehängt.

Lüdinghausen setzt daneben besonders auf die Behandlung der Nester mit 95 Grad heißem Wasser. „Dabei zerfallen alle Proteine in den Brennhaaren“, erklärt Heinz-Helmut Steenweg vom Bauamt der Stadt.

Senden hat in diesem Jahr rund 5000 Nester beseitigt. Zurzeit werde diskutiert, punktuell an Gefahrenstellen Biozide einzusetzen. Dabei handelt es sich um einen Bazillus, der den Raupen den Garaus machen soll. „Es gibt kein Patenrezept. Wir wollen uns breit aufstellen mit Meisenkästen und auch Fallen an den Stämmen“, berichtet Erwin Oberhaus von der Gemeinde.

Auch in Ascheberg wird der Einsatz von Bioziden diskutiert. „Aber nur, wo es notwendig ist und nur so gering wie möglich“, meint Pressesprecherin Simone Böhnisch. „Es ist immer eine Abwägung zwischen dem Schutz der Bevölkerung und der Natur.“

Coesfeld sei zwar eher „eine Lindenstadt“, so Bauhofleiter Theo Reckert. Dennoch habe man viele Nester an den Schwerpunkten mechanisch durch Absaugen oder Abflammen entfernt. „Die natürlichen Gegenspieler müssen eine Chance haben“, sagt auch Reckert.

In Nottuln habe man ebenfalls noch „keinen Königsweg gefunden“, berichtet Stefan Kohaus vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung. Neben dem Absaugen setze man auch in Nottuln auf Nistkästen und wolle die Bevölkerung miteinbeziehen. Wichtig sei es, so Christoph Steinhoff, „unbedingt ambrosiafreies Futter für die Meisen zu verwenden“, betont der Fachmann.

Der Kreis Coesfeld sei in diesem Jahr vor allem an den Kreisstraßen tätig geworden, die an „hochfrequentierten Bereichen wie Freibädern oder Schützenfestplätzen vorbeiführen“, sagt Kreisbauhofleiter Michael Schräder-Osthues.

Die Gelege mit rund 200 Eiern der Falter, die nur wenige Tage leben, befinden sich jetzt schon in den Baumkronen. Sie alle aufzuspüren, sei hingegen nicht möglich, da sie kleiner als ein Streichholz sind. Bleibt nur die Hoffnung auf einen „knackig-kalten Winter oder ein nass-kaltes Frühjahr“, so Christoph Steinhoff. Ein Spätfrost würde die Raupen dahinraffen. Ansonsten müsse man bis zum Frühjahr warten, um dann gezielt Maßnahmen zu ergreifen.

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