Riesenerfolg für Buch über Heuerleute
Neunte Auflage mit Bericht von Zeitzeugen aus dem Kreis

Kreis Coesfeld (vth). Sie gehörten zur Landbevölkerung, besaßen aber nur wenig: Die Heuerleute, die bis in die 50er Jahre Jahre des 20. Jahrhunderts ein wichtiges Element der Agrargesellschaft in Nordwestdeutschland darstellten.

Dienstag, 07.01.2020, 11:00 Uhr
Riesenerfolg für Buch über Heuerleute: Neunte Auflage mit Bericht von Zeitzeugen aus dem Kreis
Ein alter Heuermann zieht selbst die Egge. Foto: Kreisarchiv Emsland/H. Tecklenburg

Sie bewirtschafteten als Pächter zwar eine kleine Landstelle mit einem Heuerhaus, mussten aber die Miete überwiegend in Form von Arbeit auf dem Hof des Bauern ableisten. Unter dem Titel „Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen“, brachten Dr. Helmut Lensing (Greven)und Bernd Robben ein Buch über das Heuerlingswesen heraus, das sich von der holländischen Grenze bis nach Ostwestfalen-Lippe ausbreitete. Das Buch erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es nun in neunter Auflage erschienen ist. „Nachdem die 7. und 8. Auflage um die Jahreswende 2018/19 innerhalb weniger Wochen vergriffen war, hielt zu unserem Erstaunen die Nachfrage immer noch an, im Internet wurde hohe Preise für alte Ausgaben verlangt“, berichtet Lensing in einer Mitteilung. Die neue, neunte Auflage wurde leicht erweitert, unter anderem um einen Zeitzeugenbericht aus dem Kreis Coesfeld: Ein Heuerlingssohn aus Billerbeck erzählt darin über den Kampf seiner Eltern um ein eigenes Heim anstelle des beengten bäuerlichen Kottens.

Heuerhäuser oder Kotten sieht man heute auch in hiesiger Region noch. Doch die inzwischen zumeist sanierten Häuschen mit hübschen Bauerngärtchen waren früher alles andere als idyllisch. Sie befanden sich häufig in der Nähe des eigentlichen, großen Hofs, waren einfach gebaut, im Winter eiskalt und spiegelten die bittere Armut der Bewohner wider, die von „ihrem“ Bauern abhängig waren. Aufgebessert haben sie ihr Einkommen oft noch mit Handwerkstätigkeiten und Saisonarbeiten und Torfstechen in Holland. Die angeheuerten Leute waren Mägde und Knechte; aber auch spätgeborene Söhne und Töchter des Bauerns mussten sich mit einem Kötterhaus zufrieden geben, wenn das Erbe an die älteren Geschwistern gegangen ist. Ein guter Teil der Auswanderer, die im 19. Jahrhundert nach Amerika gingen, waren Angehörige von Heuerlingsfamilien. Im Kreis Coesfeld gründete sich 1919 ein Pachtschutzverein aus Heuerleuten, Köttern und Kleinbauern, der spätere „Westfälische Bauernbund“.

| www.heuerleute.de

0 Helmut Lensing/Bernd Robben: „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“, 24,90 Euro.

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